29. Februar 2024

Neues IBA’27-Projekt: »Wohnen am Fluss in Untertürkheim«

Phantasie und Fingerspitze statt Abrissbirne: Inselstraße 140 in Stuttgart-Untertürkheim im Siegerentwurf von NL Architects, Amsterdam. Bild: NL Architects

Stuttgart (pm) – An der Inselstraße in Stuttgart-Untertürkheim, direkt am Neckar und an einem Kraftwerkskanal mit historischem Wasserkraftwerk, soll ein Quartierteil einen Brückenkopf zum Fluss bilden. Hochwertige und vielfältige Wohnungen, der Umbau eines Dienstleistungsgebäudes aus den 1970er-Jahren, rationelle Bautechnologien, gewerbliche und gemeinschaftliche Nutzungen in den Erdgeschossen und hohe Nachhaltigkeitsstandards werten eine Brache in Insellage zu einem wertvollen Stadtbaustein auf. Jetzt ist das Vorhaben offiziell zum »IBA’27-Projekt« ernannt worden.

Im Stuttgarter Stadtteil Untertürkheim kann zum Präsentationsjahr der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart (IBA’27) beispielhaft wahr werden, wovon viele in der Region Stuttgart träumen: Wohnen, leben und arbeiten am Neckar. Auf einem knapp ein Hektar großen Gelände auf einer Neckarinsel im Südosten der Landeshauptstadt plant die Bietigheimer Wohnbau GmbH (BW) ein gemischtes Quartier für Wohnen und Arbeiten. Rund 140 Wohnungen sind vorgesehen, in den Erdgeschossen sollen Gewerbe und soziale Nutzungen unterkommen. Das Projekt will zeigen, wie Wohnen in einer industriellen Umgebung funktioniert. Ein Teil des Projektareals gehört der EnBW Energie Baden-Württemberg AG, die in die Projektentwicklung eingebunden ist.

Phantasie und Fingerspitze statt Abrissbirne: Inselstraße 140 in Stuttgart-Untertürkheim im Siegerentwurf von NL Architects, Amsterdam. Bild: NL Architects

Den internationalen Architekturwettbewerb für das Projekt hatte im Frühjahr 2022 das Büro NL Architects aus Amsterdam für sich entschieden. Der Entwurf von NL Architects sieht vor, ein bestehendes sechsstöckiges Bürogebäude aus den 1970er-Jahren zu erhalten und umzubauen. Neben Raum für Wohnexperimente und Gewerbeflächen entsteht hier der großzügige Eingang ins Areal. Zusammen mit a+r Architekten aus Stuttgart wurde der Entwurf weiterentwickelt und verfeinert. Neubauten um einen gemeinschaftlichen Hof bilden ein architektonisch reichhaltiges Ensemble. Die vielfältigen und teils anpassbaren Wohnungsgrundrisse schaffen Raum für verschiedene Lebenssituationen in einer breiten sozialen Mischung.

Mit der direkten Lage am Wasser ermöglicht das neue Quartier eine Verbindung zwischen Stadt und Fluss sowie neue Aufenthaltsorte direkt am Neckar. Das Konzept umfasst außerdem ein von der EnBW entwickeltes ambitioniertes Energiekonzept, unter anderem sollen Wärmepumpen die Energie des Neckarwassers nutzen. In direkter Nachbarschaft befindet sich ein historisches Wasserkraftwerk, das unter Denkmalschutz steht, erhalten bleibt und weiterhin Strom erzeugt. Die Fertigstellung des Projekts ist bis 2027 geplant.

Phantasie und Fingerspitze statt Abrissbirne: Inselstraße 140 in Stuttgart-Untertürkheim im Siegerentwurf von NL Architects, Amsterdam. Bild: NL Architects

»Das Projekt zeigt beispielhaft, wie sich der Neckar in Stuttgart für die Menschen öffnen kann«, so IBA’27-Intendant Andreas Hofer. »Die lebendigen Erdgeschosse und der Zugang zum Wasser schaffen öffentlich zugängliche Räume, die für den gesamten Stadtteil ein Gewinn sind. Der Zugang zum Neckar wird im Rahmen des Masterplans Neckar gemeinsam mit der Stadt Stuttgart aufgewertet und gestaltet. Die Verbindung von Wohnen und Arbeiten, die schöne Lage am Fluss, preisgünstiges Bauen durch rationelle Konstruktion und serielle Holz-Modulbauweise, der Erhalt des Bestands statt Abriss: all das passt sehr gut zu den Ansätzen der IBA.«

»Wir freuen uns sehr, innovative und zukunftsfähige Wohnwelten gemeinsam mit der IBA zu entwickeln und das Thema Wohnen auf ein anderes Level zu heben. Dieses einmalige Projekt fasziniert und bringt eine Einzigartigkeit mit, auf die wir uns schon sehr freuen«, so Carsten Schüler, Geschäftsführer der BW.

Der Aufsichtsrat der IBA’27 GmbH folgte der Empfehlung des international besetzten Kuratoriums und hat Ende März die Aufnahme von »Wohnen am Fluss« als IBA-Projekt einstimmig beschlossen. Damit hat die Bauausstellung nun insgesamt 17 Projekte im Portfolio, weitere sollen im Lauf des Jahres hinzukommen. Die IBA rechnet aktuell mit insgesamt 20 bis 25 Projekten, die bis 2027 zumindest in Teilen realisiert und ausgestellt werden können.

Phantasie und Fingerspitze statt Abrissbirne: Inselstraße 140 in Stuttgart-Untertürkheim im Siegerentwurf von NL Architects, Amsterdam. Bild: NL Architects

Hintergrund

Genau 100 Jahre nach dem Aufbruch der Architekturmoderne am Stuttgarter Weissenhof sucht die Internationale Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart (IBA’27) nach der Zukunft des Bauens und Zusammenlebens in einem der wirtschaftlich stärksten Zentren Europas. Die Ausstellungsorte im Jahr 2027 sind Bauten und Infrastrukturen, die den Aufbruch in eine nachhaltige Zukunft sicht- und greifbar machen: Häuser und Quartiere, die Funktionen und Lebensbereiche mischen und so Nähe zwischen Menschen in einer produktiven Stadtregion schaffen, kleine und große Stadtbausteine, die urbane Dichte herstellen und das öffentliche Leben feiern. Den Vorhaben und Projekten der IBA’27 gemeinsam ist der Wille zu einem nachhaltig wertschätzenden Umgang mit Materialien, Räumen und sozialen Beziehungen.

Gesteuert wird die Bauausstellung von der IBA’27 StadtRegion Stuttgart GmbH. Gesellschafterinnen sind die Landeshauptstadt Stuttgart, der Verband Region Stuttgart und die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS), die Architektenkammer Baden-Württemberg sowie die Universität Stuttgart. Die Gesellschafterinnen übernehmen anteilig die laufende Finanzierung der GmbH. Zusätzliche Unterstützung erhält die IBA’27 vom Land Baden-Württemberg und aus der Wirtschaft. Der Verein IBA’27 Friends e.V. fördert und initiiert Veranstaltungen und Projekte, die die IBA begleiten.

Pressemitteilung: Internationale Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart GmbH

Weitere Artikel im Architekturblatt