30. Juni 2022

‚Green Bridge Düsseldorf‘ – Initiativentwurf für die Theodor-Heuss-Brücke als lebendes, grünes Bauwerk

Neubau statt Sanierung, Vision statt Flickwerk: RKW Architektur + und JLL haben gemeinsam die Idee eines Ersatzbauwerks für die marode Theodor-Heuss-Brücke entwickelt. Das Konzept ‚Green Bridge‘ verbannt den motorisierten Verkehr in eine vierspurige Röhre und macht stattdessen Platz für einen Landschaftspark über den Rhein, Radschnellweg inklusive. Zusätzlich bietet das ebenso spektakuläre wie nachhaltige Bauwerk Wohnraum, ein Hotel, Büroflächen und neue Blickwinkel auf die Stadt.

(c) Visualisierung: Entwurf: RKW Architektur +, Visualisierung: formtoo

Düsseldorf (pm) –  Der Handlungsbedarf ist unumstritten: Die Theodor-Heuss-Brücke als zweitälteste der sieben Düsseldorfer Brücken muss dringend saniert oder durch einen Neubau ersetzt werden. Die Stadt Düsseldorf ist sich der Lage bewusst, und hatte zum Dialog über die Zukunft der Brücke aufgerufen. Es folgte ein Gedankenspiel von RKW Architektur + und Marcel Abel, Geschäftsführender Direktor und Niederlassungsleiter JLL Düsseldorf, über die Funktion hinaus einen Mehrwert für die Stadt und deren Bürger zu schaffen: „Die Brücke muss ohnehin neu gebaut werden, doch heute lässt sich deutlich mehr daraus machen als nur ein Verkehrsweg – ein nachhaltiges Bauwerk, dass den Menschen qualitative Fläche in optimaler Lage schenkt.“

Es folgte der visionäre Vorschlag aus dem design.lab von RKW Architektur +. „Wir wollten weg von der Idee einer Brücke als monofunktionalem Bauwerk. Stattdessen haben wir die Idee der ‚Green Bridge‘ für uns weiterentwickelt, die eine Vielzahl von Funktionen und Angeboten miteinander verbindet“, so Jabra Soliman, assoziierter Partner bei RKW. Der motorisierte Verkehr soll den Rhein in einer Röhre überqueren, die offene Passage darüber ist Radfahrern, Fußgängern und dem Grün vorbehalten. Die heute hochaufragenden Pylone werden durch nutzbare Architekturen ersetzt. Form und Höhe leiten sich aus der statischen Kettenlinie ab. Zwischen den beiden massiven Auflagern mit den Hochpunkten auf beiden Uferseiten schwingt die Konstruktion sanft über die gesamte Länge. Mehr als 1,5 Kilometer ist die Brücke lang, am breitesten Punkt misst sie ca. 65 Meter und ihr höchster Punkt liegt rund 47 Meter über dem Straßenniveau der Cecilienallee. Die Durchfahrtshöhe für den Schiffsverkehr bleibt wie bisher uneingeschränkt. Es ist mit einer Bauzeit von ca. 3-4 Jahren zu rechnen. Die Kosten werden derzeit auf rund 700 Millionen Euro geschätzt. Hierbei ist auch die temporäre Einrichtung einer Behelfsbrücke einkalkuliert, die während des Baus die Verbindung beider Rheinufer an dieser Stelle und den Verkehr weiterhin ermöglicht. “Brücken sind heute viel mehr als funktionale Verbindungen. Sie können neuen Lebensraum mit attraktiven Nutzungen schaffen – sie sind Orte der Begegnung. Denn in den Städten leben wir künftig luftiger“, so Dieter Schmoll, Geschäftsführender Gesellschafter bei RKW.

