5. Februar 2023

Gutachten erarbeiten Grundlagen für Quartier am Bahnhof in Taufkirchen

Quartier am Bahnhof in Taufkirchen
Bahnhofsplatz (c) Steidle Architekten

Taufkirchen (pm) – Es geht weiter in der Entwicklung des Quartiers am Bahnhof in Taufkirchen: Bei der Sitzung des Gemeinderats am 27. Oktober 2022 hat Christian Hörmann von der CIMA den aktuellen Planungsstand von steidle Architekten und die nächsten Schritte vorgestellt. Gemeinsam mit den Landschaftsarchitekten Grabner Huber Lipp aus Freising hatte das renommierte Münchner Büro die bisherigen Planungen verfeinert – auf Grundlage der Rückmeldungen von Bürgerinnen und Bürgern sowie der Anmerkungen aus dem Bewertungsgremium. Die Büros waren vom Gemeinderat im April 2022 mit der städtebaulichen Überplanung des zwölf Hektar großen Areals zwischen Eschenstraße, S-Bahnlinie, Lindenring und Waldstraße inklusive der nahezu leerstehenden Lindenpassagen beauftragt worden. Ihr Entwurf hatte mit ihrem zukunftsfähigen und vor allem flexiblen Grundgerüst für die Entwicklung des neuen Quartiers mit ihrer großen Flexibilität hinsichtlich der Bauphasen und Nutzungsarten überzeugt.

„Auf einem guten Weg zu einem lebendigen Quartier“

Christian Hörmann von CIMA stellte das Zwischenergebnis am Donnerstagbend den Gemeindevertreter*innen vor und zeiget sich zufrieden mit den bisherigen Ergebnissen: „Die bereits jetzt vorgelegten Verfeinerungen des Entwurfs zeigen den Weg zu einem lebendigen Quartier auf. Gutachterteams müssen nun klären, wie sich Wohn- und Gewerbenutzungen ins Verhältnis stellen und welches Maß hier als verträglich für Taufkirchen erachtet wird, sowohl verkehrlich, versorgungsstrukturell, naturräumlich als auch für die Sozial- und Bildungsinfrastruktur.“
Die Vorstellung der Fortschritte stieß im Gemeinderat auf große Zustimmung. In den vergangenen Monaten hatten die Architekten einige „Hausaufgaben“ abgearbeitet: In den nun vorgestellten Architekturplanungen fanden sich zahlreiche Anregungen aus dem Beratergremium und Ideen aus der öffentlichen Informationsveranstaltung wieder. Nach dem positiven Feedback im Gemeinderat geht es nun in die weitere Ausarbeitung des städtebaulichen Entwurfs.

Hochpunkt kommt

Die vorgestellten Planungen stellen einen Zwischenstand und noch keine abschließenden Ergebnisse dar. Konkret wurden folgende Punkte für die weitere Feinplanung festgehalten: Ein deutlich erkennbarer Hochpunkt solle im Quartier auf jeden Fall vorhanden sein, um Orientierung für den zentralen Platz zu schaffen. Hierzu gab es vonseiten der Bürgerinnen und Bürger während der Informationsveranstaltung geteilte Meinungen – während sich die einen ein Hochhaus für Taufkirchen, öffentlich zugänglich für Taufkirchner*innen, idealerweise mit Alpenblick-Panorama-Café wünschten, gab es auch skeptische Stimmen.

Im Sinne eines Kompromisses dem Rat des Expertengremiums folgend, soll sich die Höhe an der maximalen Höhe der Bestandshochhäuser westlich des Lindenrings orientieren. Das Büro Steidle empfiehlt hierzu eine Blickfeld-Verträglichkeitsstudie zur Klärung einer angemessenen Höhe des geplanten Hochpunkts.

