17. Juni 2024

Interview mit Architekt Fabian Ochs über das Projekt SOuth HOrizon Munich

München (pm) – Mit dem Aufstieg und Weggang der Firma Siemens hat sich in München Obersendling viel getan. Der Stadtteil entwickelt sich seit Jahren vom Industrieareal hin zu einem vielseitigen urbanen Quartier. Genau hier steht der Büroneubau SOuth HOrizon Munich (SOHO) exemplarisch für den Wandel des Quartiers, in dem derzeit ringsum viele Büro und Gewerbeflächen neu entstehen – eines der größten Entwicklungsareale Münchens.

Die Optima-Aegidius-Firmengruppe und die Hammer AG schreiben mit ihrem 31.000 Quadratmeter großen Neubau SOHO die Transformation des früheren Siemens-Standortes Obersendling fort. Das Münchener Architekturbüro OS A Ochs Schmidhuber Architekten, spezialisiert auf zukunftsfähige Bürobauten wie Headquarters und Officestrukturen sowie Städtebau, konnte für das SOuth HOrizon-Projekt gewonnen werden.

Im Interview spricht Fabian Ochs, Gründer, Architekt und Stadtplaner über die gemeinsame Inspiration, über die Vision des zukünftigen Arbeitens und warum Klinker und Beton zum Einsatz kommen.

 

Fabian Ochs © AS A Ochs Schmidhuber Architekten
Fabian Ochs © OS A Ochs Schmidhuber Architekten

Woher kam die Idee für die Light-Industrial-Architektur, was hat Sie inspiriert?

Fabian Ochs: Guten Input für dieses Projekt hat uns zum Beispiel der angesagte Meatpacking District in New York gegeben. Dort gibt es diese schönen alten Industriearchitekturen mit loftigen Officestrukturen, Makerspaces, Restaurants und Clubs. Obersendling hat ebenfalls das Potenzial, sich zu einem Trendviertel zu entwickeln. Die Light-Industrial-Architektur soll neben klassischen Büros auch hybride Produktionsflächen ermöglichen. Der Makerspace im Erdgeschoss bietet mit seinen Nutzungsflächen unter anderem eine stützenfreie Mittelfläche von über 37 x 11 Metern und Raumhöhen von 4,50 Metern. Das ist eine in München seltene Kombination geeignet für kreative Arbeitsplätze und für Unternehmen, die sich die Werkstätten und Testlabors einrichten oder Prototypen entwickeln wollen.

 

SOuth HOrizon
Der hybride Neubau versteht sich als Denkfabrik und Werkstatt im Charme einer Light-Industrial-Architektur und des Klinkerbaus © KOP4 GmbH & Co. KG

 

Nachhaltigkeit spielt eine immer wichtigere Rolle für viele Menschen. Sie möchten dies auch in ihrer Bürowelt widergespiegelt sehen. Inwieweit beeinflusst dies das Architektur-Design und wurde bei diesem Projekt bedacht?

Fabian Ochs: Ein guter Punkt. Dieser Gedanke muss von Anfang mitgedacht werden. In Sachen Nachhaltigkeit des Standorts punktet, dass wir ein bereits erschlossenes und genutztes Areal neubebaut haben. Im Innenraum sind emissionsarme Materialien verbaut, sorgen für ein gesundes Raumklima und das Lüftungskonzept ist energieeffizient. Wir haben für Grün- und Biotopflächen ebenso gesorgt wie für Dächer mit extensiver Begrünung. LED-Beleuchtung im Büro oder energieeffiziente Heizungssysteme sind nur einige Beispiele für möglichst hohe Energieeinsparungen im gesamten Gebäude. Belohnt wird dieser Einsatz mit der LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) Gold Zertifizierung.

 

SOuth HOrizon
© KOP4 GmbH & Co. KG

 

Wie haben Sie den Stadtteil Obersendling in die Planung mit einbezogen?

Fabian Ochs: Durch die Industrialisierung entstanden hier ab Mitte des 19. Jahrhunderts viele Betriebe. Auch große Wohnblöcke wurden errichtet in denen die Arbeiter untergebracht waren. Das Viertel im Münchner Süden war seit jeher eine Mischung aus Wohnquartier und Industriestandort. Diesen Geist – genius loci – haben wir bei der Planung der Industrie-Architektur berücksichtigt. Mit seiner Loft-Ausstattung und Stadtnähe, sechs Etagen sowie Dachterrasse ist das SOHO für Unternehmen beispielsweise aus der IT-Branche oder aus Forschung und Entwicklung prädestiniert. Aber auch Start-ups kommen hierher. Obersendling zieht gerade viele Junge Menschen an. Für Bewohner und Mitarbeitende ist der ÖPNV mit S-Bahn und U-Bahn essentiell, aber auch die Isar mit Ihrem Flaucher lädt zum Verweilen ein und bietet Lebensqualität. Das Potential des Standortes ist sehr groß, viele Unternehmen haben es erkannt und wollen ihn aktiv mitgestalten.

