16. März 2026

Gut Alt-Biesdorf: Transformation von Pferde-, Kuhstall und Speicher zum Quartierszentrum

Berlin (pm) – Die Sanierung der historischen Wirtschaftsgebäude des Gut Alt-Biesdorf durch D/FORM Architekten ist abgeschlossen. Bereits im Dezember 2024 öffnete das Stadtteilzentrum im ehemaligen Pferdestall aus dem Jahr 1888 seine Türen; mit der Fertigstellung von Speicher und Kuhstall von 1902 ist die Revitalisierung des denkmalgeschützten Bestands Ende 2025 abgeschlossen. So konnte das Ensemble als neues Quartierszentrum an die Wohnungsbaugesellschaft STADT UND LAND übergeben werden.

Die Geschichte von Schloss Biesdorf reicht bis ins Mittelalter zurück. Im 19. Jahrhundert prägte die Familie Siemens das Ensemble maßgeblich, nachdem Werner von Siemens das Schloss 1887 erwarb. 1927 ging das Herrenhaus in den Besitz der Stadt Berlin über und wurde nach Kriegsschäden umfassend saniert. Eingebettet in einen historischen Park dient es heute als offenes Haus für moderne Kunst und Kultur.

Das Gut Alt-Biesdorf liegt südlich des Schlosses und des ehemaligen Dorfangers, der heute von der zentralen Ausfallstraße B1/B5 eingefasst wird. Ursprünglich landwirtschaftlich genutzt, diente das Areal später gewerblichen Zwecken. In den vergangenen Jahren entstanden hier durch die Wohnungsbaugesellschaft STADT UND LAND neue Wohnbauten; mit der Sanierung der verbliebenen historischen Wirtschaftsgebäude wurde das Gut zu einem lebendigen Quartierszentrum weiterentwickelt.

Die drei historischen Gebäude, einst Teil einer landwirtschaftlichen Gutsanlage, wurden von D/FORM Architekten mit Respekt vor der Bausubstanz saniert und behutsam weiterentwickelt. Aus dem denkmalgeschützten Bestand entstanden neue Nutzungen, die heute einen wichtigen Bezugspunkt im Quartier bilden. Der Pferdestall dient als Ort der Begegnung für die lokale Gemeinschaft und beherbergt ein Stadtteilzentrum mit Kreativwerkstätten, Angeboten für Senior:innen, Krabbel- und Freizeitgruppen sowie kulturellen Aktivitäten für alle Altersgruppen aus dem Kiez. Darüber hinaus ist im Gebäude eine Tierklinik untergebracht, die unabhängig betrieben wird. Im Kuhstall und im ehemaligen Speicher entstanden zwölf Mieteinheiten mit insgesamt rund 2.000 Quadratmetern Fläche.

„Denkmalschutz bedeutet für uns nicht, die Vergangenheit zu konservieren, sondern historische Bausubstanz mit Leben zu füllen“, erklärt Kilian Enders, Gründungspartner von D/FORM Architekten. „Ein nachhaltiger Erhalt gelingt vor allem durch erneute Nutzung.“

Der Umgang mit dem Bestand ist geprägt vom Erhalt der historischen Substanz als Zeugnis der frühen Industrialisierung der Landwirtschaft um 1900. Das äußere Erscheinungsbild der Ziegelfassaden wurde durch innenseitigen Dämmputz und Wandtemperierung bewahrt. Die Innendämmung mit integrierter Wandheizung verbessert die Wärmedämmung und trägt zur Energieeffizienz bei. Die Ziegelfassaden wurden instandgesetzt und gereinigt; Spuren und bauliche Eingriffe der Nachkriegszeit, wie Kratzputz an der Fassade des Pferdestalls, wurden bewusst belassen. Tragende Stahlstützen und Fachwerkkonstruktionen sowie Ziegelkappen- und Holzbalkendecken bleiben sichtbar und wurden teilweise durch Rückbau freigelegt. Historische Fenster blieben, wo möglich, erhalten und wurden durch innenliegende Zusatzfenster ergänzt, die den erforderlichen Schall- und Wärmeschutz gewährleisten.

