Berlin (pm) – Unter der Leitung von Kawahara Krause Architects entsteht, gemeinsam mit Co-Kurator*innen Andres Lepik und Olga Cobuscean, der deutsche Beitrag CONVIVERE – Ein Repertoire des Zusammenlebens, eine Ausstellung über Räume des alltäglichen Zusammenlebens. CONVIVERE widmet sich den Zwischenräumen des Wohnens – der Schwelle, dem Treppenhaus, dem Hof, dem Platz vor der Tür. In diesen oft übersehenen Räumen entstehen Vertrauen, Nachbarschaft und Leben. Wie trägt Architektur zu den Räumen bei, in denen eine demokratische Gesellschaft Gestalt annimmt?
Der Pavillon versammelt ein Repertoire architektonischer Situationen aus unterschiedlichen Zeiten des Wohnungsbaus in Deutschland, die Begegnung und Interaktion ermöglichen. Im Mittelpunkt steht nicht das einzelne Gebäude, sondern konkrete Momente und Übergänge, die Kapazität für sozialen Austausch bieten. Das Ausstellungsmaterial wird in Zusammenarbeit mit Studierenden von vier deutschen Hochschulen entwickelt: der RWTH Aachen (mit Professorin Anne-Julchen Bernhardt), der RPTU Kaiserslautern (mit Professorin Oda Pälmke), der Technischen Universität München (mit Professor Benedikt Boucsein) und der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (mit Professor Tatsuya Kawahara). Gemeinsam werden sie diese räumlichen Situationen recherchieren, erkunden und präsentieren.
Anfang 2027 werden Details zu den Inhalten der Ausstellung vom kuratorischen Team vorgestellt. Die 20. Architektur-Biennale in Venedig findet vom 8. Mai bis zum 21. November 2027 statt. Die Preview-Tage finden am 6. und 7. Mai statt.
Das kuratorische Team
Kawahara Krause Architects ist ein deutsch-japanisches Architekturbüro mit Sitz in Hamburg, geleitet von Tatsuya Kawahara und Ellen Kristina Krause. Ihre Arbeit umfasst Architektur, Lehre, Schreiben und Forschung. Im Mittelpunkt stehen dabei die Kapazitäten des Raums und seine Bedeutung für das Zusammenkommen von Menschen und Dingen.
Andres Lepik ist Professor für Architekturgeschichte und kuratorische Praxis an der Fakultät für Architektur der Technischen Universität München und Direktor des dortigen Architekturmuseums. Er realisierte als Kurator zahlreiche Ausstellungen zur gesellschaftlichen Rolle der Architektur.
Olga Cobuscean arbeitet an der Schnittstelle von architektonischer Praxis, Forschung und Theorie. Geboren in Moldau und heute in Berlin lebend, untersucht sie die alltägliche Bedeutung von Architektur als Raum, den wir bewohnen, und die Bedingungen, unter denen sie im Sinne des Gemeinwohls entstehen kann.
Kuratorisches Statement
Angesichts zunehmender sozialer Isolation, politischer Polarisierung und wachsenden Drucks, schneller und mehr zu bauen, fragt der Deutsche Pavillon, welchen Beitrag Architektur zu den Grundlagen der Demokratie leisten kann. Die kuratorische Fragestellung untersucht, wie Architektur den räumlichen Alltag unseres Wohnumfeldes prägt und damit Zusammenleben gestaltet.
Wohnen beginnt nicht an der Wohnungstür. Zwischenräume vermitteln zwischen der Intimität der Wohnung und der Anonymität der Stadt. Sie verbinden und trennen zugleich das private Leben und eine gemeinsame Außenwelt. Sie ermöglichen ungezwungene Begegnungen, Nähe und Zugehörigkeit. Diese Qualität fassen wir unter dem Begriff CONVIVERE zusammen.
CONVIVERE entsteht nicht durch spektakuläre Gesten, sondern durch präzise räumliche Entscheidungen. Der Pavillon versammelt ein Repertoire räumlicher Situationen aus ganz Deutschland und macht die Bedeutung und Verantwortung von Architektur sichtbar, unser tägliches Zusammenleben zu gestalten.
Kawahara Krause Architects
Kawahara Krause Architects ist ein deutsch-japanisches Architekturbüro mit Sitz in Hamburg, das von Tatsuya Kawahara und Ellen Kristina Krause geleitet wird. Das Büro erhielt für seine erste Arbeit den Bauwelt-Preis und arbeitet seitdem an einer großen Bandbreite unterschiedlicher Projekte.
