16. März 2026

Klimafreundlich, digital und industriell skalierbar: Holzbau – das Wachstumssegment der Zukunft

Rodgau (pm) – Der moderne Holzbau entwickelt sich zunehmend zu einer industriellen, digitalen und klimawirksamen Lösung für die zentralen Herausforderungen der Bauwirtschaft. Holzwerkstoffe spielen dabei eine Schlüsselrolle. Welche Entwicklungen und Potenziale der Holzbau mit sich bringt, erläutern Konstantin zu Dohna, Geschäftsführer des Deutschen Holzfertigbauverbandes (DHV), und Reiner Kohlwey, Direktor Marketing und Akquisition DACH bei West Fraser, einem führenden Produzenten von OSB-Platten.

Prognosen für den Holzbau

Trotz Wohnungsbau- und Industriekrise sehen die Experten eine Trendwende hin zum Holzbau. „Wir erwarten, dass sich 2026 noch schwierig gestaltet. 2027 dürfte es auch im Wohnungsbau deutliche Zuwächse geben“, prognostiziert zu Dohna. Besonders der mehrgeschossige Holzbau gewinne an Relevanz, sowohl in Voll-Holz und Holztafelbauweise als auch im Hybridbau aus Holz und Beton. So können Gebäude entstehen mit einer Konstruktion aus Stahlbeton sowie Fassadenelementen in Holzrahmenbauweise. „Der Marktanteil wächst kontinuierlich“, so zu Dohna. „Und konventionelle Bauunternehmen reagieren darauf zunehmend mit Kooperationen oder Übernahmen von Zimmmereien.“ Gleichzeitig steigt die Bedeutung der Vorfertigung und Automatisierung. „Es ist bereits deutlich zu erkennen, dass es ohne die Erhöhung des Automatisierungsgrads und der Vorfertigung in der Bauwirtschaft nicht mehr gehen wird“, hebt Kohlwey aus Herstellersicht die Entwicklungen im Holzbau hervor.

Holz als aktives Klimaschutzinstrument

Mit dem wachsenden Stellenwert von Nachhaltigkeit in der Bauindustrie rücken die klimapositiven Eigenschaften des Werkstoffs Holz stärker in den Fokus. Wie zu Dohna verdeutlicht: „Holz nimmt während seines Wachstums CO2 aus der Luft auf, speichert und bindet damit erhebliche Mengen Kohlenstoff. Ein Kubikmeter Holz bindet ca. eine Tonne CO2. Ein Kubikmeter Beton emittiert zusätzliche 0,3 Tonnen CO2“. Der Ersatz mineralischer Baustoffe durch Holz kann somit eine erhebliche zusätzliche Klimawirkung entfalten. Dieses Potenzial wird durch den technologischen Fortschritt weiter verstärkt. „Die ständig fortschreitende Produktionstechnologie ermöglicht nicht nur eine ressourcenschonende Produktion, sondern auch eine emissionsarme Anwendung der Produkte“, erklärt Reiner Kohlwey. „Holzwerkstoffe wie OSB-Platten mit ihrem hohen Holzanteil fungieren dabei als leistungsfähige und langfristige CO₂-Speicher und unterstreichen die Schlüsselrolle industriell gefertigter Holzprodukte für eine klimabewusste Bauweise.“

Kürzere Bauphase durch präzise Vorfertigung

Der ökologische Aspekt ist das eine. Zum anderen bringt der moderne Holzbau in seiner Bauweise viele Vorzüge mit, die der konventionelle Bau zumeist noch vermissen lässt. „Einen großen Vorteil, den wir im Holzbau haben, ist die präzise Vorfertigung in der trockenen Halle“, verdeutlicht zu Dohna. Das sieht auch Kohlwey: „Aufgrund der fehlenden Fachkräfte im Hauptgewerbe wird eine Vorfertigung von Bauteilen immer wichtiger. Wir gehen davon aus, dass die Modulbauweise in hohem Maß zunimmt. In diesem Zusammenhang sehen wir auch eine positive Entwicklung für OSB im und am Bau.“

Zwar nimmt der Planungsprozess am Anfang der Projektphase sehr viel Zeit und Ressourcen in Anspruch, dass das Gebäude bereits vor Produktion digital komplett geplant werden muss. „Dadurch werden Kollisionen, Brüche und Unvereinbarkeiten vermieden“, verdeutlicht zu Dohna den großen Vorteil der Vorfertigung. „Das Gebäude wird auf den Millimeter genau vorgefertigt. Ein Einfamilienhaus steht so in 3 Tagen, ein 3-Geschosser in 4 Wochen.“

Holzbau erschließt Potenziale im Bestand

Geringes Gewicht, schnelle Bauzeit, umsetzbare Anpassungen am Bestand, Nachhaltigkeit, bauphysikalische Eigenschaften – gerade im Bereich Aufstockung und Sanierung kann der Holzbau seine Vorteile ausspielen. 

„Auch in der energetischen Sanierung wird der Einsatz von vorgefertigten Elementen im Holzrahmenbau zunehmend wichtig. Für OSB ergeben sich hier vielversprechende Perspektiven“, ist Kohlwey überzeugt.

Allerdings bremsen laut zu Dohna die bestehenden Reglementierungen in den geltenden Bauordnungen der Kommunen die Entwicklungspotenziale aktuell noch aus: „Aber wir sehen gewaltiges Potenzial, dass sich durch die Modernisierung und Liberalisierung der Bauordnung ergeben kann.“

Quelle: West Fraser Timber Co. Ltd.