Berlin (pm) – „Dieser Stimmungseinbruch ist kein Betriebsunfall des Marktes, sondern ein lautes Alarmsignal an die Politik”, kommentiert ZIA-Präsidentin Iris Schöberl die Ergebnisse. „Gerade im Wohnungsmarkt beschleunigt sich der Abwärtstrend. Der ZIA hat zusammen mit anderen Verbänden wiederholt konkrete Vorschläge auf den Tisch gelegt: schnellere Genehmigungen, stabile Finanzierung, einfaches Bauen und weniger regulatorische Bremsen. Daraus muss jetzt endlich Baupraxis werden.“
Unsicherheit belastet nahezu alle Segmente
Die negative Entwicklung insbesondere bei den Erwartungen zieht sich durch nahezu alle Nutzungsarten. Als wesentliche Treiber gelten anhaltende geopolitische und wirtschaftliche Risiken sowie Unsicherheiten bei der Zinsentwicklung.
Im Bürosegment bleibt die aktuelle Lage mit 15,5 Punkten zwar noch vergleichsweise stabil, gestützt durch bestehende Mietverhältnisse. Allerdings sind die Erwartungen deutlich eingebrochen (-6,9 Punkte). Die Nachfrage konzentriert sich zunehmend auf hochwertige Flächen („Flight to Quality“), während Unsicherheiten über den künftigen Flächenbedarf die Perspektiven weiterhin belasten.
Der Einzelhandel zeigt ein ambivalentes Bild: Während die aktuelle Geschäftslage gegenüber den anderen Nutzungsarten noch weiter vorn liegt, sinken die Erwartungen auf -17,2 Punkte ab. Besonders gefragt bleiben Nahversorgungsformate und Fachmarktzentren, wohingegen klassische Shopping-Center und Mixed-Use-Ansätze stärker unter Druck stehen.
Auch im Wohnsegment beschleunigt sich der Abwärtstrend. Die Erwartungen fallen auf -22,9 Punkte. Neben steigenden Kosten belastet insbesondere die Diskussion um eine mögliche Verschärfung der Mietenregulierung die Stimmung. Gleichzeitig gewinnen Bestandssanierungen, Seniorenwohnen und Umnutzungen gegenüber Neubauprojekten an Attraktivität.
„Immer neue Debatten über Mietendeckel, mehr Regulierung und neue Eingriffe verschärfen die Verunsicherung im Markt. Unternehmerisches Handeln und Investitionen brauchen hingegen Vertrauen und verlässliche Rahmenbedingungen”, betont Schöberl.
Die Projektentwicklung verbleibt in einer äußerst angespannten Lage. Mit alarmierenden -25,0 Punkten bei der Geschäftslage und einem weiterhin negativen Immobilienklima zeigt sich die Branche stark unter Druck. Hohe Bau- und Finanzierungskosten sowie schwache Nachfrage hemmen die Entwicklung. So gehen knapp 60 Prozent der befragten Unternehmen von einem ungünstigeren Finanzierungsumfeld in den nächsten 12 Monaten aus. Leicht positive Erwartungen (7,5 Punkte) sind der noch verbliebenen Hoffnung auf bessere Rahmenbedingungen zuzuschreiben.
Kapitalströme verlagern sich
Die Sonderauswertung mit Blick auf kommende Projektaktivitäten zeigt: Besonders attraktiv sind derzeit Wohnimmobilien mit Fokus auf die Sanierung im Bestand sowie Rechenzentren und Logistikimmobilien. Büro- und Einzelhandelsimmobilien stehen dagegen weiter vor großen Veränderungen. Investitionen hängen hier immer stärker von der Qualität des Objekts, der Lage und davon ab, wie gut sich die Immobilien an neue Nutzerbedürfnisse anpassen lassen.
Die Befragung wurde im Zeitraum vom 07.05.2026 bis 01.06.2026 durchgeführt.
Quelle: Zentrale Immobilien Ausschuss e.V. (ZIA)