8. Oktober 2026

Millimetergenau geplant und schnell saniert

Schacht-in-Schacht-Verfahren: REHAU saniert passgenau
Beim REHAU Schacht-in-Schacht-Verfahren wird ein neuer Schacht aus Polypropylen mit geringerer Nennweite in den bestehenden, häufig korrodierten Betonschacht integriert. © REHAU Industries

Rehau (pm) – Komplexe Geometrien, große Tiefen, sensible Infrastruktur und enge Zeitfenster stellen regelmäßig hohe Anforderungen an eine Schachtsanierung. Gefragt sind deshalb zunehmend Lösungen, die sich möglichst exakt an den Bestand anpassen, Bauzeiten verkürzen und Eingriffe in das Umfeld reduzieren.

Mit dem Schacht-in-Schacht-Verfahren verfolgt REHAU genau diesen Ansatz. Ein AWASCHACHT der nächstkleineren Nennweite wird auf Basis einer exakten 3D-Vermessung werkseitig vorgefertigt und in den bestehenden Altschacht eingebaut, der als verlorener Verbau im Boden verbleibt. Das beschädigte Gerinne wird ausgestemmt und durch ein vorgefertigtes AWASCHACHT Gerinne ersetzt, das mittels Absperrblasen ausgerichtet wird. Im Ergebnis entsteht ein neuer, dichter und statisch belastbarer Schacht.

Der Vorteil liegt nicht nur in geringeren Tiefbauarbeiten, sondern vor allem in der hohen Flexibilität: Gerinne, Zuläufe, Übergänge und Schachtgeometrien können exakt auf die jeweilige Bestandssituation abgestimmt werden. Wie weit diese Anpassung gehen kann, zeigen zwei aktuelle Projekte in Freiburg und Reichenbach.

Freiburg: Präzision unter Straßenbahngleisen

In Freiburg im Breisgau galt es, einen sanierungsbedürftigen Beton-Hauptsammler DN 1500 in rund sechs Metern Tiefe direkt unter einer Straßenbahntrasse mit aktiver Oberleitung zu erneuern. Hinzu kamen drückendes Grundwasser und mehrere großdimensionierte Zuläufe. Besonders anspruchsvoll war jedoch die vorhandene Anschlussgeometrie. Die Zuläufe DN 1100 und DN 700 lagen hinter dem Altschacht dicht beieinander und mussten auch im neuen, kleineren Schachtquerschnitt wieder exakt an ihrer ursprünglichen Position aufgenommen werden.

Die Grundlage für die Schacht-in-Schacht Lösung lieferte eine millimetergenaue 3D-Bestandsaufnahme. Sie wurde nachts durchgeführt, als die Straßenbahn planmäßig nicht verkehrte. Das drückende Grundwasser war bereits vor Beginn der eigentlichen Schachtsanierung durch eine Fachfirma mit Mörtel abgedichtet worden.

Auf Basis des 3D-Scans entwickelte REHAU eine hydraulisch und geometrisch optimierte Sonderkonstruktion. Herzstück war ein maßgeschneiderter Schachtboden DN 1400, der aus massivem PP-Blockmaterial gefräst wurde. Besondere Aufmerksamkeit galt den beiden großen Zuläufen: In kreisrunder Ausführung hätten sich die Anschlüsse innerhalb des neuen Schachtkörpers überschnitten. Deshalb wurden sie in ovaler Sondergeometrie ausgeführt und mit speziellen Packern sicher an den Bestand angebunden. Zusätzlich wurden weitere Zuläufe DN 300 und DN 600 integriert.

Der weitere Schachtaufbau erfolgte über ein Wickelrohr DN 1300 und einen Standard AWASCHACHT DN 1000 mit Übergang auf einen Konus. So ließen sich individuell gefertigte Bauteile und Standardsysteme zu einer passgenauen Gesamtlösung kombinieren.

