Basel (pm) – MIDERI verabschiedet sich von standardisierten Planungsvorgaben, um die Kandermatte vor dem Abriss zu bewahren – eine Schule aus den 1970er-Jahren. Mit einer neuen Holzhülle und einer zusammenhängenden Dachlandschaft verwandeln die Architekten den starren Schulbau in einen flexiblen Ort für das gesamte Quartier. Das Projekt zeigt, dass die Weiterverwendung bestehender Gebäude dem Abriss sowohl hinsichtlich der räumlichen Qualität als auch der CO₂-Bilanz überlegen sein kann.
Weiterbauen auf dem Bestand
Das Büro erteilt der CO₂-intensiven Vorstellung einer vollständigen Neugestaltung auf der grünen Wiese eine klare Absage. Stattdessen verstehen die Planer den Erhalt als präzisen Eingriff und betrachten den Grundriss von Werner Küenzi aus dem Jahr 1975 als wertvollen Fundus bereits vorhandener Lösungen. Indem die tragenden Wände bestehen bleiben, wird die über Jahrzehnte im Gebäude gebundene graue Energie bewahrt.
Das Konzept erweitert den bestehenden Sockel und ergänzt ihn um neue Dachformen. Dadurch werden die bislang getrennten Gebäudeflügel zu einem durchgehenden Obergeschoss verbunden. Das Ergebnis wirkt weder alt noch demonstrativ neu: Es erscheint zeitgemäß und zugleich so selbstverständlich, als wäre es schon immer Teil dieses Ortes gewesen.




Holzhülle und CO₂-arme Gebäudehülle
MIDERI begegnet den schwierigen Bedingungen des Bestands – verwittertem Beton und Asbest – mit einer leistungsfähigen neuen Holzhülle. Weit auskragende Dächer übernehmen dabei die Funktion eines passiven Klimaschutzes: Im Sommer reduzieren sie direkte Sonneneinstrahlung und Blendung, während sie im Winter die tief stehende Sonne und ihre Wärme ins Gebäude lassen.
Zum Einsatz kommen einfache, kreislauffähige Materialien, die sich leicht montieren, austauschen und später wieder demontieren lassen.
Begegnungsräume und flexible Lernlandschaften
Durch den Rückbau von Trennwänden entstehen vielfältig nutzbare Lern- und Aufenthaltsbereiche. Herkömmliche Flure werden zu belebten Begegnungszonen und informellen Arbeitsorten, an denen sich die Kinder im Alltag begegnen.
So entsteht ein flexibel nutzbares Schulgebäude. Separate Eingänge ermöglichen es, die Tagesschule, die Bibliothek und den Singsaal auch außerhalb der Unterrichtszeiten für die Bevölkerung des Quartiers zu öffnen.


Quelle: MIDERI ARCHITEKTEN GMBH