17. Juni 2024

Jury kürt Siegerentwurf für die Mehrfachbeauftragung Stadt am Fluss – Vernetzung Untertürkheim

Visualisierung des Siegerentwurfs der Mehrfachbeauftragung „Stadt am Fluss – Vernetzung Untertürkheim“, Visualisierung: Labor für urbane Orte und Prozesse I Koeber Landschaftsarchitektur I Verkehrsplanung Link, Rechte: Landeshauptstadt Stuttgart.
Visualisierung des Siegerentwurfs der Mehrfachbeauftragung „Stadt am Fluss – Vernetzung Untertürkheim“, Visualisierung: Labor für urbane Orte und Prozesse I Koeber Landschaftsarchitektur I Verkehrsplanung Link, Rechte: Landeshauptstadt Stuttgart.

Stuttgart (pm) – Die Mehrfachbeauftragung für das IBA’27 Netz-Projekt „Stadt am Fluss – Vernetzung Untertürkheim“ ist entschieden. Der Entwurf der Planungsgemeinschaft Labor für urbane Orte und Prozesse mit Koeber Landschaftsarchitektur und Verkehrsplanung Link (alle aus Stuttgart) hat die Jury unter Vorsitz von Professorin Ute Meyer überzeugt. Das Gremium tagte am Mittwoch, 23. November, um die eingereichten Arbeiten zu würdigen und eine Rangfolge unter den vier teilnehmenden Planungsteams festzulegen.

„Die Wettbewerbsbeiträge haben die großen Potenziale zwischen Bahnhof Untertürkheim und Neckar eindrücklich aufgezeigt“, urteilt IBA’27-Intendant Andreas Hofer. Und weiter: „Es entsteht eine Perspektive für ein grüneres, weniger von der Infrastruktur und vom Verkehr durchschnittenes Quartier mit hoher Aufenthalts- und Lebensqualität. Im Weiteren gilt es die unterschiedlichen Bedürfnisse der Schule, des Inselbads, der hier Wohnenden und Arbeitenden abzustimmen, damit ein belebter Ort für viele am Wasser entsteht. Der bereits entschiedene Wettbewerb für eine urbane Wohnsiedlung an der Inselstraße kann hier Leitbild für den anstehenden Wandel in den nächsten Jahren sein.“
Die Jury empfiehlt, mit der erstrangigen Arbeit weiterzuarbeiten.

„Im weiteren Verfahren wird es darauf ankommen, alle Akteure im Umfeld in einen gemeinsamen Zukunftsprozess einzubinden. Bei der Langfristperspektive eines Parks ist es dabei auch wichtig, qualifizierte Zwischenschritte des Aufbruchs zu konzipieren und umzusetzen – unter Umständen auch erst einmal temporär“, sagt Preisgerichtsvorsitzende Meyer zum Ergebnis des Wettbewerbs.

Ausgelobt hatte die Mehrfachbeauftragung mit partizipativen Elementen die Stadt Stuttgart in Kooperation mit der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart (IBA’27). Den Siegerentwurf zeichnet dabei laut Juryurteil aus, dass die Arbeit sich auf die Bebauung der Bestandsbereiche und den Karl-Benz-Platz konzentriert, um eine grüne Mitte – die Neckarwiese – zu schaffen. Die städtebauliche Vision geht davon aus, dass auf dem Areal des heutigen „Puritas- Gebäudes“ eine rund drei Hektar große Freifläche als öffentliche Parkanlage entsteht, die auch eine neue Anbindung an den Unterlauf des Neckarkanals herstellt. Um diese zukunftsweisende, stadtklimatisch wirksame Parkanlage sollen Mercedes-Campus, Campus Lindenschule, Drehscheibe Karl-Benz-Platz mit einer urban geprägten, gemischt genutzten Neubebauung und ein neuer Vorbereich am Inselbad entstehen.

Die Arbeit besticht zudem durch ein gut durchdachtes Mobilitätskonzept. Drei dezentrale Standorte für Quartiersgaragen werden positiv gesehen. Die Kfz- Verkehrsflächen werden halbiert, Kreisverkehre dienen dem Verzicht von Abbiegespuren, die Flächen der Stadtbahnanlagen werden reduziert und optimiert.

