14. August 2026

MVRDV gewinnt Wettbewerb zur Renovierung der GAM Torino

Rotterdam (abki) – Die geplante Renovierung der GAM Torino in Turin wurde vorgestellt. Der Entwurf von MVRDV und Balance Architettura, der im Dezember 2025 in einem öffentlichen Wettbewerb ausgewählt wurde, soll die Qualitäten des Gebäudes von 1959 wiederherstellen und es zugleich mit den typischen Merkmalen eines Museums des 21. Jahrhunderts transformieren, indem er es offener macht und öffentlich zugängliche Lagerflächen, ein hochgradig anpassbares Ausstellungssystem sowie Räume einführt, die unter aktiver Einbeziehung des Publikums konzipiert sind.

Das heutige Gebäude der GAM Torino wurde 1959 nach Entwürfen der Architekten Carlo Bassi und Goffredo Boschetti fertiggestellt. Von Beginn an war dieses bemerkenswerte Gebäude ein Beispiel modernen Denkens: Sein Hauptvolumen ist diagonal innerhalb des Stadtblocks ausgerichtet und bricht mit dem orthogonalen Straßennetz von Turin, um den ganzen Tag über eine gleichmäßige Lichteinstrahlung zu gewährleisten, während das Innere als freier Grundriss konzipiert wurde, der Flexibilität bei der Ausstellungsplanung ermöglicht. Im Laufe der Jahre ist jedoch die ursprüngliche Klarheit des Entwurfs verloren gegangen, da Eingriffe zur Erfüllung neuer Sicherheitsanforderungen und Museumsstandards das Verhältnis zwischen dem Gebäude, den Besuchern und der Stadt verändert haben. Die Museumsgärten sind heute eingezäunt und von Bambus überwuchert; seine Oberlichter wurden zugunsten künstlicher Beleuchtung geschlossen; mehrere Fluchttreppen befinden sich an der Außenseite; und eine Vielzahl interner Trennwände hat die einst offenen Innenräume fragmentierter gemacht.

Offenes Depot und flexible Ausstellungssysteme

Der Entwurf von MVRDV und Balance macht viele dieser Veränderungen rückgängig und würdigt die ursprüngliche Vision von Bassi und Boschetti. Der Vorschlag öffnet die Oberlichter wieder und entfernt nahezu alle inneren Trennwände im gesamten Gebäude, wodurch die Galerien wieder hell und großzügig werden. Die äußeren Fluchttreppen entfallen zugunsten einer neuen Fluchttreppe im Inneren des Gebäudes, die die ursprüngliche Treppe des Gebäudes im Grundriss spiegelt. In den nun offenen Galerien spannt sich ein Raster aus Geländern zwischen den tragenden Stützen des Gebäudes und ermöglicht, dass Ausstellungwände, Trennvorhänge und andere Ausstellungsmodule von oben abgehängt werden können – so erhält das Museumspersonal ein einfaches System, um die Anordnung der Galerien auf Abruf zu gestalten und neu zu konfigurieren.

Die bedeutendste Aktualisierung des Museums wird im Erdgeschoss und darunter stattfinden. Das Untergeschoss wird mit einem offenen Depotansatz umgestaltet, der der Öffentlichkeit einen Blick hinter die Kulissen des Museumsbetriebs und auf die gesamte Sammlung ermöglicht. Dieser neue museologische Ansatz führt die GAM Torino wieder an die Spitze der Museen weltweit und reiht sie in Institutionen wie das Depot Boijmans Van Beuningen in Rotterdam – ebenfalls von MVRDV entworfen – und das V&A East Storehouse in London ein, die in den vergangenen Jahren die Praxis des großmaßstäblichen offenen Depots vorangetrieben haben.

Diagonaler öffentlicher Zugang

Über dieser Untergeschossebene öffnet der Entwurf einen breiten diagonalen Weg durch das Museumsgelände, der unter dem Hauptvolumen der Galerie hindurchführt. Mit einem hohen Glasanteil bringt diese Route natürliches Licht ein und bietet Ausblicke in den unterirdischen Raum, während nachts die Lichter des darunterliegenden Depots den Weg mit einem ätherischen Leuchten markieren. Dieses auffällige Element bewirkt weit mehr als nur eine visuelle Veränderung: Der neue Weg dient zugleich als öffentlicher Platz und ermöglicht eine breite Vielfalt öffentlicher Aktivitäten. Zudem wird die GAM Torino durch den diagonalen Durchgang Teil der kürzesten Verbindung zwischen dem Stadtzentrum Turins und sowohl der Politecnico di Torino als auch den Ausstellungsräumen der OGR Torino. Damit wird die neue Route zu einem wichtigen Instrument, mit dem das Museum mit der Öffentlichkeit in Kontakt tritt und langfristige Relevanz und Erfolg sichert.

„In vielerlei Hinsicht greift unser Entwurf die Ideen und den Optimismus wieder auf, die vor 70 Jahren für die Entstehung dieses Gebäudes zentral waren“, sagt MVRDV-Gründungspartner Winy Maas. „Wir wollen dieses nun geschlossene Gebäude so weit wie möglich säubern und öffnen. Es schafft einen Dialog zwischen Vergangenheit und Zukunft. Ich würde hoffen, dass Carlo Bassi und Goffredo Boschetti heute von unserem Vorschlag beeindruckt wären, wie neue Technologien, Materialien und Ideale ihre Ideen noch weiter tragen könnten, als es in den 1950er Jahren möglich war.“

Originalmöbel und nachhaltige Maßnahmen

Im Inneren des Gebäudes wird der Großteil der Möblierung aus Originalstücken bestehen, wobei sowohl die ursprünglichen Objekte restauriert werden, die bereits in der Galerie verwendet wurden, als auch Möbel wieder eingeführt werden, die seit Langem eingelagert sind. Dieser Ansatz würdigt nicht nur den ursprünglichen Entwurf, sondern trägt auch zu den nachhaltigen Merkmalen der Renovierung bei. Weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Umweltleistung des Gebäudes sind die Optimierung der Leistung der Glasoberlichter sowie die Wiederverwendung von Materialien aus abgebrochenen Elementen in den neu konstruierten Bauteilen.

Der Entwurf für die Renovierung der GAM Torino wurde von MVRDV und Balance Architettura entwickelt, mit EP&S Group als Ingenieuren und Stratospherica als Experten für den öffentlichen Raum. Das Projekt wurde durch die Unterstützung der Fondazione Torino Musei und durch Mittel der Fondazione Compagnia di San Paolo ermöglicht. Die Renovierungsarbeiten sollen in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 beginnen.

Quelle: MVRDV · KI-gestützte Textaufbereitung · Redaktion: Architekturblatt