13. Mai 2026

Hochschulpreis des Bayerischen Baugewerbes: 1. Preis geht an Tanja Böhm

Hochschulpreis Baugewerbe: Tanja Böhm erhält den 1. Preis für ihre Arbeit zu Holz-Beton-Verbunddecken.
© Landesverband Bayerischer Bauinnungen

München (pm) – Georg Gerhäuser, Präsident der Bayerischen Baugewerbeverbände, zeichnete im Oskar von Miller Forum in München exzellente Bachelor- und Masterarbeiten im Fach Bauingenieurwesen aus. Vierundzwanzig Absolventen von sechs bayerischen Hochschulen haben sich beworben. Ein Wettbewerbsausschuss mit zehn Mitgliedern, paritätisch besetzt mit Vertretern der Wissenschaft und Lehre sowie aus dem Baugewerbe hat über die Preisvergabe entschieden. Die Bewerber hatten neben ihrer Arbeit zusätzlich eine Zusammenfassung und ein Poster eingereicht. Drei Arbeiten wurden mit einem Geldpreis und zwölf weitere Arbeiten mit einer Wissenschaftlichen Anerkennung ausgezeichnet. Die Zusammenfassung der ausgezeichneten Arbeiten sind in einem Tagungsband veröffentlich worden, die für angehende Nachwuchswissenschaftler ihre erste wissenschaftliche Veröffentlichung bedeutet.

Mit dem 1. Preis und einem Geldbetrag von 3.000,- Euro wurde Frau Tanja Böhm für ihre Masterarbeit „Feuchteverhalten von Holz-Beton-Verbunddecken aus Brettsperrholz mit Kerven und unterschiedlichen Oberflächenbehandlungen“ von der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg ausgezeichnet. Vor dem Hintergrund steigender Anforderungen an nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen gewinnen hybride Konstruktionen zunehmend an Bedeutung. Holz-Beton-Verbunddecken stellen hierbei einen vielversprechenden Ansatz dar. Sie vereinen die Vorteile beider Materialien, indem sie gegenüber reinen Holzdecken eine höhere Tragfähigkeit und Steifigkeit aufweisen und gleichzeitig leichter sowie ressourcenschonender als klassische Stahlbetondecken sind.  Allerdings sind Holz-Beton-Verbundsysteme empfindlich gegenüber Feuchteeinflüssen, insbesondere während der Bauphase. Genau an dieser Stelle setzt die ausgezeichnete Masterarbeit von Frau Böhm an und zeigt die Auswirkungen des Feuchteeintrags durch Frischbeton im Brettsperrholz innerhalb des Verbundsystems auf und leitet daraus potenzielle Konsequenzen ab. Hierzu entwickelte Frau Böhm einen experimentellen Versuchsaufbau mit praxisnah konstruierten Prüfkörpern und untersuchte den Einfluss und die Wirksamkeit unterschiedlicher Oberflächenbehandlungen im Hinblick auf den Feuchteeintrag. Mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit leistet Frau Böhm einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis der Feuchteprozesse in Holz-Beton-Verbundsystemen und trägt damit zur Weiterentwicklung nachhaltiger Bauweisen bei.

Den 2. Preis und einen Geldbetrag von 2.000,- Euro erhielt Herr Anand Vijayan für seine Masterarbeit „Untersuchung der Möglichkeiten in IFC für die Planung und Modellierung von Bauprozessen“ an der Technischen Universität München. Digitale Arbeitsweisen ermöglichen theoretisch Produktivitätssteigerungen, leiden jedoch in der praktischen Umsetzung unter Einschränkungen durch proprietäre Softwarespezifische Workflows und Anbieterabhängigkeit. Die Reduktion solcher Einschränkungen ist für KMUs von großer Bedeutung, um Prozesse nachhaltig und gewinnbringend zu digitalisieren. In seiner Masterarbeit entwickelte Anand Vijayan ein IFC-natives Prozessmodell auf Basis von IFC 4.3 für die Integration von Aufgaben und Ressourcen und leistet somit einen Beitrag für die Vendor unabhängige Integration von Bauplanung und Terminierung in digitale BIM-basierte Arbeitsprozesse. Diese Herangehensweise ermöglicht es, Daten aus dem Bauprozess softwareunabhängig anhand offener BIM-Modelle auszutauschen. Das Entwickelte Prozessmodell wurde anhand des Projektes „Tram Münchner Norden“ getestet.

Den 3. Preis und einen Geldbetrag von 1.000,- Euro erhielt Frau Magdalena Aicher für ihre Bachelorarbeit „Vergleich verschiedener Berechnungsverfahren von Pfahlkopfplatten“ von der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg. Pfahlgründungen lassen aufgrund ihrer gedrungenen Geometrie die vereinfachte Bemessungsverfahren in der Regel nicht zu. Frau Aicher hat mit großem wissenschaftlichem Geschick verschiedene Berechnungsverfahren systematisch hergeleitet, durchgeführt, aufbereitet und miteinander verglichen. Dazu zählen ebene Stabwerksmodelle, numerische Berechnungen sowie ein räumlicher Stabwerksansatz. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass insbesondere der räumliche Stabwerksansatz die reale Tragstruktur besonders gut abbildet. Der Aufwand bei der Knotenmodellierung ist jedoch erheblich. Nach den Ergebnissen ihrer Arbeit ist deshalb für die Baupraxis eine ebene Tragwerksbetrachtung in vielen Fällen ausreichend und zugleich als wirtschaftlicher einzustufen.

Quelle: Landesverband Bayerischer Bauinnungen

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