 

Visualisierung: Entwurf: RKW Architektur +, Visualisierung: formtoo

 

Park und Wohnraum über dem Wasser

Die offensichtlichste neue Funktion der Brücke ist das grüne Band des Landschaftsparks, der Golzheim und die Niederkasseler Rheinweisen verbindet. Ein Fahrradschnellweg führt nun durch Grün, in dem es Spiel- und Grillplätze mit Aussicht auf die Stadtsilhouette gibt. Kioske und Cafés sorgen für die gastronomische Versorgung und Aufenthaltsqualität, auch Urban Gardening oder Farming-Projekte sind hier denkbar. Die ‚Green Bridge‘ bietet vielfältige Möglichkeiten für eine langfristige Belebung. Rund 400 Wohneinheiten vom Mini-Apartment bis zur Maisonette-Wohnung sind hier untergebracht, öffentlich geförderter und freifinanzierter Wohnraum wechseln sich ab. So entstehen lebendige, generationenübergreifende Nachbarschaften ganz nah am oder direkt über dem Wasser.

Hotel, Büros und Mobility Hubs

Zum Nutzungsmix der Brücke gehören noch weitere Elemente: Ein Hotel mit rund 350 Zimmern inklusive Spa und Panoramarestaurant bietet eine Übernachtungsmöglichkeit, die in Düsseldorf ihresgleichen sucht. Auch ermöglichen die großen Pylonbauwerke Platz für außergewöhnliche Arbeitsumgebungen. Bis zu 14.000 m2 Fläche stehen hierfür zur Verfügung – vom klassischen Büro bis zum Coworking-Space. Weitere Funktionen finden sich in den Brückenfüßen, die als Mobility Hubs konzipiert sind. Hier wird es Ladestationen für E-Autos und -Fahrräder, außerdem Carsharing-Stationen und einen Fahrradverleih geben, ergänzt um zusätzliche kleine Shopping- und Gastronomieangebote.

 

(c) Visualisierung: Entwurf: RKW Architektur +, Visualisierung: formtoo

 

Nachhaltig konzipiert, effizient konstruiert

„Wir geben der Stadt Impulse, indem wir Verkehr und Nachhaltigkeit, Erholung und Strahlkraft miteinander verbinden. Die Green Bridge kann Maßstäbe weiter über Deutschland hinaussetzen, was wiederum auf Düsseldorf zurückstrahlt. Deshalb werden wir unsere Ressourcen und Netzwerke nutzen, um dieses Projekt zu realisieren“, so Marcel Abel von JLL. Die Klimaziele der Stadt Düsseldorf haben die Initiatoren fest im Blick. Sie wollen mit diesem Bauwerk einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur Klimaneutralität leisten. Die neue ‚Green Bridge Düsseldorf‘ ist mit Blick auf Nachhaltigkeit konzipiert. So enthält sie unter anderem in ihrem Mittelteil Windturbinen, die die natürliche Windschneise des Flusses zur Energieerzeugung nutzen. Auch große Flächen mit Photovoltaikanlagen in den oberen Tragkonstruktionen erzeugen Strom. Zudem optimiert sie maßgeblich den Schallschutz in ihrer Nachbarschaft, da sie den Straßenverkehr in die Röhre verlegt. Errichtet wird die Brücke aus Stahlfertigteilen, was Effizienzvorteile bietet und obendrein einen schnellen Bauablauf ermöglicht. „Düsseldorf hat ambitionierte Klimaziele. Mit der Green Bridge kann eine Verkehrsverbindung erstmals aktiv zu deren schnelleren Erreichen beitrage. Davon profitieren alle“, sagt Jabra Soliman von RKW.

Eine neue Landmarke

RKW-Gesellschafter Dieter Schmoll fasst zusammen: „Neben den umfangreichen wie konkreten Angeboten, vom Park mit Freizeitwert und der neuen Radstrecke über die Wohn- und Hotelnutzung bis zu Büroflächen, birgt die neue Brücke noch ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Potenzial: Die Düsseldorfer ‚Green Bridge‘ kann Maßstäbe für die Belebung von Ingenieurbauwerken setzen und zu einer weithin sichtbaren Landmarke für die Landeshauptstadt werden.“

Pressemitteilung: RKW Architektur + / JLL Düsseldorf