22. Februar 2026

Kersten Kopp Architekten: Moabiter Kinderhof in Berlin

Berlin (pm) – Zwischen altem Baumbestand und üppigem Grün entsteht mit dem Neubau des Moabiter Kinderhofs ein neuer Treffpunkt im Herzen des Berliner Stadtteils Moabit. Der Baukörper aus hölzernen Kuben öffnet sich dem Quartier und bietet geschützte Räume für Kinder und Jugendliche am Nachmittag. Zum zentralen Gestaltungselement des Gebäudes wird eine multifunktionale Regalwand, die zugleich als Tragwerk fungiert und die Grenzen zwischen Konstruktion und nutzbarem Raum auflöst.

KONZEPT UND STÄDTEBAU

Das Grundstück des Kinderhofs wurde im Jahr 2016 durch den Bezirk vom Bund als Parkfläche angekauft. Südlich grenzt es an die Seydlitzstraße, nördlich an den Fritz-Schloß-Park. In den letzten Jahren diente ein Bauwagen und ein kleines Bestandsgebäude als Wetterschutz für die kalten Tage. Schnell zeigte sich aber, dass das soziale Angebot so gefragt war, dass dieser provisorische Raum nicht mehr ausreichte. Besondere Herausforderung bei der Platzierung des 340 Quadratmeter großen Neubaus auf dem Grundstück war es, den wertvollen Baumbestand zu erhalten. Mit Vor- und Rücksprüngen, unterschiedlichen Gebäudehöhen und Berücksichtigung im Fundament fügt sich der Baukörper zwischen alte Kastanien, Buchen und Eichen ein und gliedert das Grundstück in differenzierte Außenräume. 

FLEXIBILITÄT IM INNENRAUM

Vom östlichen Grundstückszugang führt ein kurzer Weg in den einladenden Eingangsbereich des Neubaus. Prägend für die Gestaltung der Innenräume sind lange Blickachsen, die durch das gesamte Gebäude reichen. Großzügige Fenster und Loggien verleihen dem Gebäude ein Gefühl von Offenheit. Diese Schwellenräume schaffen eine enge Verbindung zwischen Innen- und Außenräumen. Das Raumkonzept setzt auf maximale Flexibilität: Der multifunktionale Saal kann mit einer mobilen Trennwand geteilt oder zu einem großen Veranstaltungsraum geöffnet werden. Wie ein Wohnraum verbindet er sich mit der Küche über eine offene Durchreiche. Eine kleine Treppe führt auf eine mit Matten ausgelegte Hochebene – ein gemütlicher Rückzugsort mit Blick nach draußen und in den Saal. Um den zentralen Saal gruppieren sich kleinere Büro- und Mehrzweckräume sowie die Garderobe. Durch diese zentrale Anordnung wird das Gebäude sehr kompakt und die Verkehrsfläche wird reduziert. Zonen für Rückzug, Aktion und Gemeinschaft bieten den Kindern Raum zur Selbstgestaltung und Mitbestimmung. 

EIN HAUS OHNE TRAGWERK 

Multifunktional ist der Neubau auch in seiner Konstruktion: Ein in die Wandebene integriertes Regalsystem wird zu Stauraum oder Sitznische und übernimmt gleichzeitig die tragende Funktion des Gebäudes. Das Dach lastet auf den Regalen, die zusammengesetzt aus schlanken, C-förmigen Furnierschichtholzmodulen im Werk gefertigt und auf der Baustelle montiert werden. Die sichtbelassenen Holzoberflächen machen die besondere konstruktive Logik des Gebäudes räumlich erfahrbar und sorgen für eine warme Materialsprache im Innenraum. Die Böden aus hellgrünem robusten Kautschukbelag werden den intensiven Anforderungen eines Kinderalltags gerecht. Die Fassade besteht aus einer hinterlüfteten Horizontalschalung aus sägerauer, vorvergrauter Lärche. 

SOZIALE DIMENSION UND ARCHITEKTUR 

Die Kleinen ganz groß: das Prinzip sozialer Teilhabe wurde von Beginn an in einem umfangreichen Partizipationsprozess umgesetzt. So wünschten sich die Kinder einen Raum, der so hoch ist, dass sie dort auf Stelzen laufen können. Eine Anregung, die sich im Gestaltungskonzept der unterschiedlich hohen Kuben architektonisch wiederfindet. 

Die Architektur reflektiert die pädagogischen Leitprinzipien der Einrichtung. Geprägt von Offenheit, ganzheitlicher Entwicklung, Partizipation und Lebensweltorientierung, schafft das Gebäude Räume, die Lernen, Spielen und Begegnung miteinander verbinden. Der Kinderhof versteht sich als offener Ort für alle Generationen: Auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten wird er für Sportkurse, Seniorentreffs oder Nachbarschaftsangebote genutzt. Das Gebäude lässt Platz für Aneignung und unterstützt somit bewusst soziale Prozesse im Stadtteil Moabit.

Quelle: Kersten Kopp Architekten GmbH