7. August 2022

Krankenhaus 3.0: Vorbild in Frankfurt

Klinikum Frankfurt Höchst erhält als weltweit erste Klinik das Passivhaus-Zertifikat

Wirtschaftsminister Al-Wazir (2.v.l.) übergab das Passiv-haus-Zertifikat zusammen mit Dr. Jürgen Schnieders (l.) vom Passivhaus Institut und Dezernentin Rosemarie Heilig (2.v.r.) an Geschäftsführer Martin Menger (r.) © Passivhaus Institut

Darmstadt/Frankfurt (pm) – Dieses Krankenhaus gehört zur Generation 3.0: modern und klimafreundlich. Der Neubau des varisano Klinikums Frankfurt Höchst ist erfolgreich im Passivhaus-Standard realisiert worden. Das Klinikum erhielt damit als weltweit erstes Krankenhaus das Passivhaus-Zertifikat. Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir übergab das Zertifikat zusammen mit dem Passivhaus Institut. Er lobte das Gebäude, dessen energetischer Standard weit über den gesetzlichen Anforderungen liege. Im Auftrag des Landes Hessen hatte das Passivhaus Institut für dieses Pilotprojekt eine Grundlagenstudie erstellt. Zudem begleitete das Forschungsinstitut den Neubau.

Ziel erreicht: Der Neubau des Klinikums Frankfurt Höchst ist ein medizinisch äußerst modern ausgestattetes Krankenhaus und gleichzeitig ein energetisch vorbildliches Gebäude. Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir übergab nun zusammen mit dem Passivhaus Institut sowie Frankfurts Dezernentin Rosemarie Heilig das weltweit erste Passivhaus-Zertifikat an die Geschäfts-führung des Klinikums. „Dieser Kranken-hausbau zeigt, wie Klimaschutz im Gebäude-sektor gelingen kann. Genau das brauchen wir“, erklärte Al-Wazir bei der Übergabe des Zertifikats.

 

Der Neubau des varisano Klinikums Frankfurt Höchst ist erfolgreich im Passivhaus-Standard realisiert worden. Über 1600 Beschäftigte werden im neuen Gebäude tätig sein. © Klinikum Frankfurt Höchst

 

Spitzenverbraucher

Die beste Energie sei die, die nicht verbraucht werde, so der Wirtschaftsminister weiter. Hessen setze daher auf Energiesparen, Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Das Land habe das Vor-zeigebeispiel klimafreundlicher Neubauten, dessen energetischer Standard weit über den gesetzlichen Anforderungen liege, gerne begleitet und gefördert. Durch den intensiven 24-Stunden-Betrieb in Krankenhäusern gehören diese zu den Spitzen-verbrauchern an Energie: Von der Notaufnahme über die Operationssäle samt Intensivräumen bis zu den Patientenzimmern sind zahlreiche technische Geräte im Einsatz. „Gerade deshalb ist das energieeffiziente Konzept für Krankenhäuser mit ihrem hohen Energiebedarf besonders lohnend. Das gilt für Effizienzmaßnahmen am Gebäude ebenso wie für energieeffiziente technische Geräte“, erläuterte Dr. Jürgen Schnieders von der Geschäftsführung des Passivhaus Instituts. Das Forschungsinstitut in Darmstadt begleitete den Neubau in der Planungs- sowie in der Bauphase.

Frische Luft

Die von Patienten als angenehm empfundene erhöhte Raumtemperatur wird aufgrund der guten Energieeffizienz des Gebäudes mit weniger Energieeinsatz erreicht. Für frische Luft sorgen die Lüftungsanlagen. Deren Wärmerückgewinnung unterstützt die Energieeinsparung an Heizwärme. Die im Vorfeld erstellte Grundlagenstudie des Passivhaus Instituts zur Umsetzung des Passivhaus-Konzepts in Krankenhäusern zeigt: Der Heizwärmebedarf kann trotz der höheren Raumtemperatur und trotz des höheren Luftwechsels der kontrollierten Lüftung mit darauf abgestimmten Maßnahmen auf 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter Energiebezugsfläche und Jahr (kWh/(m²EBF a)) begrenzt werden.

