23. Oktober 2020

Ökologisch wohnen im Bestandsquartier

Darmstadt (pm) – Wie städtische Quartiere nachhaltig umgestaltet werden können, dazu forscht das Öko-Institut am Beispiel zweier Quartiere in der Schwarmstadt Darmstadt seit April 2020 im Projekt Transformative Strategien einer integrierten Quartiersentwicklung (TRASIQ 2). Das Bundesforschungsministerium fördert das vom Öko-Institut geleitete Projekt, an dem die Wissenschaftsstadt Darmstadt, das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) und die Agentur „Team Ewen“ beteiligt sind.

Wie städtische Quartiere nachhaltig umgestaltet werden können, dazu forscht das Öko-Institut am Beispiel zweier Quartiere in der Schwarmstadt Darmstadt seit April 2020 im Projekt Transformative Strategien einer integrierten Quartiersentwicklung (TRASIQ 2). Das Bundesforschungsministerium fördert das vom Öko-Institut geleitete Projekt, an dem die Wissenschaftsstadt Darmstadt, das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) und die Agentur „Team Ewen“ beteiligt sind.

Mobilität, Wärme und Wohnfläche

Im Fokus des Projektes stehen die Forschungsthemen Mobilität, Wärmeversorgung und effiziente Wohnraumnutzung. Für klimaschonendes Wohnen ist die Wärmeversorgung ein wichtiger Schlüssel. Wie und wo lässt sich beispielsweise Fernwärme in Bestandsimmobilien ausbauen? Wie erhöhen wir den Anteil erneuerbarer Energien in der Wärmeversorgung? Auch die Größe der Wohnfläche trägt dazu bei, wie umweltfreundlich ein Mensch wohnt. Was muss getan werden, dass Menschen durch intelligenten Wohnungstausch die Wohnfläche zur Verfügung haben, die sie in ihrer jeweiligen Lebensphase gerade brauchen? Wie können Quartiere so umgestaltet werden, dass die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Mobilität ökologisch gestalten können?

Im September 2020 haben die Projektpartner mit Akteuren aus dem Stadtplanungsamt, dem Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung und dem Mobilitätsamt der Stadt Darmstadt, der Stadt- und Verkehrsplanung, HEAG mobilo, der Bauverein AG, der GHW Wohnungsgesellschaft Hessen, dem Mieterbund und dem Büro der Bürgerbeauftragten, auf einem Workshop erste Ideen für die beiden Quartiere im Rahmen von TRASIQ 2 erarbeitet und ausgetauscht.

Beteiligung bei der Entwicklung des Quartiers

Frühzeitig werden Bürgerinnen und Bürger einbezogen. Das Instrument der Planungsforen erlaubt, chancengleich ausgewählte Bürgerinnen und Bürger mit unterschiedlichen Sichtweisen und Interessen auszuwählen – aus der Anwohnerschaft, aus der Gesamtstadt und aus Zuzugswilligen.

Orientierung für Stadtplaner, Architekten

Das Ziel des Projektes ist es, die Ergebnisse aus der Vorhaben TRASIQ 1, bei dem es um ein zukünftiges Quartier auf einer Konversionsfläche ging, nun auf die Transformation zweier bereits bestehender Quartiere zu übertragen. „Die Herausforderung ist dabei, dass die erfolgreiche Umsetzung von Transformationsprozessen in Bestandsquartieren schwieriger ist als in Neubauquartieren. Denn dort kann konzeptionell und baulich bei null begonnen werden, in Bestandsquartieren sind die städtebaulichen Gegebenheiten und die Menschen vor Ort der Ausgangspunkt“, sagt Projektleiter Dr. Matthias Buchert vom Öko-Institut.

Die Bestandsquartiere sind das Darmstädter Martinsviertel sowie Kranichstein-Süd. Dass die Maßnahmen und Modelle, die TRASIQ 2 hervorbringen wird, auf andere Viertel und andere Städte übertragen werden können, ist ein übergreifendes Ziel. „Darmstadt ist ein gesuchter Ort zum Leben und Arbeiten. Der Druck auf den Wohnungsmarkt ist hoch. Die nachhaltige Gestaltung und Weiterentwicklung der Quartiere im Bestand ist deshalb ein wichtiger und oft-mals unterschätzter Bestandteil einer klugen und ausgewogenen Strategie für das Darmstadt von Morgen“, sagt der Oberbürgermeister der Wissenschaftsstadt Darmstadt, Jochen Partsch.

„Fahrpläne der Realisierung“

Dabei sollen „Fahrpläne“ entstehen. Die Idee ist angelehnt an die schon existierenden Sanierungsfahrpläne für Wohngebäude. Darin werden den Gebäudeeigentümern die Schritte einer energetischen Sanierung bis hin zum klimaneutralen Gebäude aufgezeigt. „Diese Idee wird hier weiterentwickelt. Zum einen wird sie auf Quartiere übertragen und zum anderen können über die energetische Perspektive hinaus weitere Nachhaltigkeitsaspekte, wie Flächennutzung, Mobilität, Ressourcennutzung, Treibhausgase, aufgegriffen werden“, sagt Sebastian Eichhorn vom Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung.

Online-Tool am Modell Darmstadt

Das neue Quartier aus TRASIQ 1, aus dessen Planung ein Online-Bewertungsinstrument hervorgegangen ist, ist das Ludwigshöhviertel in Darmstadt. Das Online-Tool kann der kommunalen Verwaltung – hier konkret Darmstadt – interessierten Bürgerinnen und Bürgern, Investorinnen und Investoren und Entscheidungsträgerinnen und -trägern als zusätzliche Informationsquelle dienen. „In den Planungsforen wurden diese Zielgruppen in die Bewertung und Lösung möglicher Zielkonflikte nachhaltiger Quartiersentwicklung einbezogen“, sagt Dr. Christoph Ewen, der das Projekt für Team Ewen begleitet hat und bei TRASIQ 2 entsprechend beteiligt ist.

TRASIQ 1

Der Ausgangspunkt für TRASIQ 1 war, dass Fachverwaltungen, zukünftige Investoren, aber auch Versorger, Dienstleister und zukünftige Bewohnerinnen und Bewohner jeweils eigene Vorstellungen und Ziele für ein Viertel haben. Oft werden Planungen erstellt, ohne sich untereinander abzustimmen, und ohne die Effekte auf die Nachhaltigkeit zu kennen. Für den Aufbau eines nach-haltigen Stadtteils braucht man hingegen einen solchen gemeinsamen Überblick und eine Bewertung.

Über das Öko-Institut

Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

 

Pressemitteilung: Öko-Institut e.V.