1. Juni 2026

Josef-Schwarz-Schule: Campus im Neckarbogen Heilbronn

Heilbronn (pm) – Im Modellquartier Neckarbogen in Heilbronn bildet die Josef-Schwarz-Schule eines der größten und zukunftsorientiertesten Schulbauprojekte Deutschlands. Die bilinguale Ganztagsschule vereint Grundschule, Sekundarstufe und gymnasiale Oberstufe auf einem Campus mit rund 60.000 Quadratmetern Fläche. Der Entwurf versteht die Schule als zusammenhängendes Gefüge aus drei Gebäuden, das Lernen, Bewegung und Begegnung in einer offenen räumlichen Struktur ermöglicht.

Die Anlage bildet den südlichen Abschluss des Quartiers und reagiert auf die angrenzenden Bahngleise sowie urbane Dichte des neuen Stadtteils mit einem angehobenen Landschaftsplateau. Auf dieser Schulhofebene entstehen drei pavillonartige Baukörper, die sich mit begrünten Terrassen, Freiflächen und kleinen Plätzen verzahnen. Die erhöhte Ebene schafft eine klare Trennung zwischen öffentlichem Stadtraum und dem schulischen Alltag und eröffnet zugleich neue Blickbezüge in das Quartier und zur Umgebung. Innen- und Außenräume stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang, wodurch vielfältige Situationen entstehen, die das Lernen im Alltag unterstützen.

Jede Schulform hat ihr eigenes Haus und damit einen eigenständigen Charakter. Die Grundschule ist in Lernhäuser gegliedert, die auf die Bedürfnisse der Jahrgangsstufen abgestimmte Räume bieten. In der Sekundarstufe ermöglichen offene Lernateliers individuelle und gemeinschaftliche Arbeitsformen, während die Oberstufe über Fachcluster verfügt, die auf die Anforderungen der Kursstufe reagieren. Aula, Mensa und Foyer sind im Erdgeschoss zusammengeführt und bilden die Basis des Campus. Hier treffen sich Schüler, Lehrkräfte und Besucher, die Räume öffnen sich zum Stadtraum und machen die Schule als Teil des Quartiers erlebbar. Ergänzend zu den Unterrichtsgebäuden bildet das Haus der Familie eine wichtige Schnittstelle zwischen Schule und Stadtgesellschaft. Es bietet Räume für Austausch, Beratung und gemeinsame Aktivitäten und stärkt damit die Verbindung zwischen Bildung, Familienleben und Nachbarschaft. Als offener, einladender Ort fördert es Begegnung und Teilhabe und spiegelt den gemeinschaftlichen Charakter des Campus wider.

Das Gebäudeensemble ist in Holz-Hybrid-Bauweise errichtet. Holz als prägendes Material erzeugt eine warme Atmosphäre, verbessert das Raumklima und trägt zu einem energieeffizienten, klimafreundlichen Betrieb des Gebäudes bei. Eine Heiz- und Kühldecke aus Lehm unterstützt den thermischen Komfort und macht die Materialität spürbar. Auf eine aufwendige Klimatechnik wurde verzichtet, stattdessen wird auf natürliche Belüftung und eine effiziente Steuerung der Gebäudemasse gesetzt. Die Energieversorgung erfolgt über Geothermie und Photovoltaik. Die Materialien stammen aus mitteleuropäischer Produktion und sind weitgehend recyclebar. Innen wie außen bestimmen Lärchenholz, Lehm, Keramik, Kautschuk und Betonwerkstein das Erscheinungsbild und vermitteln einen robusten und ruhigen Charakter.

Das Energiekonzept folgt dem Prinzip des minimalen Primärenergiebedarfs bei gleichzeitig hohem Nutzerkomfort. Dach- und Terrassenflächen wirken als Retentionsräume, Photovoltaikelemente erzeugen Energie. Durch die Kombination von natürlicher Lüftung, Nachtkühlung und dem flächendeckenden Einsatz von Holz und Lehm entsteht ein herausragendes Raumklima ohne mechanische Klimatisierung. Die Josef-Schwarz-Schule ist mit dem DGNB-Zertifikat in Platin und Diamant ausgezeichnet. Diese höchste Auszeichnungsstufe der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen bestätigt die besondere Qualität des Projekts in den Bereichen Ökologie, Ökonomie, soziokulturelle und funktionale Aspekte, Technik sowie Prozess- und Standortqualität.

Der Freiraum ist Teil des pädagogischen Konzepts. Auf der Schulhofebene entsteht eine zusammenhängende Landschaft mit Sportflächen, Terrassen, Spiel- und Aufenthaltszonen. Ein grünes Band verbindet die drei Baukörper, Holzpodeste und Pflanzinseln gliedern die Freiflächen und schaffen Orte für Bewegung und Rückzug. Jede Schulform verfügt über einen eigenen Außenbereich mit individuellem Angebot, weitere Terrassen in den oberen Geschossen erweitern den Freiraum vertikal und bieten neue Perspektiven auf das Quartier.

Die Architektur übersetzt das pädagogische Leitbild einer internationalen Ganztagsschule in räumliche Strukturen. Flexible Lernlandschaften, offene Erschließungen und sichtbare Bezüge zwischen den Bereichen fördern Kommunikation und Selbstständigkeit. Der Campus wird so zu einer eigenen kleinen Stadt, die Lernen, Gemeinschaft und Nachhaltigkeit in einer klaren architektonischen Form zusammenführt.

Quelle: Behnisch Architekturbüro