Gastbeitrag – Marie Seliger ist M.A. Innenarchitektur-Raumkunst und Head of Consulting and Transformation bei bkp. In ihrer Rolle gestaltet sie zukunftsorientierte Arbeitswelten an der Schnittstelle von Raum, Marke und Kultur. Ziel ist es, Unternehmen nicht nur funktional, sondern strategisch und zukunftsfähig in ihren Arbeitsumgebungen zu transformieren.
Mit der Pilotfläche für die Stadtverwaltung Duisburg zeigt bkp, wie moderne Arbeitswelten auch im öffentlichen Sektor neue Formen der Zusammenarbeit, Identifikation und Veränderungsbereitschaft ermöglichen. Das Projekt dient als Reallabor für neue Arbeitsweisen und macht Transformation räumlich erlebbar für Mitarbeitende ebenso wie für Führungskräfte und Besucher:innen.
Wie kamen Sie zur Innenarchitektur und was hat Sie zur Spezialisierung auf New Work bewegt?
Marie Seliger:
Mein Weg zur Innenarchitektur begann mit einer einfachen Beobachtung: Räume wirken. Sie beeinflussen, wie wir denken, arbeiten und miteinander umgehen.
Mich hat früh fasziniert, dass Räume nicht nur gestaltet werden, sondern sie gestalten auch uns. Sie schaffen Verbindung, erzählen Geschichten und können Haltung sichtbar machen.
Die Spezialisierung auf New Work war für mich ein logischer Schritt. Denn die Arbeitswelt verändert sich. Und mit ihr die Anforderungen an Räume.
Heute brauchen Unternehmen Arbeitsumgebungen, die nicht nur schön, sondern vor allem sinnvoll sind. Diese sollte die Kultur erlebbar machen, Produktivität steigern und Veränderung begleiten.
Genau da setzt meine Arbeit bei bkp an:
Wir verbinden Innenarchitektur mit strategischer Beratung und begleiten Unternehmen im Wandel: mit Arbeitswelten, die auf ihre Ziele und Menschen einzahlen.
Welche Rolle spielt Raumgestaltung heute in der Debatte über New Work und Unternehmenskultur?
Marie Seliger:
Raum ist heute weit mehr als nur Infrastruktur. Er ist ein aktives Werkzeug für Veränderung.
Neue Arbeitsformen in alten Zellenstrukturen umzusetzen, scheitert oft. Denn wie wir arbeiten, lässt sich nicht losgelöst davon betrachten, wo wir arbeiten. Räume prägen Verhalten – bewusst oder unbewusst und stiften Identität.
Wenn wir neue Formen der Zusammenarbeit wollen, brauchen wir auch Räume, die genau das unterstützen: Kommunikation fördern, Sichtbarkeit schaffen und Silos aufbrechen.
Deshalb gestalten wir bei bkp nicht nur Räume, sondern Veränderungsprozesse. Wir entwickeln Arbeitsumgebungen, die nicht nur architektonisch, sondern kulturell wirksam sind und so New Work wirklich möglich machen.
Können Sie kurz erklären, wie Sie bei bkp New Work-Konzepte entwickeln und welche Ziele Sie dabei verfolgen?
Marie Seliger:
Bei bkp verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz: Wir denken unsere Projekte immer im Zusammenspiel von Raum, Kultur und Organisation mit dem Ziel, Arbeitswelten zu schaffen, die die Identifikation und Zusammenarbeit stärken und langfristig wandelbar bleiben.
Am Anfang steht bei uns immer eine fundierte Analyse und strategische Zielsetzung: Gemeinsam mit der Geschäftsführung betrachten wir Kultur, Prozesse, Schmerzpunkte und Zukunftsziele. Anschließend binden wir Führungskräfte und Mitarbeitende aktiv ein – denn wir sind überzeugt, dass nachhaltige Veränderung nur gelingt, wenn die Menschen im Zentrum stehen.
