18. September 2019

Konzepte für eine nachhaltige Stadtentwicklung in Vietnam

Verbundforschungsprojekt „emplement!“: Planungsstrategien mit Modellcharakter für rasant wachsende Metropolen / Summer School zum Thema ökologischer Tourismus

Frankfurt am Main (pm) – Das Städtewachstum steigt rasant. Im Jahr 2050 leben laut einer Studie der Vereinten Nationen (UN) voraussichtlich 68 Prozent der Weltbevölkerung in der Stadt, bis zum Ende des Jahrhunderts wird ein Anstieg auf 80 Prozent erwartet. Dies betrifft vor allem Asien und Afrika. Die schnelle Urbanisierung stellt die Planer in Entwicklungs- und Schwellenländern vor große Herausforderungen, weil die Verwaltungen in punkto Wohnungs- und Infrastrukturversorgung nicht mit der Geschwindigkeit des Wachstums mithalten können. Dringend gefordert sind übertragbare Konzepte für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Hier setzt ein Forschungsprojekt unter Beteiligung der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) an: Das Projekt „emplement! – Qualifizierung städtischer Regionen zur Umsetzung von Nachhaltigkeits- und Resilienzstrategien unter Berücksichtigung des urban-ruralen Nexus“ konzentriert sich am Beispiel der vietnamesischen Stadt Da Nang und der angrenzenden Provinz Quang Nam auf eine praktisch umsetzbare Stadt- und Regionalentwicklung. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit insgesamt 800.000 Euro gefördert und läuft zunächst bis Ende 2020.

„Angesichts der fortschreitenden Urbanisierung können Städte und die sie umgebende Region nicht mehr separat betrachtet und entwickelt werden, sondern nur unter Berücksichtigung der systemischen Verflechtungen zwischen Stadt und Umland“, erläutert Prof. Dr.-Ing. Michael Peterek von der Forschungsgruppe Globale Urbanisierung der Frankfurt UAS, die im deutsch-vietnamesischen Projektteam aus Forschern, Praktikern und lokalen Behörden für das Teilprojekt Stadtplanung verantwortlich ist. Der Projektschwerpunkt liegt auf den Aktionsfeldern Tourismus, Land- und Forstwirtschaft, Industrie sowie Gebäude/gebaute Umwelt. Ende September 2019 findet in Vietnam unter Federführung der Frankfurt UAS eine zweiwöchige interdisziplinäre Summer School mit deutschen und vietnamesischen Master-Studierenden, Fachleuten der Projektpartner und der Stadt Frankfurt am Main statt. Aufgabe ist es, Ansätze für ein ökologisches Tourismuskonzept zu entwickeln, das die Planungen von Stadt und Region koordiniert und so Synergien beispielsweise durch gemeinsame Vermarktung nutzt.

Da Nang ist mit rund 1 Million Einwohnern die größte Stadt in Zentralvietnam, ein Wirtschaftszentrum und auch bei Touristen ein beliebtes Reiseziel. Bis 2030 wird ein Bevölkerungswachstum auf 2,5 Millionen Einwohner erwartet. Neben zwei Weltkulturerbe-Stätten – der Altstadt von Hoi An und dem Tempelbezirk My Son – verfügt die Provinz Quang Nam über weitere landschaftlich und kulturell attraktive touristische Orte, wie etwa das Biosphärenreservat der Cham-Inseln. In der Stadt dominiert bislang der klassische Hoteltourismus, in der Region soll eine touristische Infrastruktur unter ökologischen Aspekten aufgebaut werden. „Eine wichtige Aufgabe besteht darin, vor Ort auf das ökonomische Potenzial von nachhaltigem Tourismus hinzuweisen“, so Peterek. Es gelte unter anderem, die Infrastruktur etwa im Bereich Müllentsorgung und -verwertung, Wasser- und Abwassersysteme zu verbessern, Möglichkeiten der Energiegewinnung etwa durch den Einsatz von Solartechnik auszuloten und Konzepte für ein Transportsystem zu entwerfen. Das Umweltamt der Stadt Frankfurt bringt seine Erfahrungen im Bereich Bewusstseinsbildung für eine ökologische Stadt- und Umweltplanung z. B. bei der Gewässer-Renaturierung mit ein.

Im interdisziplinäreren Wissenschaftsteam des Projekts kooperiert die Frankfurt UAS mit der Universität Hohenheim (Landwirtschaft), dem Institut für ZukunftsEnergieSysteme IZES gGmbH (Stakeholder-Analyse, Stoff- und Energieströme), der Universität Tübingen (Fernerkundung/Geoinformationssysteme), der Hochschule Ostfalia (Abwasserentsorgung) und dem AT-Verband zur Förderung angepasster, sozial- und umweltverträglicher Technologien e.V. (Abfälle und Tourismus), der auch die Gesamtkoordination übernimmt. Auf vietnamesischer Seite gehören die Da Nang University of Architecture (Stadtplanung), die University of Da Nang (ingenieurstechnische, soziale und naturwissenschaftliche Fragestellungen) und die Quang Nam University (Tourismus und Kultur) dazu. Außerdem werden die Arbeiten vor Ort von verschiedenen Verwaltungsabteilungen auf Stadt- und Provinzebene unterstützt. Die Zusammenarbeit mit dem UN-Siedlungsprogramm Habitat und der Academy of Managers for Construction and Cities (AMC) in Vietnam garantiert die Sichtbarkeit bei internationalen Organisationen und auch innerhalb Vietnams.

„Entscheidend ist, dass das Forschungsvorhaben an Phänomenen bzw. Problemstellungen ansetzt, die typisch sind für schnell wachsende Städte bzw. Stadt-Umland-Regionen“, sagt Peterek. „Daher sind die für Praxis und Wissenschaft gewonnenen Erkenntnisse zu einer resilienteren Stadt- und Regionalentwicklung auf vergleichbare Kontexte übertragbar.“

Das Projekt baut auf dem 2020 zu Ende gehenden BMBF-Projekt „Rapid Planning“ auf, im Rahmen dessen die Frankfurt UAS mit elf Projektpartnern aus Wissenschaft und Praxis rasch umsetzbare Planungsmethoden für schnell wachsende Städte entwickelt.

Pressemitteilung: Frankfurt University of Applied Sciences