7. Dezember 2021

HCU-Studierende gewinnen mit Forschungspavillon internationalen Wettbewerb

(c) HCU Hamburg

Hamburg (pm) – Master-Studierende aus Architektur und Bauingenieurwesen entwarfen und realisierten in dem interdisziplinären Projekt „Rethinking Lightweight“ einen kreislaufgerechten Pavillon. Das Projekt gewann den Award der „IASS Spatial Structures Conference 2021“.

Dabei gingen die Studierenden der Frage nach, wie und aus welchen sortenreinen Materialien sich eine Leichtbaustruktur konstruieren lässt, die wieder vollständig in ihre Einzelkomponenten zerlegbar ist. Zur Verwendung kamen die organischen Materialien Schafwolle und Holz, für die Verbindungsmittel wurde Stahl gewählt.

Innovative Bauweisen auch mit alternativen Materialen möglich

„In der Materialentwicklung haben wir Ingenieure traditionell einen sehr engen Blick auf die Leistungsfähigkeit der Materialien. Im Leichtbau werden daher viele Verbundmaterialien eingesetzt, die zwar hochfest und dauerhaft, hinsichtlich ihrer Recyclingfähigkeit jedoch oft nicht unproblematisch sind“, so Prof. Karsten Schlesier. „Uns war es wichtig, mit unserem Pavillon zu zeigen, dass sich eine innovative, modulare Struktur auch aus alternativen Materialien erstellen lässt.“

Die verwendete Esche wurde in Schleswig-Holstein geschlagen. Die Wolle des eingesetzten Lodengewebes stammt vom Rauhwolligen Pommerschen Landschaf, einer bedrohten Schafrasse, die auf Mecklenburg-Vorpommerschen Weiden grast. Die Verarbeitung des Wolllodens erfolgt in dem jungen Unternehmen Nordwolle Rügen, das sich der Vermarktung der bislang nahezu wertlos gehandelten Wolle verschrieben hat und aus dem leistungsfähigen Rohstoff innovative Bekleidung entwickelt.

Internationaler Wettbewerb unter dem Motto „Inspiring the Next Generation“

Im internationalen Wettbewerb der „IASS Spatial Structures Conference“, der unter dem Motto „Inspiring the Next Generation“ ausgerichtet wurde, trat der Pavillon gegen elf Mitbewerber mit vielversprechenden Strukturen an, die beispielsweise aus Ästen, Bambus oder etwa pilzmycelgebundenem Material konzipiert waren. Vorgabe des Wettbewerbs war es, eine in sechs fluggepäckgroße und maximal je 32 kg schwere Kisten zerlegbare Konstruktion zu entwickeln, die sich an jedem beliebigen Ort schnell montieren und wieder zerlegen lässt. Bewertet wurden unter anderem die Kriterien Produktionsprozess, Innovation, Materialität und künstlerischer Ausdruck.

Das Grundmodul des Pavillons beruht auf dem Prinzip biegeaktiver Stäbe aus Holz, die vom Wollstoff aufgespannt werden. Entwurf und Produktion sind parametrisch gesteuert, sodass sich eine Vielzahl aus Formen daraus ableiten lässt.

„Keines der Module ist somit gleich“, sagt Maren Zywietz vom Projektteam. „Das Spannen eines jeden Moduls in die korrekte Form war dabei durchaus eine Herausforderung. Wir mussten den Wollloden entsprechend verkürzt vorfertigen, damit er unter Spannung im Modul die richtige Länge einnimmt. Die Materialeigenschaften hatten wir zuvor mit Biaxialtests im Baulabor ermittelt.“

A+I: Interdisziplinäres Projektteam besteht aus Lehrenden und Studierenden

Das Projektteam wird von Prof. Karsten Schlesier (Tragwerksentwurf, Architektur) zusammen mit Maren Zywietz (Entwurf und Analyse von Tragwerken) geleitet. Folgende Studierende komplettieren das Team: Joachim Beyer, Phillip Diehl Villescas, Daniel Görg, Hiba Mati, Naima Mora, Charlotte Stapenhorst, Ehsan Taghiyar und Barbara Weese. Unterstützt wurde das Projektteam durch HCU-Baulaborleiter Markus Illguth und den Wissenschaftlichen Mitarbeiter Boris Ikeda.

Pavillon noch bis Ende November in den „Märchenwelten“ zu sehen

Der Pavillon wurde als studentischer Entwurf bereits im Juni mit dem Nachwuchspreis im Themengebiet Konstruktion des Bunds Deutscher Baumeister (BDB) ausgezeichnet. Das Projekt wird durch die Prof. Dr. Egon Peter Stiftung und den Förderverein der HCU, waterfront e.V. unterstützt. Der Pavillon ist noch bis Ende November im Gebäude „Märchenwelten“ in der HafenCity zu sehen.

Pressemitteilung: HafenCity Universität Hamburg