7. August 2022

Neubau, Modernisierung oder abwarten?

Entscheidungshilfe für Immobilien des Lebensmitteleinzelhandels: Absolvent der FH Münster erhält Hochschulpreis für seine Masterarbeit

FH-Absolvent Jannik Bräuer erhielt für seine Masterarbeit am Fachbereich Bauingenieurwesen den Hochschulpreis der FH Münster. (Foto: FH Münster/Anne Holtkötter)

Münster (pm) – Ein Neubau oder eine Modernisierung machen Verkaufsflächen moderner, sie sind allerdings teuer. Wenn Entscheidungen anstehen, was mit Immobilien des Lebensmitteleinzelhandels passieren soll, werden diese oft nach Erfahrungswerten gefällt, sagt Bauingenieur Jannik Bräuer. „Manch wichtige Punkte hat man dabei nicht immer vor Augen, wie etwa: Gibt es Bodenaltlasten? Macht der erwartete Mehrumsatz die Baukosten wett?“, erklärt der FH-Absolvent. In seiner Masterarbeit am Fachbereich Bauingenieurwesen entwickelte er daher ein Excel-Tool zur Entscheidungshilfe. Dafür bekam er von der FH Münster einen Hochschulpreis verliehen.

Seine Masterarbeit bei Prof. Dr. Stefanie Friedrichsen schrieb der Bauingenieur im Rahmen seiner Werkstudentenstelle in der „Expansion Vollsortiment“ bei der REWE Markt GmbH. Dafür schaute er sich die Filialen des Unternehmens genauer an. Seine Entscheidungshilfe – entwickelt für die Eigentumsobjekte von REWE – berechnet einen Score. Darüber gibt sie an, ob es sich am meisten lohnen würde, abzureißen und neu zu bauen, zu modernisieren oder die Größe der Verkaufsfläche anzupassen. Ebenfalls eine Variante: Das Gebäude erstmal stehen lassen und in einigen Jahren neu bewerten. „Letztlich geht es darum zu beurteilen, wie sich die Baumaßnahmen über einen definierten Zeitraum wirtschaftlich auf die Filiale auswirken. So können Entscheidungen objektiv und nachvollziehbar getroffen werden“, so Bräuer. Denn insbesondere bei Eigentumsobjekten sei eine durchdachte Entscheidung von Bedeutung, da sich bauliche Maßnahmen sowohl auf den Immobilienwert als auch auf den Umsatz des Marktes auswirken.

Zunächst werden die Grunddaten im Programm eingetragen: Umsatz, Nutzungs- und Verkaufsfläche sowie Buchwerte des Objektes. Dann folgt die Bewertung der K.O.-Kriterien. „Manchmal schließen beispielsweise das Baurecht oder fehlende Erweiterungsmöglichkeiten eine Variante aus“, so der Hochschulpreisträger. Weiter geht es mit den sogenannten Partialkriterien wie der Kaufkraftentwicklung im Einzugsgebiet der Filiale, die Entwicklung der Einwohner*innenzahl oder der Beurteilung der Wettbewerbsobjekte. Bräuers Entscheidungstool errechnet darüber eine Punktzahl und gibt wirtschaftliche Daten wie etwa die geschätzten Baukosten oder den erwarteten Deckungsbeitrag der jeweiligen Optionen aus. „Excel gibt je zwei favorisierte Empfehlungen zum Objekt, zwischen denen die Anwenderin oder der Anwender entscheiden kann“, so Bräuer. Der FH-Alumnus arbeitet mittlerweile festangestellt bei REWE als Projektmanager in der Expansion. Sein Entscheidungstool wendet das Unternehmen für seine Filialen an und wird von Bräuer fortlaufend optimiert.

Zum Thema: Gerade einmal ein Prozent aller Absolvent*innen eines Jahrgangs erhält ihn: den Hochschulpreis. Jedes Jahr kürt das Präsidium gemeinsam mit der Gesellschaft der Freunde der FH Münster e. V. (gdf) auf Vorschlag der Fachbereiche die besten Abschlussarbeiten. Zu den Preisträger*innen des Hochschulpreises für die besten Arbeiten aus 2021 gehört auch Jannik Bräuer vom Fachbereich Bauingenieurwesen. Er erhält den Preis für seine Masterarbeit „Bestandsentwicklung von Lebensmitteleinzelhandelsimmobilien – Entwicklung eines Scoringmodells zur Entscheidungsfindung“. Eine vollständige Übersicht aller gewürdigten Absolvent*innen ist im Jahresbericht ab Seite 41 abrufbar: https://fh.ms/jb-2021.

Pressemitteilung: FH Münster