22. Juli 2026

Nangang Pair: MVRDV entwirft ein östliches Tor für Taipeh

Nangang Pair: MVRDV plant zwei Bürotürme in Taipeh
© MVRDV

Rotterdam (abki) – MVRDV hat zwei Bürotürme im Bezirk Nangang in Taipeh entworfen, die zusammen ein neues urbanes Tor im Osten der Stadt bilden. Vor dem Bahnhof Kunyang positioniert, ist Nangang Pair durch eine klare architektonische Geste geprägt: Es erscheint als eine einzelne Gebäudefläche, die in zwei komplementäre Türme geteilt ist, mit einer „zerbröckelnden“ Oberfläche und einer kontrastierenden Fassadengestaltung, um diesen scheinbaren Bruch zu betonen und hervorzuheben. Für die JUT Group entwickelt, dient der Entwurf als formaler Eingang zum Bezirk, schafft einen öffentlichen Platz, indem er sich zum Bahnhof öffnet, und lenkt die Fußgängerströme in Richtung Stadt.

Ein östliches Tor für Taipeh

Historisch als Industriegebiet mit dem Spitznamen „Black Town“ bekannt, hat sich Taipehs Nangang zu einem Zentrum für Technologie, Finanzen und Innovation entwickelt und fungiert heute als östlicher Verkehrsknoten der Stadt. Eine umfassende Stadterneuerung, die seit den frühen 2000er-Jahren vielfach durch öffentlich-private Partnerschaften vorangetrieben wurde, hat eine breite Palette neuer Entwicklungen hervorgebracht, was im Bezirk zu einer relativ einheitlichen architektonischen Sprache geführt hat. In diesem Kontext war es wichtig, dass das Projekt eine klare und wiedererkennbare architektonische Geste setzt. Das Grundstück von Nangang Pair liegt an einem zentralen Punkt, an dem Hochgeschwindigkeits- und Regionalbahnlinien am Bahnhof Kunyang zusammenlaufen. Aufgrund der Intensität dieses Verkehrsknotens würde ein konventioneller, durchgehender Baukörper den Fußgängerverkehr rund um den Bahnhof unterbrechen. Stattdessen teilt das Projekt das benötigte Volumen in zwei Teile und winkelt die Türme so an, dass ein öffentlicher Platz und großzügige Lobbys entstehen, die den Personenstrom aufnehmen und ein klares Ankunftsgefühl schaffen, während sie zugleich den Blick auf den dahinterliegenden Hsin Hsin Park rahmen.

Geteilte Volumen und Fassadenkontrast

Der Entwurf ist durch die beiden Volumen definiert, die sich voneinander lösen und so ein Tor zum Bahnhof bilden, wobei sie wie eine einzelne vertikale Platte erscheinen, die in zwei Teile gespalten ist. Durch diese Teilung entstehen an den Innenseiten der Türme Fragmente in Form von Balkonen, während in dem jeweils gegenüberliegenden Volumen entsprechende Aussparungen entstehen.

„Indem wir das geforderte Bauvolumen teilen, schaffen wir ein Tor, das direkt auf die urbanen Ströme rund um den Bahnhof reagiert“, sagt MVRDV-Gründungspartner Winy Maas. „Es ist eine wörtliche Geste des Öffnens; die Türme treten auseinander, um das Viertel zu rahmen und den Fluss der Stadt durch das Gebäude zuzulassen, statt ihn zu blockieren.“

Dieser „Bruch“ in der Massengliederung wird durch eine unterschiedliche Fassadengestaltung weiter betont. Die Außenseiten der Türme sind mit einer Glasvorhangfassade mit hervortretenden Pfosten verkleidet, während die Innenseiten der Öffnung mit einer feineren, bündigen Fassade behandelt sind, die den Kontrast hervorhebt. Die Rasterlinien der Fassade setzen sich in die Pflasterung des Platzes fort, wobei das verzerrte Raster auf dem Boden die Teilungsgeste verstärkt.

Erdgeschoss, gemeinschaftliche Angebote und Klimaresilienz

Im Erdgeschoss werden die Ecken der Türme zurückgeschnitten, um einen grottenartigen Überhang über den Lobbyeingängen zu schaffen. Diese Geometrie wird durch geneigte Stützen entlang der Innenseite jedes Turms getragen, was auf die anspruchsvollen seismischen Bedingungen Taiwans reagiert und zugleich einen offenen, stützenfreien Eingang ermöglicht.

Das Erdgeschoss nimmt großzügige Lobbys und Einzelhandelsflächen mit Cafés und Restaurants auf, während die dritte Ebene gemeinschaftliche Angebote für Mieter wie Videokonferenzräume und Lounges bereitstellt. Um den Platz weiter zu beleben, sind kleine pavillonartige Objekte, die als Kioske oder Sitzgelegenheiten dienen, über die Landschaft verteilt und erscheinen als Fragmente, die vom Hauptbaukörper abgebrochen sind.

Das Projekt umfasst einen Dachgarten für die Mieter und integriert mehrere technische Lösungen zur Klimaresilienz. Regenwassersammelsysteme sind in die Bewässerung von Dach und Landschaft eingebunden, während Rückhaltebecken im Erdgeschoss und innerhalb der Fundamentplatte zur Minderung städtischer Überschwemmungen beitragen. Zusätzlich sind auf dem Dachaufbau Photovoltaikmodule installiert, um die öffentlichen Bereiche des Gebäudes mit Strom zu versorgen.

Quelle: MVRDV · KI-gestützte Textaufbereitung · Redaktion: Architekturblatt