23. Oktober 2020

„Inclusive Urbanism“: Open-Access-Buch widmet sich Schlüsselfragen der Stadtentwicklung weltweit

Dresden (pm) – Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Städten. 2050 werden es laut einer Prognose der UNO rund zwei Drittel sein. Mit der fortschreitenden Urbanisierung werden soziale Fragestellungen in der Stadtentwicklung immer drängender. Gemeinsam mit der TU Delft, Bereich Städtebau, und der Technischen Universität Dresden (TUD) hat das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) nun die Open-Access-Publikation „Inclusive Urbanism“ veröffentlicht, die sich wichtigen Fragen der Stadtentwicklung widmet – auf lokaler Ebene wie im globalen Kontext. Die Publikation ist ein Ergebnis der strategischen Kooperation zwischen den Wissenschaftsstandorten Dresden und Delft.

„Im Mittelpunkt der Stadtentwicklung stehen heute nicht mehr einzelne spektakuläre Gebäude. Vielmehr geht es um das gesellschaftliche Miteinander und Teilhabe“, erklärt Mitherausgeber Prof. Wolfgang Wende, Leiter des Forschungsbereiches „Wandel und Management von Landschaften“ am IÖR und Professor für Siedlungsentwicklung an der TU Dresden. „Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig zu gestalten, gehört zu den wichtigsten Aufgaben und ist zudem eines der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Die Frage, wie sich Städte einerseits an die Folgen des Klimawandels anpassen und anderseits im Sinne des Klimaschutzes nachhaltiger und sozial ausgewogener entwickeln können, steht dabei über allem.“

Soziale Fragen und Partizipation – lokal und global

Von Dresden-Hellerau nach Sao Paulo: Die brasilianische Wissenschaftlerin Alexandra Aguiar Pedro untersuchte im Dresdner Stadtteil Hellerau das interkulturelle Urban-Gardening-Projekt Golgi-Park. Unter den richtigen Voraussetzungen können solche Initiativen wertvolle Integrationsarbeit leisten und Menschen soziale Teilhabe ermöglichen. Die Erkenntnisse nutzt die Forscherin und Stadtplanerin nun, um in mehreren Favelas in ihrer Heimatstadt Sao Paulo ein ähnliches Urban-Gardening-Projekt aufzubauen.

Das Thema ist nur eines von mehreren praxisorientierten Beiträgen des neuen Buches. Gleich mehrere Artikel beschäftigen sich mit der Partizipation der Bevölkerung an Planungsprozessen und entwerfen alternative Szenarien zu einer Stadtentwicklung „von oben“. Hier wird der Bogen gespannt von einer deutschen Kleinstadt, in der die Beteiligung von Jugendlichen erprobt wird, bis zu den neuen Megastädten in Afrika, wo gemeinsame Workshops von Planer*innen und Bewohnerschaft für mehr Inklusion im Sinne einer gerechten Teilhabe sorgen sollen. Sogenannte informelle Siedlungen, die nicht nur im globalen Süden in Form riesiger Slums existieren, sind heute nicht mehr nur negativ konnotiert. Vielmehr erkennen Planer*innen die Chancen der spontanen Urbanisierungsprozesse und suchen nach Möglichkeiten, die Menschen in ihrer Selbstorganisation zu unterstützen.

Open Access – Mehr Teilhabe an wissenschaftlichen Erkenntnissen

Die Stadtentwicklung selbst wird inklusiver und partizipativer, ebenso die Wissenschaft. Daher war es den Herausgebenden wichtig, das Buch im Open Access weltweit frei und kostenlos verfügbar zu machen.

„Inclusive Urbanism“ ist in der Reihe „Research in Urbanism“ (RiUS; www.rius.ac) erschienen. RiUS ist eine von Fachkolleg*innen begutachtete Open-Access-Publikationsreihe, die von der TU Delft, Fakultät Architektur und gebaute Umwelt, herausgegeben und von Scopus, Google Scholar und anderen indiziert wird. Der vorliegende Band enthält ausgewählte Beiträge der internationalen Konferenz „Urban Studies in Education and Research“, die Ende 2018 an der TU Dresden stattgefunden hat.

Originalpublikation:

Wende, W.; Nijhuis, S.; Mensing-de Jong, A.; Humann, M. (Eds.) (2020). Inclusive Urbanism. Advances in research, education and practice (Research in Urbanism Series, Vol. 6). Delft, TU Delft Open. ISBN 978-9463663175.
DOI: https://doi.org/10.7480/rius.6

Pressemitteilung: Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) e. V.