18. April 2026

Justizpalast in Den Haag: Zirkuläre Transformation im Bestand

Rotterdam (pm) – Für die umfassende Erneuerung und Transformation des Justizpalastes in Den Haag hat das Konsortium PvJ (Nudus, HUB Architekten, ABT & Karres en Brands) den Antrag auf Erteilung der Baugenehmigung eingereicht. Das rund 80.000 m² große Ensemble an der Utrechtsebaan, neben Den Haag Hauptbahnhof, umfasst die brutalistischen Sevenhuijsen-Bauten aus den 1970er-Jahren (P1 Flach- und Hochbau) sowie den P2-Turm aus den 1990er-Jahren von Architekt Van Vugt. Im Mittelpunkt steht dabei nicht der Abriss mit anschließendem Neubau, sondern der weitestgehende Erhalt und die Wiederverwendung der vorhandenen Substanz mit dem Anspruch, eine Qualität auf Neubau-Niveau zu erreichen. Während der Bauarbeiten bleibt der Justizbetrieb durchgehend in Betrieb. Mit dieser klar formulierten zirkulären Zielsetzung setzt das Rijksvastgoedbedrijf (staatliche Immobilienagentur der Niederlande) einen hohen Anspruch.

Justizpalast in Den Haag: Weiterbauen mit dem Bestand

Das Planungsteam knüpft konsequent an diese Haltung an. Sämtliches vorhandenes Fassadenglas, die Holzrahmen des P1-Flachbaus sowie die Natursteinpaneele aller drei Baukörper werden in die neuen Eingriffe integriert. Der Entwurf geht vom Vorhandenen aus und entwickelt daraus neue Qualitäten. Der Wert liegt dabei nicht im Austausch, sondern in der Weiterentwicklung des Bestehenden. So entsteht ein überzeugendes Beispiel für zirkuläres Bauen im staatlichen Kontext.

Innenräume in der Logik von Sevenhuijsen weitergedacht

Auch im Inneren bildet der Bestand den Ausgangspunkt. Die charakteristischen Waschbetonböden aus den 1970er-Jahren werden geschliffen und erhalten eine terrazzoartige Anmutung, Holzpaneele werden wiederverwendet und die prägenden Glasbausteine in das neue Konzept integriert. Zirkularität ist dabei kein Add-on, sondern leitendes Entwurfsprinzip. Architektonisch knüpft das Projekt an die Haltung von Sevenhuijsen an, der als Architekt des Rijksgebouwendienst (staatlicher Baudienst der Niederlande) den ursprünglichen Entwurf prägte.

Arbeiten im Dialog mit Licht, Luft und Jahreszeiten

Neben dem Umgang mit dem Bestand steht die Qualität der Arbeitsumgebung im Fokus. Der Entwurf stärkt die Verbindung zum Außenraum und bringt Tageslicht und jahreszeitliche Veränderungen stärker ins Gebäude. Die Büroflächen im P2-Turm werden durch eine offenere Fassadengestaltung aufgewertet. Auf dem Dach des P1-Flachbaus entsteht ein großzügiger Garten, der direkt vom Restaurant aus zugänglich ist. Hier wird das Prinzip des klassischen Peristyls neu interpretiert: als überdachter Außenrundgang, der die Wege der Nutzerinnen klar organisiert und den Magistratinnen eine sichere und angenehme Verbindung zu den Sitzungssälen bietet. Gleichzeitig schützt er vor Wind und Einblicken und ermöglicht es, im Laufe des Arbeitstags mehrfach ins Freie zu treten.

Justizpalast in Den Haag: Einbindung in ein grünes Stadtnetz

Auch städtebaulich wird der Komplex neu gedacht und stärker mit seiner Umgebung verknüpft. Im Zuge der geplanten Überdeckelung der A12 entsteht ein grüner Vorplatz, der den Eingangsbereich aufwertet. Zwei Pocketparks flankieren den Haupteingang, entlang der Juliana van Stolberglaan wird eine grüne Pufferzone ausgebildet, und entlang der Theresiastraat wird die bestehende Baumstruktur bis zur Prins Clauslaan weitergeführt. Die Dächer der P1-Flachbauten werden als Gründächer ausgeführt und durch einen intensiv genutzten Dachgarten ergänzt. Das Zusammenspiel aus robustem Stadtraum und begrünten Dachlandschaften verleiht dem Justizpalast einen offenen, öffentlichen und nachhaltigen Charakter.

Aktuell arbeitet das Team an der Fertigstellung des phasenweise entwickelten technischen Entwurfs. Baustart ist für Mitte 2027 geplant. Ziel ist es, gemeinsam mit dem Rijksvastgoedbedrijf und dem zukünftigen Bauunternehmen ein überzeugendes Beispiel für zirkuläres Bauen im staatlichen Kontext zu realisieren.

Projektinformation

Auftraggeber*in: Rijksvastgoedbedrijf (Staatliche Immobilienagentur der Niederlande)
Partner: Nudus, HUB Architekten, ABT, Karres en Brands, Huygen, bbn, Meelis & Partners
Ort: Den Haag, NL
Zeitraum: 2022–heute
Größe: ca. 80,000 m²

Über das Konsortium PvJ

Das Konsortium PvJ vereint die Expertise von Nudus, HUB Architekten, Karres en Brands und ABT. Nudus (Rotterdam) und HUB (Antwerpen) verantworten gemeinsam den architektonischen Entwurf und verbinden dabei fundierte Erfahrung im Umgang mit Bestandsbauten mit zeitgemäßer Ausführung und innovativem Materialeinsatz. Karres en Brands ergänzt dies durch ein landschaftsarchitektonisches Konzept, das Innen- und Außenräume enger miteinander verzahnt. Der integrale Ansatz des Ingenieurbüros ABT stellt sicher, dass die konzeptionellen Ansprüche in konkrete und umsetzbare Lösungen übersetzt werden. So arbeitet das Konsortium als ein Team an einem ganzheitlichen und zukunftsfähigen Justizpalast.

Quelle: Konsortium PvJ