Für die Ausführung konnte ein Zeitraum genutzt werden, in dem der Straßenbahnverkehr aufgrund einer anderen größeren Baumaßnahme für drei Wochen ruhte. Der Einbau des Grundkörpers inklusive Steigrohr war innerhalb nur eines Tages abgeschlossen. Am zweiten Tag wurde die Baugrube wieder verschlossen. Arbeiten an der Oberleitung waren während der gesamten Maßnahme nicht erforderlich.

Ein technischer Fachberater von REHAU begleitete die Ausführung vor Ort. Auch das Fazit der Beteiligten fiel positiv aus: Von der Organisation und Planung bis zum Einbau verlief die Maßnahme reibungslos.

Reichenbach: Sonderkonstruktion statt aufwendigem Ersatzneubau

Noch komplexer war die Ausgangslage in Reichenbach im Vogtland. Mitten in einer stark befahrenen Kreuzung war ein rund sieben Meter tiefer, rechteckiger Klinkerschacht teilweise eingestürzt. Das THW musste das Bauwerk zunächst sichern, die Kreuzung wurde vollständig gesperrt.

Unter dem Schacht verlief ein großes Eiprofilgerinne 1500/1300 mm mit insgesamt sechs Zuläufen. Über das Kanalsystem werden neben Mischwasser auch die Wassermengen eines örtlichen Bachs abgeführt. Die Betriebssicherheit musste deshalb auch während der Sanierungsphase jederzeit gewährleistet bleiben.

Ursprünglich war ein klassischer Ersatzneubau vorgesehen. Im Zuge der Planung zeigte sich jedoch, dass dieser einen erheblichen Eingriff erfordert hätte: einen neuen Schacht mit einer Größe von mindestens DN 2000, eine mehr als sieben Meter tiefe und etwa acht mal sieben Meter große Baugrube sowie umfangreiche Arbeiten an der angrenzenden Infrastruktur. Direkt neben dem Altschacht verliefen mehrere Trinkwasser-, Gas- und Stromleitungen.

REHAU wurde daraufhin gezielt als Alternative zum Ersatzneubau eingebunden. Gemeinsam mit Planer und Betreiber entwickelte das Unternehmen eine Schacht-in-Schacht-Lösung, die den vorhandenen Baukörper weitgehend weiter nutzt und exakt auf die historische Geometrie zugeschnitten ist.

Drei Fertigungstechnologien in einer Lösung vereint

Auch in Reichenbach bildete eine hochpräzise 3D-Laservermessung die Grundlage der Konstruktion. Der individuelle Schachtboden wurde im nur rund 60 Kilometer entfernten REHAU Werk aus PP-Vollblöcken gefräst. Bauherr und Planungsbüro konnten die Fertigung vor Ort begleiten und sich direkt von der Umsetzung überzeugen.

Um die komplexe Geometrie vollständig abzubilden, kombinierte REHAU gleich drei Fertigungstechnologien innerhalb eines Bauwerks: spanende Bearbeitung aus PP-Vollmaterial, 3D-Druck und Wickelrohrtechnik. Ein zusätzlich 3D-gedrucktes Bauteil ergänzte den gefrästen Schachtboden, während für den Schachtaufstieg ein PP-Wickelrohr DN 1500 mit vorkonfektionierter Voute eingesetzt wurde. Speziell gefertigte Ei-Profil-Passstücke stellten den Übergang zum vorhandenen geklinkerten Hauptkanal her. Die Komponenten wurden auf der Baustelle zusammengefügt und verschweißt.

Der eigentliche Einbau des Schacht-in-Schacht-Systems erfolgte innerhalb eines Tages. Rund sieben Monate entfielen zuvor auf die Planung, sechs Wochen auf die Fertigung. Gerade diese Vorarbeit war entscheidend dafür, dass die Montage auf der Baustelle schnell und kontrolliert durchgeführt werden konnte.

Für komplexe Rahmenbedingungen

Die Projekte in Freiburg und Reichenbach zeigen, wie herausfordernd eine Schachtsanierung in der Praxis sein kann. Das REHAU Schacht-in-Schacht-Verfahren überzeugt dabei vor allem durch individuelle Fertigung und kurze Einbauzeiten und ist damit eine effiziente Lösung auch bei komplexen Rahmenbedingungen.

Quelle: REHAU