Über strukturierte Formate wie Workshops, Interviews und digitale Tools ermitteln wir gezielt den Bedarf: Wir machen konkrete Anforderungen und Bedürfnisse sichtbar und leiten daraus individuelle Raumkonzepte ab, die genau zum Unternehmen passen.
Das Ergebnis sind modulare, anpassungsfähige Arbeitsumgebungen, die nicht nur funktional sind, sondern Veränderung aktiv unterstützen im Raum und in der Organisation.
Ein Beispiel dafür ist die Pilotfläche der Stadtverwaltung Duisburg. Was war der Ausgangspunkt dieses Projekts und was macht es besonders?
Marie Seliger:
Die Stadtverwaltung Duisburg stand, wie viele öffentliche Organisationen, vor der Herausforderung, neue Arbeitsmodelle, Digitalisierung und Fachkräftesicherung miteinander zu verbinden. Ausgangspunkt war der Wunsch, die Verwaltung zukunftsfähiger, bürgernaher und als Arbeitgeber attraktiver aufzustellen ohne dabei bestehende Strukturen zu ignorieren.
Im Zuge des langfristig geplanten Neubauvorhabens wurde die Pilotfläche vorab bewusst als Experimentierraum entwickelt: ein realer Ort, an dem modernes Arbeiten erprobt, reflektiert und weiterentwickelt werden kann. Verschiedene Dezernate nutzen die Fläche, um neue Arbeitsformen kennenzulernen und zu testen und ihre Erfahrungen systematisch zu evaluieren.
Die Pilotfläche zeigt, wie zeitgemäße Arbeitswelten auch im öffentlichen Sektor funktionieren können: transparent, kollaborativ und zugleich hoch funktional. Unterschiedliche Zonen – von offenen Teamflächen über Projekt- und Workshopbereiche bis hin zu konzentrierten Rückzugsorten ermöglichen eine flexible Nutzung.
Besonders wertvoll war die enge Zusammenarbeit mit den verschiedenen Dezernaten im Planungsprozess: Die Raummodule wurden partizipativ mit den Dezernaten entwickelt für eine Verwaltung, die sich von innen heraus konsequent in Richtung Zukunft bewegt.
Wie lassen sich New-Work-Prinzipien in einem eher traditionellen Umfeld wie einer Stadtverwaltung umsetzen?
Marie Seliger:
Der Schlüssel ist Partizipation und Klarheit: Mitarbeitende werden früh eingebunden, ihre Anforderungen werden ernst genommen und in konkrete Raummodule übersetzt. Statt radikale Brüche zu inszenieren, arbeiten wir mit Pilotflächen, klaren Spielregeln und gut begleiteten Veränderungsprozessen. So wird New Work nicht als modisches Etikett wahrgenommen, sondern als spürbare Verbesserung von Kommunikation, Orientierung und Arbeitsabläufen.
Wie sehen Sie die Zukunft von Arbeitswelten und welche Herausforderungen stehen im Vordergrund?
Marie Seliger:
Arbeitswelten der Zukunft müssen radikal flexibel sein, nicht als modulares Möbelprogramm, sondern als System, das auf veränderte Organisationen, Technologien und Erwartungen reagieren kann. Die zentrale Herausforderung liegt darin, Flächeneffizienz, Mitarbeiterbindung und Nachhaltigkeit gleichzeitig zu adressieren: weniger Fläche, bessere Qualität, geringerer Ressourcenverbrauch. Dafür brauchen Unternehmen Arbeitsräume, die hybride Zusammenarbeit unterstützen, Lernen sichtbar machen und Unternehmenskultur glaubwürdig vermitteln. Wer heute in Arbeitswelten investiert, entscheidet damit nicht nur über Produktivität, sondern auch über Arbeitgeberattraktivität, ESG-Fähigkeit und die Resilienz der eigenen Organisation.
Gastbeitrag: Marie Seliger von bkp