17. November 2018

Internationaler Hochhaus Preis 2018 Frankfurt am Main

Bürohochhaus 'Torre Reforma' in Mexiko-Stadt gewinnt Internationalen Hochhaus Preis 2018

L. Benjamín Romano: Torre Reforma, Mexiko-Stadt, Mexiko Foto: Alfonso Merchand

Frankfurt am Main (pm) – Das Finale um den Internationalen Hochhaus Preis (IHP) 2018 ist entschieden: Der Büroturm ‘Torre Reforma‘ in Mexiko-Stadt von L. Benjamín Romano gewinnt den mit 50.000 Euro dotierten Wettbewerb um das weltweit innovativste Hochhaus. Der Architekt L. Benjamín Romano nahm die Preisstatuette und das Preisgeld im Rahmen des Festaktes in der Frankfurter Paulskirche entgegen. Den Preis überreichten Dr. Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main, Dr. Matthias Danne, Finanz- und Immobilienvorstand der DekaBank und Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM).

Mexiko-Stadt auf der Weltkarte wegweisender Hochhausarchitektur

Entgegen dem weltweit andauernden Trend hin zum Wohnturm sowie zu immer größeren mischgenutzten Projekten in Asien ist der diesjährige Preisträger größtenteils ein Bürogebäude mit zusätzlichem Restaurant und Fitnesscenter. Dabei ist allerdings nur die Art der Nutzung konventionell. Die in Mexiko-Stadt herrschende Erdbebenproblematik erfordert ein kluges Tragwerkskonzept, das dem 246 Meter hohen Büroturm sein signifikantes Erscheinungsbild verleiht. Torre Reforma von L. Benjamín Romano bringt Mexikos Hauptstadt damit auf die Weltkarte wegweisender Hochhausarchitektur. Ein nicht minder spannender Aspekt ist der ungewöhnliche Weg der Projektfinanzierung. Die Investorengruppe Fondo Hexa, S.A. de C.V. betrachtet ihre Projekte als langfristige Kapitalanlage und setzt deswegen auf eine besonders sorgfältige Planung, hochwertige Materialien und perfekte Details. So beeinflusst dieser vorausschauende wirtschaftliche Ansatz auch den architektonischen Entwurf positiv und könnte auch über Mexiko hinaus als Blaupause für erfolgreiche Projekte dienen.

Wie ein geöffnetes Buch zwischen zwei Sichtbetonwänden

Wie ein riesiger urbaner Obelisk oder ein geöffnetes Buch zwischen zwei Sichtbetonwänden hebt sich der Torre Reforma von den umliegenden Hochhäusern ab, nicht nur wegen seiner Höhe. Benjamín Romano hat mit den massiven Wänden an die baulichen Traditionen der Azteken angeknüpft und diese modern interpretiert. Der Torre Reforma war das Gebäude, das sowohl die Ingenieure als auch die Architekten in der Jury am stärksten begeisterte – als meisterhafter Ausdruck eines neuen Nachdenkens über das Hochhaus und somit als würdiger Preisträger. Es ist ein Gebäude, das in den Augen der gesamten Jury all das verkörpert, was sich Benjamín Romano selbst zum Ziel gesetzt hat: Nachhaltigkeit, modernste Technologie und gut strukturierte Räume kunstvoll miteinander zu verbinden.

Statements des Preisträgers und der Partner des IHP

L. Benjamín Romano bedankte sich: „Dieser Preis bedeutet mir besonders viel, weil er von meinen Fachkollegen kommt – Architekten, Ingenieure und Immobilienentwickler – die nicht nur das Gebäude an sich schätzen, sondern die inhärenten finanziellen, ingenieurstechnischen, umweltbedingten und normativen Herausforderungen. Ich glaube, die beste Architektur ist die, die Antworten auf diese Herausforderungen findet. Die Architektur, die sich aus Anforderungen, Kontext und Realität ergibt und nicht nur aus der Vorstellungskraft oder dem ästhetischen Empfinden eines Einzelnen.“

Dr. Matthias Danne, Finanz- und Immobilienvorstand DekaBank, erklärte: „Das Gebäude zeigt durch seine innovative und erdbebensichere Konstruktion im wahrsten Sinne des Wortes Rückgrat. Torre Reforma beeindruckt darüber hinaus durch seinen kreativen Umgang mit Baumaterialien, einem ausgefeilten Tragwerkskonzept und hoher Energieeffizienz.“

