2. Dezember 2021

HafenCity aktuell: Neue Perspektiven für urbane Produktion und Städtebau: Planung für Billebecken auf den Weg gebracht

Hamburg (pm) – Der Stadtraum südlich des Billebeckens im Bezirk Hamburg Mitte bietet künftig einen neuen Chancenraum für wissensbasierte, produzierende Unternehmen und wird das erste Mal seit 75 Jahren in die gestaltende Stadtentwicklung einbezogen. Er bildet den Schlussstein eines großen Stadtentwicklungsbandes, das 2021 definiert wird – von der Funktionsplanung für den Grasbrook südlich der Elbe über den Rahmenplan für den Stadteingang Elbbrücken bis zum Billebogen im Norden.  Für den Stadtraum am Billebecken bedeutet dies die Kehrtwende von einem „Abstellraum für Altfahrzeuge“ zu einem hochattraktiven Unternehmensumfeld. Hierzu entwickelte ein städtebauliches Workshopverfahren neue Perspektiven. Unter drei teilnehmenden Architekturbüros wählte die Wettbewerbsjury Ende Juni Lorenzen Mayer Architekten (Berlin / Kopenhagen) aus. Das Konzept soll bis Anfang 2022 in einen Funktionsplan weiterentwickelt werden. Das Verfahren und die weitere Planung als Grundlage für den Bebauungsplan werden von der städtischen Billebogen Entwicklungsgesellschaft mbH & Co. KG (BBEG) in Kooperation mit der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW) und dem Bezirk Hamburg Mitte durchgeführt. Auf dem Weg zur weiteren Planung werden zudem auch die Meinungen der Bürger:innen eingeholt. Hierfür steht in einem ersten Schritt unter billebogen.de ein Online-Beteiligungstool zur Verfügung.

Prof. Jürgen Bruns-Berentelg, Vorsitzender der Geschäftsführung der Billebogen Entwicklungsgesellschaft: „Vom künftigen Stadtteil Grasbrook über die östliche HafenCity bis zum Norden des Billebogens können wir in den nächsten Jahren einen neuen Zusammenhang der neuen Arbeitswelten schaffen. Angelehnt an das Zentrum der Stadt entfaltet sich hier die einmalige Chance, die innovative produzierende Stadt von morgen zu entwickeln und ein regelrechtes Band der Innovationsdistrikte zu stiften. Die anstehende Funktionsplanung für das südliche Billebecken ist hierfür der letzte Schritt. Sie legt die Grundlage für verdichtete Strukturen der urbanen Produktion und für die Sicherung von zukunftsorientierten industriellen Arbeitsplätzen in der Stadt.“

Franz-Josef-Höing, Oberbaudirektor der Freien und Hansestadt Hamburg: „Die Lagen rund um das Billebecken sind den meisten noch nicht bekannt. Das Wasser ist an vielen Stellen noch nicht erfahrbar und der Standort scheinbar ein bisschen wie ein notwendiger, aber eher unansehnlicher „Maschinenraum“ der Stadt. Die jetzt in einem dialogischen Verfahren entwickelten Konzepte zeigen, was in diesem Stadt- und Landschaftsraum im Hamburger Osten an Potenzialflächen schlummert und nun schrittweise entwickelt werden kann.“

Michael Mathe, Leiter Fachamt für Stadt- und Landschaftsplanung beim Bezirk Hamburg Mitte: „Mit dem Workshopverfahren ist es uns gelungen, für diesen wichtigen Ort südlich des Billebeckens differenzierte Antworten darauf zu finden, wie perspektivisch für das heute in größeren Teilen untergenutzte Areal innovative gewerblich-industrielle Strukturen entwickelt und unterstützt werden können. Aufsetzend auf den Entwurf des Büros Lorenzen Mayer werden wir nun im weiteren Prozess für das zentral gelegene Plangebiet mit seinen spannenden, aber nicht zugänglichen Wasserlagen unter Einbindung der verbliebenen historischen Reminiszenzen neues Planungsrecht schaffen.“

Reinhard Mayer, Lorenzen Mayer Architekten: „Aufgrund seiner zentralen, vom Wasser geprägten Lage kommt dem Plangebiet eine zentrale Rolle für die Entwicklung des Hamburger Ostens zu. Neben der Möglichkeit hier einen modernen, innerstädtischen Produktionsstandort zu realisieren, ist das Areal auch von strategischer Bedeutung für die urbane Entwicklung des Billebogens insgesamt. Die dreiseitige Wasserlage und die relative Nähe zum Stadtzentrum bieten ideale Voraussetzungen für die Schaffung eines über die Grenzen des Quartiers hinaus wirksamen, attraktiven Stadtraums.“

Der Beitrag von Lorenzen Mayer Architekten überzeugte die Verfahrensjury unter Leitung von Prof. Dr. Agnes Förster, Professorin für Planungstheorie und Stadtentwicklung an der RWTH Aachen und Architektin bei Studio Stadt Region, München, einstimmig. Durch eine robuste städtebauliche Struktur gewährleiste er sowohl „eine planbare und realistische Entwicklung als auch eine hohe Flexibilität.“ Im nördlichen und den südlichen Teilbereich ähnelt sich die Bebauungsstruktur. Dort lassen sich verschiedene gewerbliche Strukturen – von großteiliger Halle bis Büros – stapeln und kombinieren. Der Zugang zu den nördlichen Baufeldern erfolgt durch eine Ringerschließung, im Süden durch Stichstraßen. „Die Qualität der städtebaulichen Struktur ermöglicht eine sukzessive und zeitlich flexible Entwicklung. Der sich an dieser Stelle bildende Stadtraum kann so mit seinem direkten Umfeld optimal verwoben werden“, so die Jury.

Für den mittleren Teilbereich rund um die ehemalige Schule sieht der Entwurf zwei Sonderbausteine vor. Von der Bille aus wird die Wahrnehmbarkeit des denkmalgeschützten Gebäudes gestärkt. Allerdings sah die Jury für die Weiterentwicklung des Konzepts auch Überarbeitungsbedarf: Die neuen Gebäude östlich und westlich des historischen Gebäudes fielen ihr zu groß aus. Auch die vorgeschlagene einheitlichen Materialwahl und die Planung des Hochpunktes wurden von dem Gremium kontrovers diskutiert.

Als weitere Büros hatten ROBERTNEUN™ Architekten GmbH, Berlin und ASTOC Architects and Planners GmbH, Köln, an dem Verfahren teilgenommen. Bis 05.09. sind die Beiträge aller Büros im HafenCity Informationszentrum Kesselhaus und online unter www.billebogen.de ausgestellt. Die zentralen Pläne von Lorenzen Mayer können online kommentiert werden. Weitere Beteiligungsangebote wie zum Beispiel ein Workshop folgen im Herbst. Der Funktionsplan soll Anfang 2022 fertig gestellt werden. Die Grundstücke am südlichen Billebecken befinden sich teilweise im öffentlichen, teilweise im privaten Besitz.

Ausstellung:

Wettbewerbsbeiträge in Plänen und Modellen bis 05.09.2021 im HafenCity InfoCenter Kesselhaus

Am Sandtorkai 30, 20457 Hamburg; Di- So 10 – 18 Uhr, Eintritt frei

 

Pressemitteilung: Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen Hamburg