Nach seinem Abschluss an der Kyoto University arbeitete Tatsuya Kawahara mehrere Jahre als Projektarchitekt in Japan – unter anderem im Büro von Shigeru Ban – bevor er Kawahara Krause Architects mitgründete. Auch Ellen Kristina Krause arbeitete nach ihrem Abschluss an der ETH Zürich mehrere Jahre in Japan – zunächst bei Shigeru Ban und später im Büro von Fumihiko Maki – bevor sie Kawahara Krause Architects mitgründete.
Tatsuya Kawahara und Ellen Kristina Krause verfügen über langjährige Erfahrung in der Entwurfslehre an verschiedenen Hochschulen. Sie übernahmen 2020 eine Vertretungsprofessur an der Universität Siegen (Krause) und 2021 an der Universität Kassel (Kawahara) und hatten von 2022 bis 2023 gemeinsam eine Gastprofessur an der TU Dresden inne. 2026 wurde Tatsuya Kawahara zum Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart berufen.
2021 wurden Tatsuya Kawahara und Ellen Kristina Krause in die Freie Akademie der Künste Hamburg berufen. Seit 2026 sind sie Vorsitzende der Sektion Baukunst.
Andres Lepik
Nach dem Studium der Kunstgeschichte und Germanistik an der Universität Augsburg war Lepik von 1986 bis 1989 als Stipendiat an der Bibliotheca Hertziana (Max-Planck-Institut) in Rom tätig, wo er über Architekturmodelle der Renaissance promovierte. Ab 1994 war er kuratorischer Assistent an der Neuen Nationalgalerie in Berlin, von 1996 bis 2007 Leiter der Architektursammlung an der Kunstbibliothek (Staatliche Museen zu Berlin). Von 2007 bis 2010 arbeitete er als Kurator in der Abteilung für Architektur und Design am Museum of Modern Art (MoMA) in New York. 2011/12 war er Loeb-Fellow an der Graduate School of Design der Harvard University. Seit 2012 hält Lepik eine Professur für Architekturgeschichte und kuratorische Praxis am Architekturdepartment der Technischen Universität München (TUM) inne, und ist Direktor des Architekturmuseums der TUM.
Als Kurator organisierte er zahlreiche Architekturausstellungen in Berlin, New York und München. In Berlin initiierte er eine Reihe groß angelegter Architekturausstellungen in der Neuen Nationalgalerie, wie etwa „Content / Rem Koolhaas und OMA/AMO“ (2003). Am MoMA präsentierte er 2010 die Ausstellung „Small Scale, Big Change. New Architectures of Social Engagement“. In seiner aktuellen Position an der TUM organisierte er mehr als 30 Ausstellungen, darunter „AFRITECTURE. Bauen mit der Gemeinschaft“ (2013) und „Who’s Next? Obdachlosigkeit, Architektur und die Stadt“ (2022).
Olga Cobuscean
Olga Cobuscean (geboren 1997 in Chisinau) arbeitet an der Schnittstelle von Architekturpraxis, Forschung und Theorie. Sie beschäftigt sich mit der alltäglichen Bedeutung von Architektur als Raum, den wir bewohnen, und mit ihrer gemeinwohlorientierten Produktion, vom kleinsten Detail bis hin zur geopolitischen Ebene.
Sie absolvierte eine Ausbildung in Interior Design in Chisinau (2016) und studierte Architektur an der RWTH Aachen (2016-2019) und ETH Zürich (2020-2023). Während des Studiums war sie Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes und der Sutor-Stiftung. Ihre Masterarbeit zum Hotel National in Chisinau wurde mit der ETH Medaille und dem SIA Masterpreis Architektur ausgezeichnet und im Schweizerischen Architekturmuseum Basel ausgestellt. Seit 2023 hat sie an der RWTH Aachen und an der Leibniz Universität Hannover unterrichtet. Seit 2024 arbeitet sie an kollaborativen Projekten in Deutschland, der Schweiz und Moldawien, darunter Installationen im öffentlichen Raum (punct de revedere, Chisinau, MD, 2026) und Strategien für Umbau und Transformation (Europan 18, Speichersdorf, DE, 2025). Darüber hinaus forscht und schreibt sie zu eigenen Fragestellungen. Für ihre Auseinandersetzung mit der Architektur der Europäisierung wurde sie als Finalistin des Wheelwright Prize 2026 ausgewählt. Sie lebt und arbeitet in Berlin.
Der deutsche Beitrag auf der 20. Internationalen Architekturausstellung – La Biennale di Venezia wird getragen von Kawahara Krause Architects im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.
Quelle: Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen