26. Mai 2022

Ingenieurkammer Baden-Württemberg fordert Baukonjunkturprogramm

Stuttgart (pm) – Die Ingenieurkammer Baden-Württemberg begrüßt die Unterstützungsbemühungen in der Corona-Krise seitens des Landes. Gleichzeitig plädiert sie für weitere Maßnahmen, die den Ingenieurbüros effektiv Hilfestellung leisten. „Das Kernproblem liegt bei den Neubeauftragungen, die im Moment fast vollständig ausbleiben. Ein Teil unserer Mitglieder spürt die Auswirkungen der Corona-Pandemie bereits, bei vielen jedoch wird die Krise erst mit Verzögerung eintreten“, erklärt die Geschäftsführerin der Ingenieurkammer Davina Übelacker.
Die Ingenieurbüros in Baden-Württemberg haben schnell auf die Krise reagiert und Arbeitsprozesse innerhalb kürzester Zeit an die neuen Randbedingungen angepasst. Viele Ingenieure arbeiten aktuell im Homeoffice und leisten ihren Beitrag, die bevorstehende Wirtschaftskrise abzudämpfen. Ingenieure haben zahlreiche systemrelevante Aufgaben, etwa in der Wasser- und Energieversorgung, in der öffentlichen Verwaltung oder im Bauwesen. Ohne sie ist ein Funktionieren unserer modernen Gesellschaft undenkbar. Mehrheitlich bestehen die Büros aus kleinen Einheiten mit weit unter 100 Mitarbeitern und bilden eine elementare Stütze des Mittelstandes – auch als Arbeitgeber. Viele sind bereits jetzt von der Krise betroffen. Ein Großteil kann, allerdings unter Einschränkungen, an bestehenden Planungsaufträgen arbeiten.

„Konjunkturprogramm für Baubranche sinnvoll“

Aktuell stehen die Ingenieurbüros bereits vor der Problematik, dass Rechnungszahlungen von privaten, aber auch öffentlichen Auftraggebern aufgeschoben werden. „Wir begrüßen daher den Erlass des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat, der unverzüglichen Prüfung und Begleichung von Rechnungen höchste Priorität einzuräumen, dies ist ein wichtiges und richtiges Signal“, so Übelacker. Bereits im Sommer werden bestehende Planungsaufträge vieler Ingenieurbüros abgearbeitet sein, Neubeauftragungen finden zum aktuellen Zeitpunkt kaum noch statt. Infolgedessen werden in Kürze zahlreiche selbstständige Ingenieurinnen und Ingenieure auf Hilfe und Unterstützung des Landes angewiesen sein, um diese Auftragslücke im Bereich der privatwirtschaftlichen Planungsaufträge kompensieren zu können. „Wir setzen uns beim Land dafür ein, dass ab dem Sommer weitere Mittel für unsere Ingenieurbüros zur Verfügung gestellt werden. Außerdem halten wir ein Konjunkturprogramm für die Baubranche infolge ausbleibender Aufträge aus der Privatwirtschaft für sinnvoll“, meint Übelacker.

Öffentliche Bauprojekte nicht zurückstellen

Von größter Bedeutung ist für die Ingenieurbüros ebenfalls, dass öffentliche Bauprojekte nicht zurückgestellt werden. „Eine Reduzierung oder Eingrenzung von Planungen für Bauprojekte der öffentlichen Hand hätte im Augenblick unvorhersehbare negative Auswirkungen auf die gesamte Branche. Außerdem muss die Vergabe von öffentlichen Planungsleistungen gerade in dieser schwierigen Lage so unkompliziert wie nur möglich gestaltet werden“, fordert Übelacker. Nach dem Entfall der Mindestsätze in der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure, die im Juli vergangenen Jahres vom Europäischen Gerichtshof als EU-rechtswidrig eingestuft wurden, plädiert die Ingenieurkammer ferner dafür, den bereits weit verbreiteten Preiswettbewerb einzugrenzen. Zum einen würde dies das Überleben vieler Ingenieurbüros sichern und zum anderen die hohe Qualität im Planungswesen gewährleisten.

Pressemitteilung: Ingenieurkammer Baden-Württemberg