Weiterüberlegt werden muss, welche Qualitäten mit dem vorgeschlagenen Lösungspaket erreicht werden können, da die grüne Mitte einen zentralen Mehrwert für Untertürkheim darstellt und das Wesen des Entwurfs ausmacht. Hier gilt es, sorgsam mit allen Beteiligten die weitere Entwicklung abzuwägen und bis zur IBA’27 erste Maßnahmen umzusetzen.

„Der Beitrag, der nun Grundlage für die weitere Bearbeitung darstellt, hat gute Aussagen getroffen, um die verschiedenen Quartiere zu vernetzen, Barrieren zu überwinden, Grün für Erholung und das Stadtklima anzubieten und auch der Firma Mercedes-Benz Optionen aufzuzeigen, wie sie sich zur Stadt hin öffnen kann. Dies ist nun eine gute Basis, um für Untertürkheim neue Perspektiven für die Zukunft zu eröffnen“, so die Einschätzung von Thorsten Donn, dem Leiter des Amts für Stadtplanung und Wohnen.

Wie ein Architektenwettbewerb verfolgt eine Mehrfachbeauftragung das Ziel, die beste Planungslösung hervorzubringen. Dieses Verfahren mit vier beteiligten Teams wurde bei dem Untertürkheimer Vorhaben gewählt, um die Entwürfe schon während des Planungsprozesses im Dialog mit der Jury am besten weiterentwickeln zu können.

Dahinter steckt der langjährige Wunsch, das Stadtgebiet Untertürkheim baulich aufzuwerten und insbesondere durch eine entsprechende Freiraumgestaltung das Neckarufer erlebbar zu machen. Die vier Planungsteams aus den Disziplinen Architektur, Landschaftsarchitektur und Verkehrsplanung wurden demnach beauftragt, eine städtebauliche Idee zu entwickeln, die wesentlich zur Vernetzung Untertürkheims beiträgt und die Flächen zwischen Stadt und Fluss sinnvoll und zukunftsweisend bespielt sowie die Altstadt mit dem Neckarufer verknüpft. Auf der 24 Hektar großen Fläche sollen Wohnen, Arbeit und Freizeit miteinander verbunden werden. Die „Stadt am Fluss“ sollte eingebettet werden in ein attraktives Freiraumsystem, das wesentlich zur Aufenthaltsqualität in Untertürkheim beiträgt. In diesem Zusammenhang wurden auch Vorschläge für die Verkehrs- und Wegeführung erwartet.

Eine der Herausforderungen für die Planungsgemeinschaften war dabei die Überwindung der beiden bestehenden Infrastrukturbarrieren – der Bahnlinie und des Verkehrsknotens Karl-Benz-Platz. Die vier Teams wurden explizit ermutigt, innovative Lösungen und Nutzungsideen in ihren Arbeiten vorzuschlagen. Es sollten zeitgemäße und sowohl visionäre als auch realisierbare Vorschläge für die bauliche und räumliche Entwicklung gemacht werden.

Neben den Erstplatzierten haben teilgenommen das Atelier Kaiser Shen Architekten (Stuttgart) zusammen mit K Landschaftsarchitektur (Ostfildern) und dem Stuttgarter Büro IGV-Ingenieure Gesellschaft Verkehr sowie Professor Dr. Helmut Bott als Berater für nachhaltige Stadtplanung auf dem 2. Rang, Cityförster architecture + urbanism (Hannover) zusammen mit Felixx landscape, architects and planners (Rotterdam) und dem Berliner Christian Scheler von 1komma2 (Verkehrsplanung) auf Rang 3, und auf Rang 4 schließlich das Team Adept (Hamburg) zusammen mit dem Büro Happold.

In einem Zwischenworkshop am 12. September haben die Planungsteams ihre Leitideen sowie den Stand ihrer Arbeiten der Jury präsentiert. Diese gab darauf Hinweise und Empfehlungen für die weitere Bearbeitung. Bis zum 8. November konnten die Teilnehmenden schließlich ihre Arbeiten einreichen.

Die Pläne und Modelle der Planungsteams werden vom 5. bis 15. Dezember im Stuttgarter Rathaus, Ausstellungsfläche im EG, und voraussichtlich Anfang 2023 im Bezirksrathaus in Untertürkheim ausgestellt. Der genaue Zeitraum wird noch bekannt gegeben.

Pressemitteilung: Landeshauptstadt Stuttgart