3. Dezember 2022

Grüne Baunachfrage: Nachhaltigkeit schlägt bekannte Marke

Düsseldorf (pm) – Nachhaltigkeit war bei Bauprodukten lange eine Art Zusatzeigenschaft für eine bestimmte als nachhaltig beworbene Sortimentsparte der Anbieter, während die Hauptmarke in der Regel ein konventionelles Produkt blieb. Doch neue Marktumfragen von BauInfoConsult zeigen, dass es sich mittlerweile beinahe umgekehrt verhält: So bevorzugt über die Hälfte der befragten 601 Bauprofis Bauprodukte, die Nachhaltigkeit versprechen – im Zweifelsfall auch gegenüber namhaften Bauprodukt-Klassikern, die sie schon lange kennen und nutzen. Eine neue Studie von BauInfoConsult zeigt, wo nachhaltige und zirkuläre Ansätze für das Bauen schon in naher Zukunft alternativlos werden und welche neuen Ansätze sich auf materieller, technischer und baulogistischer Seite Bahn brechen.

Bei der telefonischen Befragung im Auftrag des Düsseldorfer Marktforschungsunternehmens BauInfoConsult stimmten zusammen 60 Prozent der befragten Personen aus Architekturbüros, Bauunternehmen und verschiedener Baugewerke der Aussage voll und ganz oder überwiegend zu, dass Nachhaltigkeit für sie vor bloßer Bekanntheit zählt. Dafür sind gleich mehrere Aspekte verantwortlich:

Ohne das „Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude“ ist derzeit praktisch keine Neubauförderung mehr möglich. Es ist daher klar, dass sowohl Bauherren als auch ihre Dienstleister aus der Bauwirtschaft auch bei der Produktwahl bestrebt sind, möglichst alles „richtig“ zu machen. Dabei dürfte klar sein, dass Bauprofis wie Endkunden Nachhaltigkeit neben Haltbarkeit, Stabilität usw. als einen weiteren selbstverständlichen Bestandteil von Qualitätsprodukten erwarten.

Denn man kann fast sicher voraussetzen, dass die interviewten Bauprofis bei unserer Frage größtenteils von einer gleichwertigen Qualität bei nachhaltigen versus konventionellen Bauprodukten ausgegangen sein dürften. Aus vielen anderen Untersuchungen ist bereits eindeutig hervorgegangen, dass die Produktqualität (neben dem Preis) den zentralen Faktor bei der Produktauswahl am Bau schlechthin darstellt und wird daher nicht einfach durch den Aspekt der Nachhaltigkeit außer Kraft gesetzt.

 

(c) BauInfoConsult

 

Gleichzeitig sollten die Hersteller von Bau- und Installationsprodukten der Versuchung widerstehen, ihren eigenen Produkten durch bloßes „Greenwashing“ einen nachhaltigen Toch verpassen zu wollen – auch, wenn es aufgrund dieser Ergebnisse verlockend erscheinen mag. Da Bauakteure genau wie Endkunden heutzutage in der Kommunikation immer stärker vernetzt sind, dürften sich gescheiterte „Greenwashing-Versuche“ sehr schnell in der Branche herumsprechen und der dadurch entstandene Imageschaden weit länger anhalten, als es den ertappten Herstellern lieb sein dürfte.

Dabei kann Nachhaltigkeit nicht länger als bloßes Sahnehäubchen im hochpreisigen Produktsegment gehandelt werden – eher wird aus dem alten nachhaltigen Nischenprodukt der neue Standard. „Mit der Nachhaltigkeit verhält es sich mittlerweile wie mit der Produktqualität“, erläutert Branchen-Consultant Henri Busker von USP Marketing Consultancy, einer der 28 für die Studie „Die grüne Bauindustrie“ von BauInfoConsult hinzugezogenen Experten.

„Ein schlechtes Produkt kauft in der Baubranche niemand mehr – und so ähnlich wird es auch bei Nachhaltigkeit aussehen: Ein nicht wirklich nachhaltiges Produkt kauft auch bald keiner mehr.“ Von Greenwashing sei daher schon im Zuge vorausschauender Imagepflege tunlichst abzuraten, mahnt Busker, der seit 20 Jahren als Marketing Consultant für die Baustoffindustrie tätig ist.

Im Süden ist laut unserer Prognose dagegen schon ab 2022 wieder fast alles beim Alten und die Tendenz bis 2024 weiter auf einer soliden Wachstumsspur. Die Zuwachsraten in Bayern sind jeweils am stärksten. Auch der Westen kann in den nächsten Jahren wieder etwas an Boden gut machen, wenn auch mit weniger deutlichen Zuwächsen. Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland kommen etwas stärker in Gang als der größte westdeutsche Wachstumsmarkt Nordrhein-Westfalen.

Pressemitteilung: BauInfoConsult