2. Dezember 2020

Kunst & Bau: Universität Graz bekommt BIG ART

Künstlerin Anna Artaker mit dem Entstehungsprozess der PERSPECTIVA PRACTICA (C) David Schreyer

Wien (pm) – Die Bauarbeiten an der Universitätsbibliothek Graz sind abgeschlossen, die modernste Bibliothek Österreichs ist seit Herbst 2019 eröffnet und seit dem Wintersemester 2019 in Betrieb. Architektonisch besonders spektakulär ist der auskragende gläserne Neubau, der über dem historischen Gebäude sitzt und vom Grazer Architekten Thomas Pucher entworfen wurde.

Genau dort steht jetzt über die Sommerferien wieder ein Gerüst, denn an der Deckenuntersicht wird das Kunst & Bau Projekt der österreichischen Künstlerin Anna Artaker realisiert.

Hans-Peter Weiss, CEO der Bundesimmobiliengesellschaft: „Seit 15 Jahren bringt die Bundesimmobiliengesellschaft unter dem Titel BIG ART Kunst in den öffentlichen Raum. Wir haben vor allem mit unseren Bildungsbauten die Möglichkeit, Kunst in der Mitte der Gesellschaft stattfinden zu lassen. Orte wie Universitäten und Schulen sind prädestiniert dafür, Phantasie und Inspiration in den Alltag zu bringen und ein waches Bewusstsein für unsere Umgebung zu formen.“

Petra Schaper-Rinkel, Vizerektorin für Digitalisierung der Universität Graz: „Die Universitätsbibliothek Graz ist ein Ort des Wissens und der Forschung im Zentrum des Campus. Ich freue mich, dass wir hier durch das Kunstprojekt Vergangenheit und Zukunft verbinden: ein historisches Motiv, in traditioneller Handwerkstechnik als Teil der modernen Architektur ausgeführt, verbindet Alt und Neu in spannungsreicher Weise.“

Für Artaker wird die Untersicht des Dachaufbaus zum überdimensionalen Bildträger im öffentlichen Raum. In ihrer flächenmäßig bisher größten Arbeit PERSPECTIVA PRACTICA überträgt sie einen Kupferstich aus der Renaissance zweihundertzwanzigfach vergrößert auf die 500 Quadratmeter große Fläche des aufsehenerregenden Neubaus, modernisiert ihn damit und schafft eine Verbindung zwischen jahrhundertealtem Buchwissen und den modernen Anforderungen an einen Bibliotheksbetrieb. Ausgangspunkt und Vorlage für ihre Arbeit ist eine Illustration aus dem Lehrbuch des französischen Renaissance-Gelehrten Jean Du Breuil von 1642 mit dem Titel PERSPECTIVA PRACTICA. Damit verweist Artaker auf den Wissensstand zur Zeit der Gründung der Universität Graz 1585.

Am 3. Juli zeigte die Künstlerin vor Ort den Entstehungsprozess ihrer Arbeit.

Anna Artaker über Ihre Arbeit: „Ich freue mich, mit meiner Arbeit zur gelungenen Erweiterung der Universitätsbibliothek auf dem Campus der Karl-Franzens-Universität beizutragen. Das Motiv stammt aus einem Lehrbuch zur praktischen Anwendung der Zentralperspektive. Es zeigt sechs Personen um eine Lichtquelle in einem zentralperspektivisch dargestellten Raum. Licht und Perspektive sind auch Metaphern, die häufig in Zusammenhang mit Wissensaneignung und Wissenschaft verwendet werden: Wissen eröffnet uns ’neue Perspektiven‘ auf die Welt, die uns umgibt. Die von der Entwicklung der Naturwissenschaften geprägte Zeit der Aufklärung – aus der die Vorlage stammt – wird oft direkt mit Licht in Verbindung gebracht. So schafft die perspektivische Darstellung die Illusion eines zusätzlichen Raums und weckt Assoziationen zum universitären Leben auf dem Campus.“

Aufwändige Renaissance-Technik für moderne Kunstintervention

Die ins Gigantische vergrößerte und in den Putz eingekratzte Zeichnung erzeugt durch die Perspektive eine starke räumliche Wirkung – eine Art Kuppel. Das Motiv wird von Buchdimension auf architektonische Dimensionen vergrößert und in aufwändiger Sgraffito-Technik auf die Untersicht des auskragenden Neubauteils übertragen. Die Technik des Sgraffito wurde in der italienischen Renaissance perfektioniert und verstärkt als Strukturtechnik die räumliche Wirkung des Motivs. Über eine dunkel eingefärbte Putzschicht wird eine hellere Deckschicht aufgetragen, in diese wird das Motiv eingekratzt und der dunklere Putz dadurch sichtbar, was die räumliche Wirkung noch einmal verstärkt. Die Entscheidung der Künstlerin für die Sgraffito-Technik ist auch eine Referenz an die Technik des Kupferstichs, bei der das Motiv ebenfalls in die Druckplatte eingekratzt wird.

Die große Fläche, die bearbeitet wird, ist eine besondere Herausforderung für die Arbeit mit Sgraffito-Technik. Der Putz muss Stück für Stück aufgetragen und als Tagwerk im noch feuchten Zustand gleich im Anschluss gekratzt werden.

Aktuell sind rund 100 von insgesamt 500 Quadratmetern fertig. An der Umsetzung arbeiten jeweils drei bis vier Personen gleichzeitig, sie wird voraussichtlich insgesamt zehn Wochen dauern und vor Beginn des Herbstsemesters fertiggestellt sein.

Das Kunst & Bau Projekt PERSPECTIVA PRACTICA geht aus einem Wettbewerb der BIG ART, der Kunstinitiative der Bundesimmobiliengesellschaft, hervor und ist Teil der umfassenden Modernisierung der Universitätsbibliothek der Karl-Franzens-Universität Graz.

Über die Künstlerin

Anna Artaker wurde 1976 in Wien geboren. Sie studierte Philosophie und Politikwissenschaften an den Universitäten Wien und Paris 8 sowie Konzeptkunst an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Seit 2015 ist sie Elise Richter Research Fellow an der Akademie der bildenden Künste Wien, wo sie ihre Habilitation vorbereitet. Anna Artaker ist Mitglied der Jungen Akademie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (im Bereich künstlerische Forschung) und Mitglied der Vereinigung bildender KünstlerInnen der Wiener Secession. Sie lebt in Wien.

Pressemitteilung: Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H.