3. Dezember 2022

Heinze Baukonjunktur-Meeting 2022: Krisen, Herausforderungen, Chancen – Baubranche auf der Suche nach Lösungskonzepten in unruhigen Zeiten

Celle (pm) – Die Pandemie und ihre Auswirkungen schienen beherrschbar, Strategien zur Überwindung der Rohstoffknappheit und Lieferengpässe wurden erarbeitet und erfolgreich implementiert. Das waren Gründe, um zum Jahreswechsel an sich optimistisch in das Baujahr 2022 zu blicken. Ein Optimismus, der jedoch spätestens Ende Februar mit dem Beginn der kriegerischen Auseinandersetzung in der Ukraine einen jähen „Dämpfer“ erhielt. Einen dezidierten Überblick über Stimmungen, Erwartungen und Planungen der Baubranche vermittelte das diesjährige Heinze Baukonjunktur-Meeting, welches am 19. September 2022 in Kassel stattfand.

Wie im letzten Jahr war das von der Heinze GmbH organisierte Baukonjunktur-Meeting als Hybrid-Veranstaltung ausgelegt. Rund 50 Besucher:innen informierten sich im Rahmen der Präsenzveranstaltung. In zwei zusätzlichen Webinaren folgten noch einmal circa 140 Teilnehmer:innen den Ausführungen der Bau- und Marktforschungsexperten. Eingeladen hatte das Team um Thomas Wagner, Leiter der Heinze Marktforschung. „Ziel des Baukonjunktur-Meetings ist es, ein möglichst umfassendes Bild von der Stimmungslage innerhalb der Baubranche zu zeichnen und konkrete Perspektiven aufzuzeigen“, so Thomas Wagner. „Die Datenbasis hierfür bilden neue Befragungsergebnisse von den Zielgruppen Architekten, Planer sowie Führungskräfte aus der Baustoffindustrie.“

Neue und alte Risikofaktoren 

Mit den bereits 2021 herausfordernden Materialengpässen und den Auswirkungen der strengen Corona-Lockdowns vor allem in China hätten in diesem Jahr zwei große Herausforderungen bei vielen Gesprächspartnern für Unsicherheit gesorgt, so Thomas Wagner weiter. Hinzugekommen seien die Folgen des Ukraine-Krieges, deren mittel- und langfristigen Ausmaße aktuell kaum abschätzbar sind.

Präsentiert wurden die Ergebnisse der Heinze Marktforschung im Rahmen mehrerer Vorträge. Den Anfang machte Prof. Dr. Udo Mantau, Volkswirt und Inhaber des Unternehmens INFRO – Informationssysteme für Rohstoffe, mit einem aktuellen Überblick der Weltwirtschaftslage und zum Zustand speziell der deutschen Konjunktur. „Die Wirtschaft befindet sich in besonders heraufordernden Zeiten. Dabei ergibt sich aus Pandemie, Materialknappheit, Preissteigerungen und Ungewissheiten insbesondere im Bereich der Energieversorgung gleich ein ganzes Bündel an Herausforderungen. Und doch ist dies alles quasi nur der Prolog zur größten und wichtigsten Aufgabe in der Baubranche: Entlang der gesamten Wertschöpfungskette müssen Konzepte entwickelt und schnellstmöglich umgesetzt werden, um das erklärte Ziel der Klimaneutralität zu erreichen“, so Prof. Dr. Udo Mantau.

Wohnraum schaffen, Bestand zukunftsfähig machen

Das Spannungsfeld zwischen Klima- und Ressourcenschutz und sozialer Verantwortung gerade im Wohnbausektor griff Dr. Susanne Schmitt auf, Direktorin des Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen e. V.: „Das Ziel der Bundesregierung ist klar formuliert: Jährlich müssen 400.000 neue Wohnungen entstehen. Die Wohnungswirtschaft muss also unter schwierigsten Bedingungen modernen und bezahlbaren Wohnraum schaffen, gleichzeitig aber weiter in die energetische Ertüchtigung des Gebäudebestands investieren und dabei ein stabiles Mietpreis-Niveau im Blick behalten. Die Fragen der Energieeinsparung, der Energieversorgung und des Klimawandels hängen unmittelbar miteinander zusammen – entsprechend groß sind die Herausforderungen, vor denen insbesondere der Wohnbau steht“, erklärte Dr. Susanne Schmitt.

