Stuttgart (pm) – Mit dem neuen Hirschbachbad erhält Aalen ein Kombibad, das Sport, Freizeit, Sauna und Freibad an einem Ort verbindet – und zugleich einen besonderen architektonischen Umgang mit der Landschaft zeigt. Der Neubau liegt im Hirschbachtal, einem sensiblen Landschaftsraum am Rand der Stadt. Statt das Tal mit einem kompakten Großbaukörper zu besetzen, entwickelten 4a Architekten das Bad aus der Topografie heraus. So entsteht eine Architektur, die sich zurücknimmt, aber dennoch eine eigenständige Adresse formuliert.
Der Entwurf geht aus einem Architekturwettbewerb hervor, den 4a Architekten mit dem 1. Preis für sich entscheiden konnten. Entstanden ist ein zeitgemäßes Freizeit- und Sportbad, das den Anforderungen eines öffentlichen Bäderbetriebs ebenso gerecht wird wie dem Wunsch nach hoher Aufenthaltsqualität.
Das Tal bleibt frei
Die landschaftliche Einbettung bildet den zentralen Entwurfsgedanken. Um die Frischluftschneise des Hirschbachtals zu erhalten und das Tal nicht zu überbauen, wurde das Gebäude am Hang positioniert. Geschosse, Dachflächen und Terrassen entwickeln sich aus der Topografie heraus und staffeln sich entlang der Höhenlinien. Begrünte Dachflächen, Einschnitte sowie vorgelagerte Terrassen- und Freibadbereiche verzahnen den Baukörper mit der Umgebung. Das Bad wirkt dadurch wie ein selbstverständlicher Teil des Landschaftsraums. Innen- und Außenbereiche sind eng miteinander verbunden; Terrassen, Liegewiesen und Beckenlandschaften führen die räumliche Staffelung des Gebäudes im Freiraum weiter.
Ein Bad für Sport, Freizeit und Erholung
Das Hirschbachbad vereint unterschiedliche Nutzungen unter einem Dach. Im Hallenbad befinden sich ein 25-Meter-Sportbecken, ein Lehrschwimmbecken mit Hubboden, ein Sprungbecken, ein Freizeitbecken, ein Planschbecken sowie ein Landebecken für die Röhrenrutsche. Ergänzt wird das Angebot durch den Freibadbereich mit 50-Meter-Sportbecken, Freizeitbecken und Kinderplanschbereich. Hinzu kommt eine Saunalandschaft mit finnischer Sauna, Panoramasauna, Dampfbad, Ruheraum und Außen-Tauchbecken.
Die Organisation des Gebäudes ist auf eine klare Orientierung und einen wirtschaftlichen Betrieb ausgelegt. Die unterschiedlichen Bereiche sind funktional gegliedert und zugleich räumlich miteinander verbunden. Sichtbezüge erleichtern die Orientierung und schaffen ein offenes, freundliches Raumgefühl. Auch die Barrierefreiheit war von Beginn an integraler Bestandteil der Planung: Alle wesentlichen Bereiche sind stufenlos erreichbar.






Licht, Ausblick und Atmosphäre
Durch die gestaffelte Lage am Hang entstehen vielfältige Möglichkeiten für Tageslicht und Ausblicke. Großflächige Verglasungen, Oberlichter und zurückversetzte Ebenen bringen natürliches Licht tief in das Gebäude. Die Badehallen öffnen sich zur Landschaft; Innenräume und Außenanlagen gehen fließend ineinander über. Diese räumliche Offenheit ist ein wesentliches Merkmal des Entwurfs. Gerade in einem Bad, das sehr unterschiedliche Nutzergruppen anspricht – vom Schul- und Vereinssport über Familien bis zu Erholungssuchenden – entsteht so eine Atmosphäre, die Orientierung, Übersichtlichkeit und Aufenthaltsqualität miteinander verbindet.
Farb- und Materialkonzept mit Ortsbezug
Auch das äußere Erscheinungsbild nimmt Bezug auf den Ort. Die Gebäudehülle in einem naturnahen Erzton greift das Farbspektrum der Landschaft auf und erinnert zugleich an die lokale Geschichte Aalens, wo bis ins 20. Jahrhundert Erz abgebaut wurde. Im Innenraum ist die Farbgebung bewusst zurückhaltend gehalten. Akzente in frischen Grün- und Rosatönen setzen vor allem im Kinder- und Rutschenbereich lebendige Zeichen. Bereiche, die tiefer im Hang liegen, wie Umkleiden und Duschen, erhalten eine stärkere Farbigkeit. So gewinnen die Räume von innen heraus an Lebendigkeit und erhalten eine eigene Identität. Das Zusammenspiel aus Materialität, Farbe und Licht unterstützt die Orientierung und trägt wesentlich zur freundlichen Atmosphäre des Bades bei.
Nachhaltigkeit als Zusammenspiel von Technik, Nutzung und Landschaft
Das Nachhaltigkeitskonzept des Hirschbachbads verbindet energieeffiziente Technik mit einer langlebigen Architektur, die auf den dauerhaften Betrieb ausgelegt und sorgfältig in die Landschaft eingebunden ist. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach erzeugt Strom, Solarabsorber unterstützen die Warmwasserbereitung für das Freibad.
Wärmerückgewinnungssysteme und effiziente Wärmetauscher tragen dazu bei, den Energieverbrauch im Betrieb zu reduzieren. Gleichzeitig zeigt sich Nachhaltigkeit hier nicht allein in technischen Kennwerten. Auch die kompakte Organisation, die landschaftliche Einbindung und die robuste, langlebige Gestaltung sind Teil eines verantwortungsvollen Umgangs mit Ressourcen. Das Gebäude ist auf einen dauerhaften Betrieb ausgelegt – funktional, atmosphärisch und städtebaulich.
Mit dem Hirschbachbad ist in Aalen ein öffentliches Bad entstanden, das weit mehr ist als die Summe seiner Becken und Funktionsbereiche. Es verbindet die Anforderungen eines modernen Kombibads mit einer klaren architektonischen Haltung: Die Landschaft wird zum prägenden Bestandteil des Entwurfs. So wird das Hirschbachbad zu einem zeitgemäßen Ort für Sport, Freizeit und Erholung – und zu einem Beispiel dafür, wie Bäderbau heute landschaftlich, funktional und gestalterisch weitergedacht werden kann.
Quelle: 4a Architekten GmbH