30. Oktober 2026

NAT:26 – Demokratie, Werte, Abrissverbot.

Karlsruhe/Berlin (pm) – Planungsnachwuchs aus Studium, Lehre, Praxis und Berufspolitik positioniert sich auf dem 3. Nachwuchsarchitekt:innentag NAT:26 mit zentralen Thesen zur Zukunft ihres Berufsstandes.

„Steht für die Werte ein, die euch wichtig sind!“ lautet eine zentrale Botschaft des NAT:26. Rund 300 Teilnehmende aus den Fachrichtungen Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung kamen am 23.10.2026 am KIT in Karlsruhe zusammen mit dem Ziel, die für den Berufsstand wichtigsten Bedingungen und Weichenstellungen diskutierten und zu priorisieren. Im Mittelpunkt stand das Berufsbild im Stresstest – bedingt durch Klimakrise, Wohnraummangel, Ressourcenknappheit, Digitalisierung sowie demografischen und gesellschaftlichen Wandel. All dies stellt neue Anforderungen an Planung, Zusammenarbeit und Ausbildung, die auf dem NAT:26 zusammengebracht wurden. In Keynotes, Workshops und Diskussionen ging es deshalb um die gemeinsame Verantwortung für die gebaute Umwelt, um neue Formen des Arbeitens und Lernens, nachhaltiges Planen und Bauen, den Umgang mit dem Bestand, Partizipation und Intersektionalität sowie die Rolle der Kammern.

Der NAT 2026 macht deutlich: Probate Antworten entstehen im Austausch über Disziplinen, Generationen und institutionelle Grenzen hinweg. Während die jungen Planenden mehr Bewusstsein und Umdenken bei Entscheidungsträgern einfordern, ermutigten die Etablierten den Nachwuchs in Karlsruhe ausdrücklich, die Architektenkammern stärker für die Mitgestaltung ihrer Zukunft zu nutzen.

Prof. Susanne Dürr, Vizepräsidentin der Architektenkammer Baden-Württemberg

„Lebenslanges Lernen gehört zum Selbstverständnis des Berufsstandes. Der Nachwuchs hat eigene Positionen zu Inhalten und Methoden, zu Schnittstellen, Ergänzungen oder Überlagerungen zwischen Studium und weiterer beruflicher Bildung. Sie verändern Prozesse und Ziele der kreislauforientierten Transformation. An den Hochschulen stehen die Zeitfenster durch die Abgänge der Boomer-Generation weit offen. Jetzt ist die Zeit für die jungen Planenden, sich die Räume zu nehmen und die Stimme zu erheben.“

Joachim Rind, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz

„Junge Architektinnen und Architekten aller vier Fachrichtungen bringen frische Ideen und ein ausgeprägtes Bewusstsein für Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung mit. Gute Ideen allein reichen nicht aus – sie brauchen Räume, in denen sie gehört, diskutiert und weiterentwickelt werden. Nutzt das starke Netzwerk berufsständischer Selbstverwaltung in den Kammern! Macht sie zum Resonanzkörper und Reallabor für die Zukunft Eurer beruflichen Praxis!“

Jens Stahnke, Präsident der Architektenkammer des Saarlandes

„Den jungen Kolleginnen und Kollegen gehört die Zukunft unseres Berufsstandes. Deshalb müssen wir ihre Stimme hören, ihre Ideen ernst nehmen und ihren Gestaltungswillen fördern. Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, die Planerlandschaft so zu verändern, dass Architektinnen und Architekten wieder das tun können, wofür sie ausgebildet sind: gestalten.“

Stephan Weber, Vizepräsident der Bundesarchitektenkammer

„Der Nachwuchs stellt nicht nur die richtigen Fragen, sondern bringt neue Perspektiven und konkrete Antworten mit. Wenn wir die Zukunft unserer gebauten Umwelt gestalten wollen, müssen wir diese Stimmen frühzeitig in die berufspolitische Arbeit einbeziehen.“

Präsidium nexture+

„Wir sind die Zukunft und die Gegenwart unseres Berufsstandes. Es ist daher unsere Verantwortung, Haltung zu zeigen. Beim Nachwuchsarchitekt:innentag 2026 sind wir zusammengekommen, haben diskutiert und gemeinsame dringliche Positionen abgestimmt. Mit dem Positionspapier haben wir nun Ziele zur Hand, für die wir unser Netzwerk aktivieren und die wir in unserer nachwuchspolitischen Arbeit konsequent verfolgen werden.“

In 21 Workshops formulierten die Teilnehmenden 21 Positionen. Das Abschlussplenum priorisierte fünf Positionen, die die gesellschaftliche Relevanz von guter, zukunftsfester Planung verdeutlichen:

  • „Gebäude sind zu erhalten und weiter zu nutzen. Jeder Abriss bedarf einer Zustimmung nach Prüfung der ökologischen und sozialen Auswirkung!“
  • „Macht die Kammern gesellschaftsrelevant durch überraschende Bündnisse, zukunftsweisende Positionen und maximale Omnipräsenz.“
  • „Experimentelle Planungsinstrumente erhalten Rückendeckung – Wohnen darf nicht mehr als Spekulationsgegenstand genutzt werden. Wertewandel jetzt!“
  • „Wir fordern Standards, auch für Gehaltssituationen, und echtes Mentoring in der Einstiegsphase sowie Kostenübernahme und Freistellung für Fortbildungen.“
  • „Die Architektur und Planungsberufe müssen an demokratische Grundwerte gebunden werden und sie in ihrer Praxis fördern.“

Zur ausführlichen Abschlusserklärung mit allen 21 Positionen aus dem NAT:26.

Alle Positionen werden weiter ausgearbeitet und Ergebnisse fließen in die berufspolitische Arbeit der einladenden Institutionen ein.

Der NAT:26 wurde gemeinsam von der Bundesarchitektenkammer, den federführenden Architektenkammern Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und des Saarlandes sowie nexture+ ausgerichtet. Der NAT versteht sich als Ort des offenen und respektvollen Austauschs. Unterschiedliche Erfahrungen, Perspektiven und Expertisen bilden die Grundlage, um das gemeinsame Berufsverständnis weiterzuentwickeln und bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen. Der NAT findet alle zwei Jahre statt.

Quelle: Bundesarchitektenkammer