Der Koenenschen Voutendecke im Kuhstall galt bei der Sanierung besondere Aufmerksamkeit. Im Zusammenspiel mit dem erhaltenen Stahlfachwerk im ehemaligen Futter- und Dachboden ermöglichte die schlaff bewehrte Betondecke bereits zur Bauzeit einen stützenfreien Raum im Erdgeschoss von imposanten 50 × 15 Metern. Als eine der ersten hochbelastbaren Eisenbetondecken in Deutschland wurde sie erhalten und für die geplante Büronutzung ertüchtigt. Dies erfolgte durch die Rekonstruktion des bauzeitlich statisch wirksamen Dachreiters mit Oberlichtern sowie durch die Instandsetzung des Stahlfachwerks, wodurch die ursprüngliche Leistungsfähigkeit der Konstruktion wiederhergestellt wurde. Um den Raumeindruck zu bewahren, wurde auf raumtrennende Einbauten bis unter die Decke sowie auf abgehängte Decken verzichtet; stattdessen stehen WCs und Teeküchen als eingestellte Kuben im Raum und Installationen werden sichtbar geführt. In beiden Geschossen wurden die hallenartigen Räume lediglich in zwei Einheiten gegliedert und im Obergeschoss mit großflächiger Innenverglasung gearbeitet, um Großzügigkeit und Lesbarkeit der Konstruktion zu erhalten. Wo das Stahlfachwerk auf die Außenwände trifft, wird die innenseitige Dämmung unterbrochen, und die Heizschleifen der Wandtemperierung werden sichtbar auf den Stahlbauteilen geführt. So bleiben das gesamte Stahlfachwerk und sein Zusammentreffen mit der historischen Ziegelwand ablesbar. Die exponierten Heizschleifen fügen sich ganz im Sinne des industriellen Charakters des Raums in das Bild der offen geführten Installationen ein.

Auch im ehemaligen zweigeschossigen Pferdestall und im angrenzenden dreigeschossigen alten Speicher war die Planung darauf ausgerichtet, die historischen Deckenkonstruktionen und Stahlstützen sichtbar zu erhalten und den Charakter der Gebäude erlebbar zu machen. Im Pferdestall stellte die Umsetzung des Raumprogramms des Stadtteilzentrums unter Berücksichtigung der Barrierefreiheitsanforderungen eine besondere planerische Herausforderung dar, die mit einem innenliegenden Aufzug gelöst wurde. Beide Häuser erhielten ein neues Holzbinderdach, dessen Konstruktion wie bei den Geschossdecken von innen ablesbar bleibt und weiß lasiert wurde. Die bestehenden Holzbalkendecken im Speicher wurden durch Massivholzwände ergänzt. In allen drei Bauteilen – Kuhstall, Pferdestall und Speicher – wurden in Anknüpfung an die vorhandenen gußeisernen Stahlstützen und Fachwerke skulpturale Stahltreppen mit Aufsatzstufen aus Vollholz eingebracht. Details wie innenliegende Fensterläden und Fragmente der Futterklappen konnten trotz heutiger Anforderungen an Brand-, Schall- und Wärmeschutz erhalten bleiben.

Beim denkmalgerechten Innenausbau wurde besondere Sorgfalt auf Materialien und Gestaltung gelegt. So entstanden hochwertige und vielseitig nutzbare Gewerbeflächen mit eigenständigem Charakter. Alle Materialien, wie etwa der neue rote Linoleumboden, wurden eng mit der Denkmalpflege abgestimmt. Das revitalisierte Gut Alt-Biesdorf wird künftig nicht nur ein Arbeitsort für Unternehmen aus der Umgebung sein, sondern auch ein lebendiger Mittelpunkt des Stadtteils.

„Denkmalschutz kann wichtige Impulse für eine lebenswerte Stadtentwicklung geben“, so Kilian Enders.

Quelle: D/FORM Gesellschaft für Architektur + Städtebau mbH