 

SOuth HOrizon
Skydeck im fünften Obergeschoss mit Blick auf die Alpen – Dachterrassen können auch gemeinschaftlich genutzt werden © KOP4 GmbH & Co. KG

 

Was müssen künftige (Büro)Gebäude leisten, um begehrt zu werden?

Fabian Ochs: Networking und Community – so lauten die Schlagworte der modernen Bürokultur. Aber Kreativität und Kommunikation im Job brauchen einen entsprechenden Ort, der den Rahmen schafft. Unternehmen, die Büroflächen suchen, wollen eine neue Qualität, sie brauchen so viel Flexibilität wie nie zuvor – nicht zuletzt um Angestellte zurück ins Office zu holen und um im Kampf um Bewerber einen Wettbewerbsvorteil zu haben. Daher lassen sich die Loft-Büros im SOHO mit Raumhöhen von 3,30 Metern und variierenden Raumtiefen von 13,50 bis 21 Metern sowohl als Open Space gestalten, als auch in Form von abgetrennten Cubes oder Sharing Zones. Für Aufenthaltsqualität sorgen zwei Innenhöfe, die über eine große Freitreppe verbunden sind und Tageslicht in alle Geschosse leiten. Unter der Freitreppe sind moderne Fahrradstellplätze und Spinde mit Duschen angeordnet. Auf dem Skydeck im fünften Obergeschoss können Mieter After-Work-Meetings abhalten und die freie Sicht auf die Alpen genießen. Ein weiterer Vorteil der Südlage: Wer ein paar Meter zu Fuß geht, findet unweit des Büroquartiers die Isarauen.

 

SOuth HOrizon
Der Makerspace im Erdgeschoss bietet mit Raumhöhe bis 4,50 Metern spannende Möglichkeiten für alle Unternehmen, die Werkstätten und Testlabors einrichten oder Prototypen entwickeln wollen © KOP4 GmbH & Co. KG

 

Sie haben in Ihrer Architektur zwei Stahlbrücken integriert, was ist die Idee dahinter?

Fabian Ochs: 
Im Rahmen des architektonischen Gesamtkonzepts, das sich an die Industriegeschichte der Umgebung anlehnt, begeistern insbesondere die zwei imposanten, aus 250 Tonnen Stahl gefertigten Brückenbauwerke, die dank ihrer komplett verglasten Fassade viel Licht ins Innere lassen. Diese Stahlbrücken sind zwischen den Gebäudeteilen eingehängt und überzeugen im Innenraum durch ihre offene Trägerkonstruktion. Obwohl die Brücken aus Stahl sind, wirken sie eher filigran als wuchtig.

 

Klinker ist in Süddeutschland nicht so verbreitet, wieso haben Sie ihn für die Fassade gewählt?

Fabian Ochs: Die Umgebung hat uns inspiriert. Das Gelände liegt in der Nähe der Isartalbahn, die von kleinen Bahnhöfen in Backsteinbauweise gesäumt ist. So kam uns eine Klinkerfassade in den Sinn, die typisch für den Industrial Style ist.

 

SOuth HOrizon
Brücke mit großformartigen Fabrikfenstern und industriell anmutenden Stahlträgern © KOP4 GmbH & Co. KG

 

Warum haben Sie das Gebäude in Form einer S-Figur in Grundriss und Schnitt geplant?

Fabian Ochs: Reizvoll ist vor allem die Lage des Grundstücks zwischen der Koppstraße auf der einen und der S-Bahnhaltestelle auf der anderen Seite. Aus dieser Ambivalenz haben wir die S-Figur in Grundriss und Schnitt entwickelt und die Guideline für das Projekt generiert. Die Stahlbrücken verbinden das in S-Form angelegte Gebäude einmal im Süden und einmal im Norden. Das SOuth HOrizon verfügt somit über ein ‚offenes System‘ in Form von zweiseitig geöffneten Innenhöfen im Erdgeschoss und kann nicht nur von den Nutzern durchquert werden, sondern auch von Menschen aus der Nachbarschaft oder Besuchern. Ein Gang durch das SOHO-Areal wird sich lohnen. Es sind schöne Höfe mit Sitztreppen und Social Islands geplant. Das schafft auch einen Mehrwert für die Öffentlichkeit.

 

Vielen Dank für das Gespräch.