7. Dezember 2021

Historische Glasscheiben tragen zum Ressourcenschutz bei

Restaurierungswissenschaft der Universität Bamberg präsentiert KlimaGlas-Forschungsergebnisse bei der Woche der Umwelt.

Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Alexandra Schmölder (l.) und Ruth Tenschert erfassen den Glasbestand an einem Denkmal in Bamberg. (c) Eva Basse/Universität Bamberg

Bamberg (pm) – Aus ökologischer und denkmalpflegerischer Sicht sind Fenster in denkmalgeschützten Gebäuden erhaltenswert: „Wenn wir historische Glasscheiben im Bestand halten und energetisch optimieren, leisten wir einen aktiven Beitrag zum Ressourcenschutz“, erläutert Restaurierungswissenschaftler Prof. Dr. Paul Bellendorf von der Universität Bamberg in Vertretung seines Kollegen Prof. Dr. Rainer Drewello, der das Projekt „KlimaGlas“ leitet. Das Projektteam stellt seine Forschungsergebnisse in einer virtuellen Präsentation am 10. und 11. Juni 2021 bei der sechsten Woche der Umwelt vor, zu der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt einladen.

Ressourcenschutz statt Abfallglas

„Es ist ein wichtiges Anliegen der Denkmalpflege, den Charakter von historischen Gebäuden zu erhalten – auch die Fenster“, erklärt Projektmitarbeiterin Alexandra Schmölder. „Alte Fenster sind gerade deshalb charmant, weil sie nicht ganz perfekt und dadurch viel lebendiger sind.“ Wellen, Einschlüsse, gebrochenes Licht: Solche Effekte machen historisches Fensterglas einzigartig und authentisch. Das Projekt „KlimaGlas“ untermauert erstmals messtechnisch, dass es neben dem denkmalpflegerischen auch ein ökologisches Argument gibt, alte Fenster zu erhalten. Projektmitarbeiterin Ruth Tenschert führt aus: „Wenn für die Glasproduktion Sand geschmolzen wird, verbraucht das viele Ressourcen. Erhält man die historischen Fenster, bleiben die ursprünglich eingesetzten Rohstoffe im Bestand.“ Historische Glasscheiben können Schwermetalle enthalten, sodass kein Recycling möglich ist. Sie enden bislang oft als Abfallglas.

Energieeffiziente Fenster

Kombiniert man nun beispielsweise ein historisches Kastenfenster mit einer modernen Scheibe, vermeidet man Wärmeverlust und senkt somit den CO2‐Abdruck. Es ist nicht nötig, das alte durch ein neues, dreifachverglastes Fenster zu ersetzen. Das Projektteam der Universität Bamberg hat für das Projekt unter anderem recherchiert, wie Glasscheiben damals hergestellt und welche Ressourcen dabei verbraucht wurden. Es kooperiert mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik in Holzkirchen und Stuttgart, das mehrere modellhafte Konstruktionen messtechnisch überwacht und die Energieeffizienz errechnet hat. Die Messungen in der Alten Schäfflerei des Klosters Benediktbeuern bestätigen etwa, dass ein Kastenfenster in Kombination mit modernem Glas energieeffizient ist und sich kein Schimmel im Zwischenraum bildet.

„KlimaGlas“ ist die Kurzbezeichnung für das Projekt „Innovative Lösungen für die energetische Ertüchtigung historischer Gläser und Glasfenster – Praxisversuche in der Alten Schäfflerei, Kloster Benediktbeuern“. Es läuft seit Oktober 2018 bis August 2021 und wird vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz mit 543.248 Euro finanziert.

Weitere Informationen und ein Video über das Forschungsprojekt:
www.uni-bamberg.de/restaurierungswissenschaft/forschung/aktuelle-forschungsprojekte/klimaglas

Das Projekt bei der Woche der Umwelt: www.woche-der-umwelt.de/ausstellerKonkret/1455

Das Projekt gehört zum Forschungsschwerpunkt „Erschließung und Erhalt von Kulturgut“ der Universität Bamberg: www.uni-bamberg.de/forschung/profil/kulturgut. Eine Multimedia-Reportage stellt den Schwerpunkt vor: https://forschungsprofil.uni-bamberg.de/kulturgut

Pressemitteilung: Otto-Friedrich-Universität Bamberg