Wohnen und Gewerbe ausgewogener

Nach den Plänen der Architekten soll das Verhältnis von Gewerbe zu Wohnungsbau im Quartier ausgewogener und entsprechend angepasst werden. Dies war auch eine Anregung aus der Bürgerschaft, die in diesem Zusammenhang zusätzlich KITAS, Kindergärten und Schulen forderte. Der zwischen den Gewerbeeinheiten eingeschlossene Wohnblock im nördlichen Teil des Quartiers solle besser positioniert und hinsichtlich der Wohnqualität überdacht werden, hieß es im Beratergremium. Möglich wäre hier eine Verschiebung der Gewerbeeinheiten Richtung Bahnlinie. Auch hinsichtlich der Neubebauung am Lindenring sind Änderungen anvisiert: So sollen lange, straßenbegleitende Baukörper vermieden und die Bebauung insgesamt lockerer gestaltet werden. Durch weitere Untersuchungen soll hier ein stimmiges Nutzungsverhältnis ermittelt werden, in das auch die Vorstellungen der Eigentümer einfließen werden und der Bedarf für die soziale Infrastruktur – also zum Beispiel Bedarfe für KITAs, Schulen, Jugendtreffs – ermittelt wird.

Bahnhofsvorplatz und Brückenschlag

Ein zentrales Thema und quasi Ausgangspunkt für die neue Quartiersentwicklung ist der Bahnhofsvorplatz. Wichtig für die Aufenthaltsqualität wäre die Bespielung der Ränder, etwa durch einen Wochenmarkt, Spielflächen, Gastronomie, Grünflächen und einen Mobility Hub für Sharing-Fahrräder und Scooter. Im gleichen Zusammenhang soll auch ein barrierefreier Ausbau der Bahnunterführung inklusive des angrenzenden Geländes und eine mögliche Fußgängerbrücke über die Bahnlinie geprüft werden. Damit entsprach das jetzt überarbeitete Konzept von steidle den Wünschen der Bürgerinnen und Bürger Taufkirchens, die eine Verbindung vom Kegelfeld zum neuen Quartier vermisst und den Brückenschlag über die Bahn angeregt hatten.

Öffentliche Freiräume

Besonders intensiv beschäftigen sich die Planerinnen und Planer auch mit der Aufwertung der Freiflächen. Hier soll die Verringerung des Autoverkehrs als Hebel genutzt werden, um die Aufenthaltsqualität im neuen Quartier attraktiv zu gestalten. So sollen die Wegeverbindungen im Quartier verbessert werden, etwa mit einer Durchwegung der Grundstücke und einer Fortführung der Grünverbindungen aus dem Gebiet nach Westen entlang der Eschenstraße und nach Norden in Richtung Waldstraße. Außerdem sollen mit grünen Plätzen und verkehrsberuhigten Bereichen, einem sogenannten Shared Space, bei dem sich Autoverkehr und Fußgänger gleichwertig den Straßenraum teilen, mehr Freiräume entstehen. Auch die Anbindung des Parks der Siedlung am Wald war der Bürgerschaft sehr wichtig: Sie befanden eine durchgängige, auch nächtlich nutzbare Verbindung in den Park vom Bahnhof für Fuß- und Radverkehr für essentiell. Hier könnte über eine Zusammenarbeit mit der Kirche eine gemeinsame Lösung gefunden werden.

Diverse Gutachten erforderlich

Nun sind wieder die Fachleute gefragt: Die Impulse für die Optimierung der Wohn-, Gewerbe- und Infrastruktur werden in den folgenden Monaten von Expertinnen und Experten in mehreren Gutachten untersucht. Neben der erwähnten Blickfeld-Verträglichkeitsstudie zum Hochpunkt wird die Gemeinde zeitnah gleich mehrere Aufträge für entsprechende Untersuchungen vergeben – eine Bedarfsplanung für die soziale Infrastruktur, eine Schalltechnische Verträglichkeitsprüfung, eine Verkehrsuntersuchung, ein Gutachten zu mikroklimatischen Auswirkungen sowie ein Nutzungskonzept für die Nahversorgung und des publikumsnahen Gewerbes, wie Gastrominie und Dienstleistungen. Herausgearbeitet wird ferner die Zielsetzung für klassisches Gewerbe im Quartier – von Büronutzungen bis zu forschendem und verarbeitendem Gewerbe. Die Gutachten sollen bereits im Dezember 2022 mit der Bearbeitung starten und bis ins Frühjahr 2023 erstellt werden. Im Anschluss kann mit der Aufstellung eines rechtsgültigen Bebauungsplanes begonnen werden.

Pressemitteilung: Gemeinde Taufkirchen