13. Februar 2026

Intelligente Schrauben überwachen Ikone aus Stahl

Stahlbautechnische Besonderheit: Das filigrane Zeltdach des Münchner Olympiastadions wurde am 22. September 2023 mit der Auszeichnung „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ geehrt. © Sandra Alkado

Waldachtal (pm) – Wie sich sicherheitsrelevante Schraubverbindungen im Stahlbau digital überwachen lassen, demonstriert ein Pilotprojekt im Münchner Olympiastadion. Hier wurden vorhandene Verschraubungen der in das Dach integrierten Besucherplattform durch fischer SensorBolts ergänzt. Diese intelligenten, hochfesten Schrauben verfügen über eine integrierte Kraftmess- und Übertragungstechnik, um ihre Vorspannkräfte in Echtzeit zu messen und so mehr Transparenz und Sicherheit im Bauwerksbetrieb zu ermöglichen.

Das Münchner Olympiastadion ist stahlbautechnisch eine Besonderheit – nicht zuletzt wegen seines filigranen Zeltdachs, das am 22. September 2023 mit der Auszeichnung „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ geehrt wurde. Mit einer Fläche von rund 78.000 m² überdeckt es fast die Hälfte des Stadions sowie die angrenzenden Hallen (Olympiahalle und Schwimmhalle) und Zwischendächer. In rund 40 – 50 m Höhe über dem Spielfeld führen gesicherte Stege über das Dachtragwerk, die direkt in die filigrane Stahlseilkonstruktion integriert sind. Bei einer „Zeltdach-Tour“ können Besucher, ausgestattet mit Kletterausrüstung, das ikonische Zeltdach begehen – mit Blick über München, hinab auf das Spielfeld und bei klarem Wetter bis in die Alpen. Hierbei müssen alle Verbindungen der Besucherplattform absolut zuverlässig sein. Weitere Sicherheitsanforderungen entstehen auch durch den „Flying Fox“: eine rund 200 m lange Seilrutsche, die in etwa 35 m Höhe quer über den Stadionrasen führt und auf Wunsch den Abschluss der Tour bildet.

Hochfeste Verbindungen digital überwacht
Die Stadtwerke München ergänzten die Verschraubungen der Besucherplattform des Olympiastadions jetzt erfolgreich durch fischer SensorBolts. Diese sensorintegrierten Schrauben erfüllen die Sicherheitsanforderungen für stark frequentierte und sicherheitsrelevante Bereiche. Direkt am Schraubenkopf angebracht, misst ein Sensor die Vorspannkraft – im Stahlbau die entscheidende Größe, um anzugeben, wie stark Bauteile zusammen mit der Schraube miteinander verspannt sind. Ein zweiter Sensor erfasst die Temperatur und berücksichtigt so auch Umwelteinflüsse. Jeder SensorBolt ist mit einem SensorNode ausgestattet, welcher die Messwerte – in Kilonewton (kN) – sicher von den Schrauben zu einem im Stadion installierten Gateway überträgt. Von dort gelangen die Daten Ende-zu-Ende-verschlüsselt in einen Cloudspeicher und werden über ein kundenspezifisches Dashboard zugänglich gemacht. Die Stadionbetreiber können so den Zustand der Befestigungspunkte jederzeit und ortsunabhängig komfortabel per PC oder Smartphone einsehen – in Echtzeit. 

Nächstes Level intelligenter Schraubtechnik im Blick
„Wir bringen mit unseren SensorBolts die intelligente Schraubtechnik auf das nächste Level“, betont Dr. Daniel Rill, Produktmanager Connected Products bei fischer. So war es im klassischen Bauwerksbetrieb bislang mit hohem Aufwand verbunden, Aussagen über die Vorspannkräfte eingebauter Schrauben zu treffen – vor allem über längere Zeiträume hinweg und unter wechselnden Lasten. „Unsere Sensorik-Innovation ermöglicht es dahingegen jetzt, die Verschraubungspunkte kontinuierlich auch aus der Ferne zu überwachen und präzise Daten zu deren Zustand zu sammeln – einschließlich der Informationen darüber, wie sich Kräfte im Laufe der Zeit beispielsweise durch Wind-, Temperatur- oder Schneelasten verändern“, führt Dr. Daniel Rill weiter aus. „Resultat ist ein erhebliches Plus an Betriebssicherheit und Kontrollierbarkeit – gerade in sicherheitskritischen Bereichen, wie der Besucherplattform des Olympiastadions in München.“ Der sichere und wirtschaftliche Bauwerksbetrieb sei hierbei ein klares Plus. Dr. Daniel Rill betont: „Die Integration unserer SensorBolts in Sicherheitskonzepte erlaubt eine gezieltere Planung von Instandhaltungsmaßnahmen. So lassen sich Ausfallzeiten reduzieren, Kosten senken – und gleichzeitig die bereits sehr hohen Sicherheitsstandards der Besucherplattform weiter optimieren und deren Nutzungsdauer noch weiter verlängern.“

Structural Health Monitoring schreitet voran
„Unsere SensorBolts machen Schraubverbindungen intelligenter, zukunftsfähiger und absolut zuverlässig – ein Meilenstein für die sichere, nachhaltige und wirtschaftliche Überwachung und Instandhaltung von Bauwerken und Anlagen“, resümiert Martin Neumann, Abteilungsleiter Connected Products bei der Unternehmensgruppe fischer. Der SensorBolt ist der jüngste Neuzugang im fischer Construction Monitoring Portfolio digital ausgestatteter Befestigungsmittel, das auch die Ankerstange SensorAnchor und die Unterlegscheibe SensorDisc umfasst. Alle drei IoT-vernetzten Produkte ermöglichen die Dokumentation und Überwachung von Bauwerken und Anlagen. Der Zustand von Befestigungspunkten lässt sich in Echtzeit per Smartphone oder PC einsehen – auch aus der Ferne. „Das verbessert die Wartungseffizienz, ermöglicht Kosteneinsparung, erhöht die Sicherheit, verringert Ausfallzeiten und verlängert die Nutzungsdauer der Objekte“, betont Martin Neumann. Die ersten Piloteinsätze laufen sehr erfolgreich – weitere Anwendungsfelder sind in Planung.

Quelle: fischerwerke GmbH & Co. KG