Frankfurt am Main (pm) – Auf Hessens wichtigstem jährlichen Wohnungswirtschaftskongress „Metropolregion FrankfurtRheinMain baut!“ forderten die Veranstalter nicht nur mehr Tempo bei der Umsetzung des von der Bundesregierung vergangenen Herbst beschlossenen Wohnungsbau-Turbos. „Jetzt sind auch Lösungen für geringere Baukosten, verlässliche Standards und Förderinstrumente sowie für die Finanzierung notwendig“, so die Repräsentanten der Immobilienverbände VdW südwest und BFW und der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt am Main vor rund 270 Teilnehmern.
Der seit Oktober geltende Wohnungsbau-Turbo soll Planungsverfahren beschleunigen, Genehmigungen vereinfachen und den stockenden Wohnungsbau wieder in Gang bringen. Kommunen, Unternehmen und Verbände zogen eine gemischte Zwischenbilanz. Zwar eröffne das neue Sonderinstrument des § 246e Baugesetzbuch größere Spielräume für Nachverdichtung, Umnutzungen und schnellere Genehmigungen. Gleichzeitig zeigten sich aber auch praktische Probleme: juristische Unsicherheiten bei der Rollenverteilung in den Kommunen im Bebauungsplanverfahren, Personalmangel in Bauämtern, hohe Baukosten, schwierige Finanzierungsbedingungen, nach wie vor hohe regulatorische Anforderungen sowie unzureichende Förderinstrumente.
Darüber diskutierten bei Hessens wichtigstem wohnungswirtschaftlicher Kongress „Metropolregion FrankfurtRheinMain baut!“ am 1. Juni im KongressCenter des Kurhauses Bad Homburg Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kommunen, Wohnungswirtschaft und Immobilienbranche.
IHK-Präsident Ulrich Caspar betonte die Bedeutung von Wohnraum als zentralen Standortfaktor für FrankfurtRheinMain. „Frankfurt und die Metropolregion bleiben starke Wirtschaftsstandorte mit hoher Anziehungskraft für Unternehmen, Beschäftigte und Investoren. Gerade diese Stärke erhöht aber den Druck auf den Wohnungsmarkt. Wer Fach- und Führungskräfte gewinnen will, muss auch beziehbaren Wohnraum ermöglichen. Dafür brauchen wir schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, mehr Bauland, weniger regulatorische Hemmnisse und eine stärkere wirtschaftliche Tragfähigkeit von Bauprojekten. Der Bau-Turbo muss konsequent genutzt werden, damit Bauen wieder einfacher, schneller und kostengünstiger wird“, hob Caspar hervor.
Dr. Axel Tausendpfund, Vorstand des VdW südwest, fordert vor allem einen stärkeren Fokus auf bezahlbares und wirtschaftlich tragfähiges Bauen: „Der Wohnraummangel bleibt gerade in den Ballungsräumen enorm. Entscheidend ist jetzt, dass wieder preisgünstiger gebaut werden kann. Viele Projekte scheitern inzwischen weniger am Planungsrecht als an fehlender Wirtschaftlichkeit, hohen Baukosten und immer neuen technischen Anforderungen. Deshalb brauchen wir realistische Standards, verlässliche Förderprogramme und einen stärkeren Fokus auf tatsächlich bezahlbaren Wohnraum. Wohnungsbau muss für Unternehmen finanzierbar bleiben. Nur so sind auch faire Mieten möglich.“
Gerald Lipka, Geschäftsführer des BFW Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland, sieht vor allem den Bund in der Pflicht, private Investitionen wieder attraktiver zu machen: „Der Wohnungsbau wird ohne private Investoren und Selbstnutzer nicht funktionieren. Viele Projekte werden heute trotz Baurecht nicht begonnen, weil Finanzierung, Baukosten und Renditeerwartungen nicht mehr zusammenpassen. Wer mehr Wohnungen schaffen will, muss Bauen wieder wirtschaftlich ermöglichen. Dazu gehören weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen, steuerliche Entlastungen und bessere Finanzierungsmöglichkeiten. Der Staat muss private Akteure deutlich stärker als Partner begreifen, wenn der Wohnungsbau Fahrt aufnehmen soll, denn der finanzielle Beitrag privater Akteure ist für den Wohnungsbau unverzichtbar.“ Immerhin haben private Bauherren im Jahr 2025 mit 32,5 Milliarden Euro 56 Prozent der bundesweiten Investitionen in den Wohnungsbau getragen.
Claudia Jäger, Verbandsdirektorin des Regionalverbands FrankfurtRheinMain, verwies auf die zentrale Rolle der Kommunen: „Der Regionalverband erarbeitet mit seinen Mitgliedskommunen engagiert die gesamtplanerischen Voraussetzungen für die Regionalentwicklung und damit auch für den Wohnungsbau. Sie entwickeln Flächen, koordinieren Infrastruktur, schaffen Planungsrecht und verbinden unterschiedliche Interessen. Gleichzeitig stehen viele Städte und Gemeinden unter Druck – durch Personalmangel, komplexe Abwägungsprozesse und hohe Anforderungen an Klima-, Verkehrs- und Infrastrukturplanung. Damit der Wohnungsbau-Turbo wirken kann, brauchen die Kommunen ausreichende personelle, finanzielle und rechtliche Handlungsspielräume.“
Zu den hochkarätigen Referentinnen und Referenten des Vormittags zählten unter anderem Sören Bartol, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, sowie Karen Pein, Hamburger Senatorin und Präses der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen.
Am Nachmittag richtete sich der Blick auf konkrete Praxisbeispiele und innovative Ansätze für effizientes und kostengünstiges Bauen, smarte Gebäudetechnik sowie die Rolle von Normen und Regulierung. Dabei ging es auch um die Frage, wie Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und schneller Wohnungsbau besser miteinander verbunden werden können.
Quelle: Kongress „Metropolregion FrankfurtRheinMain baut!“