Einen Ausblick zur Entwicklung der Wohnungsnachfrage im europäischen Umland stellte anschließend Christian Blanke von der Heinze Marktforschung vor. Dabei wurden die gesellschaftlichen Entwicklungen der Altersverteilung und Bevölkerungsdichte regional in den Fokus gestellt. Neben den genannten Risiken und aktuellen Einflüssen trieb insbesondere ein Thema die Baubranche auch schon vor der Coronakrise um: „Der Fachkräftemangel vor allem auf den Baustellen ist und bleibt ein Grundproblem bei der Umsetzung des aufgestauten Bauüberhangs. Der Engpass an Fachkräften wird immer mehr zu einer ernsten Bedrohung für die weitere Entwicklung der Baukonjunktur“, so Christian Blanke.

Getrübter Ausblick auf das vierte Quartal

Im Anschluss an die Fachvorträge stellte Thomas Wagner die wichtigsten Ergebnisse und Zahlen der Architekten- und Hersteller-Befragung vor. Für das Heinze Baukonjunkturklima ergab sich ein deutliches Bild: Waren in der Industrie sowohl die tatsächliche wirtschaftliche Lage wie auch die Erwartungen 2021 weitestgehend auf Vor-Corona-Niveau, so trübten sich beide Werte kriegsbedingt im Frühjahr 2022 deutlich ein. „Im September 2022 schätzen 45 % der Hersteller die wirtschaftliche Lage neutral ein, 29 % der Entscheider gaben hier ,schlecht‘ an. Gefragt nach den Erwartungen für das vierte Quartal gehen aber 59 % von einer Verschlechterung der Baukonjunktur aus“, berichtet Thomas Wagner.

 

(c) Heinze GmbH

Abb. 1: Heinze Baukonjunkturklima 21; Hersteller Bauindustrie

 

Die Analyse der derzeitigen Lage auf Unternehmensebene bestätigt das zuvor in den Vorträgen gezeichnete Bild. Über die Hälfte der befragten Entscheider (62 %) zeigten sich etwa mit der Kapazitätsauslastung oder der Bewältigung der Corona-Krise sehr zufrieden. Negativ bis äußerst negativ wurden das Funktionieren der Lieferketten und die Lage auf dem Fachkräftemarkt bewertet. Gefragt nach den Erwartungen für die kommenden Monate, verdüstert sich dieses Bild merklich. In nahezu allen untersuchten Parametern wird mit einer teils deutlichen Verschlechterung gerechnet.

(c) Heinze GmbH

Abb. 2: Erwartungen auf Unternehmensebene

 

Genehmigungsprozesse beschleunigen

Die aktuelle Stimmungslage sieht bei den Architekt:innen und Planer:innen etwas besser aus. Auch sie aber rechnen mit einer deutlichen Verschlechterung. „Interessant ist vor allem die Einschätzung der unterschiedlichen Hemmnisse. Lieferengpässe und fehlende Fachkräfte sorgen zwar auch hier für Kopfzerbrechen. Noch kritischer wahrgenommen wird derzeit aber vor allem die schwierige kalkulatorische Lage. Aufgrund kontinuierlich steigender Baustoffpreise müssen Kalkulationen und Angebote ständig angepasst und in Bauherrengesprächen beraten werden. Für viele Architekt:innen ergibt sich daraus quasi eine Art ,Dauerschleife‘, für die sie häufig noch nicht einmal bezahlt werden. Ein weiterer Faktor sind die häufig langen Wartezeiten in der Zusammenarbeit mit öffentlichen Stellen. Nicht selten nehmen Genehmigungsprozesse einen beträchtlichen Teil der Gesamt-Bauzeit ein“, berichtet Thomas Wagner.

Transparenz wird geschätzt

In Richtung der Baustoffhersteller formulierten die befragten Architekt:innen insbesondere einen Wunsch: Um nachhaltige Baukonzepte entwickeln zu können, sei man auf entsprechende Informationen seitens der Industrie angewiesen. „Immer mehr Informationssuchende geben sich mit allgemeinen Aussagen zur Nachhaltigkeit einzelner Produkte und Systeme nicht mehr zufrieden. Dies wird vielmehr als ,Greenwashing‘ wahrgenommen. Im Gegenzug ergeben sich für Hersteller große Chancen, wenn sie ernsthaft über Produktionsprozesse, Materialien und Lieferketten informieren. Hier wird Transparenz nicht nur gewünscht, sondern verlangt“, so der Heinze Marktforschungs-Leiter.

Pressemitteilung: Heinze GmbH