Der Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM), Peter Cachola Schmal, zeigte sich auch vom Geschäftsmodell des Architekten beeindruckt: „Benjamín Romano beweist, dass ein einziger Architekt die Baustandards auf seinem Gebiet und in seiner Stadt neu definieren kann. Zuerst hat er Investoren gewonnen, die das Grundstück erworben haben, den Entwurf entwickelt, eine massive Konstruktion fernab aller üblichen Vorhangfassaden erdacht und seine Statiker davon überzeugt, seiner Idee zu folgen. Und dann hat er es gebaut. Wir sind erstaunt, dass eine solch ganzheitliche Herangehensweise heutzutage möglich ist, und sind überwältigt von diesem fantastischen Resultat. Romano zeigt uns, dass dieser Ansatz in bestimmten Ländern wirklich etwas bewegen kann.“

Dr. Ina Hartwig, die Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt am Main, äußerte sich begeistert: „Torre Reforma besticht mit seiner außergewöhnlich klaren, fast skulpturalen Architektur, und seinem dreieckigen Grundriss. Die futuristische Fassade gibt den Blick auf einen der größten Stadtparks der Welt frei. Sein sensibles und intuitives Design reagiert in beeindruckender Art und Weise auf die lokalen topographischen Herausforderungen. Der neue Bau verkörpert nicht nur die fortschreitende Entwicklung Mexikos, sondern integriert behutsam ein denkmalgeschütztes Gebäude des historischen Stadtbezirks. Optisch überzeugend und umweltfreundlich, ist dieses Projekt ein mehr als verdienter Gewinner des Internationalen Hochhaus Preises 2018 und zeigt, dass Mexiko im internationalen Vergleich zukunftsweisende architektonische Lösungen bereithält.“

Während der Preisverleihung wurden auch die übrigen vier Finalisten geehrt: 

  • MahaNakhon (Bangkok/Thailand) von Büro Ole Scheeren, Bangkok/Thailand und OMA Office for Metropolitan Architecture, Peking/China 
  • Beirut Terraces (Beirut/Libanon) von Herzog & de Meuron, Basel/Schweiz
  • Chaoyang Park Plaza (Peking/China) von MAD Architects, Peking/China 
  • Oasia Hotel Downtown (Singapur) von WOHA, Singapur

Aus über 1.000 Hochhäusern, die innerhalb der letzten zwei Jahre weltweit fertiggestellt wurden, hatte das Deutsche Architekturmuseum (DAM) 36 herausragende Gebäude aus 15 Ländern nominiert. Eine internationale Expertenjury aus Architekten, Tragwerksplanern und Immobilienspezialisten unter der Leitung von Kai-Uwe Bergmann, Partner des IHP 2016 Gewinners BIG – Bjarke Ingels Group, wählte daraus fünf Finalisten.

Der Internationale Hochhaus Preis wurde 2003 gemeinsam von der Stadt Frankfurt am Main, dem Deutschen Architekturmuseum und der DekaBank initiiert und 2004 zum ersten Mal vergeben. Seitdem wird er alle zwei Jahre kooperativ organisiert und finanziert. Somit fand in diesem Jahr die Preisverleihung in der Frankfurter Paulskirche zum achten Mal statt. Der IHP richtet sich an Architekten und Bauherrn, deren Gebäude mindestens 100 Meter hoch sind und in den vergangenen zwei Jahren fertiggestellt wurden. Auf dem Weg zur Entscheidung ging es in der breiten Diskussion der Jury unter anderem darum, wie ein Hochhaus zum Stadtgefüge und urbanen Leben beiträgt. Darüber hinaus wurden unter anderem folgende Aspekte analysiert: die übergreifende Aussage, die skulpturalen Qualitäten, das statische Konzept, die Nutzungsmischung sowie die Balance zwischen Wirtschaft und Kultur.

Das Deutsche Architekturmuseum zeigt alle nominierten Projekte

Die Ausstellung “Best Highrises 2018/19 – Internationaler Hochhaus Preis 2018“, die das Deutsche Architekturmuseum (DAM) vom 3. November 2018 bis 3. März 2019 in Frankfurt zeigt, präsentiert nicht nur den Preisträger und die Finalisten, sondern alle 36 nominierten Projekte.

Pressemitteilung: Deutsches Architekturmuseum