Betriebskosten senken

Mit dem hoch energieeffizienten Neubau werden die Betriebskosten des Krankenhauses deutlich gesenkt. Über 660 Betten hat das neue Gebäude, das noch in diesem Jahr in Betrieb gehen soll. Die Tagesklinik bietet weitere 40 Betten. In der ersten Etage sind elf Operationssäle inklusive Hybrid-Operationssaal untergebracht. Im sechsten Geschoss, das sich nur über einen Teil des Gebäudes erstreckt, ist die Technik installiert. Auf dem Dach des Neubaus landen die Hubschrauber. Von dort gibt es eine direkte Anbindung an die Notfallstrukturen im Gebäude.

 

 

Beim Bau des Klinikums Frankfurt Höchst ist der Energiebedarf vollständig ermittelt worden. Wird der Energiebedarf herkömmlich berechnet, dann entgeht den Planenden ein Großteil des Energiebedarfs, siehe Bilanzgrenze üblicher Verfahren. © Passivhaus Institut

 

Bessere Bedingungen

Das neue Klinikgebäude schaffe insgesamt bessere Rahmenbedingungen für Patienten und Beschäftigte, so Martin Menger, Vorsitzender der Geschäftsführung der varisano-Klinikgruppe. „Der Klinikneubau bringt ein völlig neues Krankenhausgefühl, nicht nur für die Patientinnen und Patienten. Wir bieten top moderne Arbeitsplätze in Medizin und Pflege“, so Menger. Künftig werden unter dem Dach des Neubaus rund 1.600 Mitarbeitende aus nahezu allen Bereichen des Klinikums tätig sein.

Größere Patientenzimmer

Die Patientenzimmer seien nun etwas größer und ersparten dadurch allen Beteiligten das Rangieren mit Betten und Geräten, erläuterte Menger weitere Vorteile. Darüber hinaus seien alle Patientenbetten mit Touchscreen-Bildschirmen ausgestattet, die sowohl der medizinischen Betreuung dienten als auch für die Unterhaltung der Patienten genutzt werden könnten. Rosemarie Heilig, Klima- und Umweltdezernentin der Stadt Frankfurt, bezeichnete den Neubau bei der Übergabe des Passivhaus-Zertifikats als „Leuchtturm für alle Krankenhäuser, die in Zukunft gebaut werden“. Heilig hatte sich seit den ersten Planungen dafür stark gemacht, den Neubau hoch energieeffizient zu realisieren. „Ich bin daher stolz, dass uns dieser Meilenstein gelungen ist“.

Komplette Ausstattung

Ganz allgemein liegt der Stromverbrauch in einem Krankenhaus drei bis vier Mal über dem Verbrauch in einem Wohngebäude. In der Grundlagenstudie zur Umsetzung des Passivhaus-Konzepts in Krankenhäusern wird deutlich, dass die Ausstattung eines Krankenhauses wesentlichen Einfluss auf den Energiebedarf hat. Sie muss daher in komplettem Umfang betrachtet werden. In herkömmlichen Nachweisverfahren werden jedoch lediglich der Energiebedarf für Heizung und Kühlung, Lüftung, Trinkwasser und Beleuchtung betrachtet. Damit bleibt nahezu die Hälfte des tatsächlichen Energiebedarfs bei der Planung unberücksichtigt.

Energiebedarf erforscht

„Die Energieverteilung zeigt, dass Krankenhäuser meist mit weiteren Geräten ausgestattet sind und zudem energieintensive Prozesse ablaufen. Zusammen mit den Baubeteiligten haben wir daher den tatsächlichen Energiebedarf des Krankenhauses ermittelt“, erläuterte Dr. Berthold Kaufmann. Weitere Anwendungen wie die EDV-Ausstattung, die Magnetresonanztomographie (MRT) sowie die Sterilgutversorgung seien daher für den Neubau des Klinikums Frankfurt Höchst berücksichtigt worden. Darüber hinaus seien energieeffiziente Geräte gerade in einem Krankenhaus besonders empfehlenswert: Einerseits sparen diese Energie ein, andererseits verringern sie den Kühlbedarf.

Grundlagenstudie

Viele Gebäude der knapp 2000 Krankenhäuser in Deutschland sind sanierungsbedürftig, teilweise werden Neubauten diskutiert. Die Grundlagenstudie des Passivhaus Instituts zur Umsetzung des Passivhaus-Standards in Krankenhäusern steht gebührenfrei zur Verfügung.

Pressemitteilung: Passivhaus Institut