23. Juli 2024

Immobilienwirtschaft zum Start der Bauministerkonferenz: „Die Zeit der Lippenbekenntnisse ist vorbei, auch die Länder müssen liefern, damit die Wende am Wohnungsmarkt gelingt“

Berlin (pm) – Vor dem Start der Bauministerkonferenz an diesem Donnerstag appelliert die Immobilienwirtschaft an die Fachministerinnen und Fachminister aus den Ländern, „zu zeigen, dass sie es wirklich ernst meinen mit den Beteuerungen zum Engagement beim Wohnungsbau“. ZIA-Präsident Dr. Andreas Mattner verweist darauf, dass sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt weiter zugespitzt hat und ohne Gegenmaßnahmen noch weiter zuspitzen wird: „Die Zeit der Lippenbekenntnisse ist vorbei, auch die Länder müssen liefern, damit es wieder eine realistische Chance auf eine Wende am Wohnungsmarkt gibt.“ Dabei sei ein Absenken oder befristetes Aussetzen der Grunderwerbsteuer eine „Kernvoraussetzung für eine echte Reanimation des Wohnungsbaus“. Die Fachministerinnen und -minister sollten in den Staatskanzleien sowie bei den Länder-Finanzministern dafür werben. „Wenn diese Initialzündung kommt, können die wichtigen Erleichterungen greifen, die Planen und Bauen schneller und günstiger machen.“

Die Bauministerinnen und Bauminister kommen Donnerstag bis Freitag in Baden-Baden zusammen.

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Aus Sicht des ZIA braucht es eine zügige Vereinheitlichung der Landesbauordnungen plus eine bundesweite Anerkennung von Typengenehmigungen. Hier erwartet der ZIA „mehr Tempo beim Tempomachen“. Denn eine verstärkte Öffnung fürs serielle und modulare Bauen sollte weiter vorangetrieben werden. Dabei werden Teile von Wohnungsbauten industriell als Module und/oder in Serie vorproduziert und erst auf der Baustelle zusammengesetzt.

Der ZIA fordert weiter auch wichtige Weichenstellungen des Bundes. Schlüsselpunkt: Ein großvolumiges „KfW-Kreditprogramm Wohnen“ mit einem Zinssatz von höchstens zwei Prozent für Neubauten ab Standard EH 55. Die Kosten eines solchen Programms, das mehr Mietwohnungen pushen könnte, liegen laut Mattner bei etwa neun Milliarden Euro. Diese Summe werde, so der ZIA-Präsident, „durch höhere Steuereinnahmen aufgrund von Bautätigkeit und nicht benötigte Transferzahlungen für Arbeitslosigkeit ausgeglichen“.

Hintergrund: Der ZIA selbst hat zuletzt seine Prognosen für die Entwicklung beim Wohnungsmangel nach oben korrigiert: Aktuell geht die Immobilienwirtschaft von 750.000 fehlenden Wohnungen bis 2025 aus – das ist eine um 50.000 größere Lücke als im Frühjahr taxiert. Bis 2027 könnten bis zu 830.000 Wohnungen fehlen. Das entspricht, so die Schätzung, dann fast 1,7 Millionen Menschen, die auf der Suche sind.

Quelle: ZIA