18. Oktober 2026

Gleichmäßige Wärme für sensible Klangkörper

Deckenstrahlplatten beheizen Werkhallen von C. Bechstein
Die Deckenstrahlplatten Zehnder ZFP sind neben den Produktionslinien für die Klangkörper auch an den Bearbeitungs- und Umleimarbeitsplätzen installiert. © Zehnder Group Deutschland GmbH, Lahr

Lahr (pm) – Die Marke C. Bechstein steht seit 1853 für klangliche Exzellenz und handwerkliche Präzision. In den Produktionshallen des Klavier- und Flügelherstellers C. Bechstein im sächsischen Seifhennersdorf müssen Temperatur und Luftfeuchtigkeit dauerhaft stabil bleiben. Denn Holz reagiert empfindlich auf Temperaturschwankungen, Zugluft und trockene Heizungsluft. Um die klimatischen Anforderungen in den Produktionsbereichen zu erfüllen, setzt das Unternehmen auf Deckenstrahlplatten von Zehnder.

Der junge Carl Bechstein legte im Jahr 1853 in Berlin den Grundstein für die Herstellung individueller, handgefertigter Klaviere mit unverwechselbaren und vielseitigen Klangfarben. Mit der Übernahme der Sächsischen Pianofortefabrik (ehemals Gebr. Zimmermann AG) im Jahr 1992 verlegte die C. Bechstein Pianoforte GmbH ihren Produktionsstandort in eine handwerklich orientierte Region der Oberlausitz, genauer gesagt in das sächsische Seifhennersdorf. Heute kümmern sich am deutschen Standort rund 250 Mitarbeitende um das historische Erbe und tragen dazu bei, die Einzigartigkeit der Marke C. Bechstein zu bewahren und in die nächste Generation passionierter Pianisten zu tragen.

Das Werk in Seifhennersdorf ist ein 1897 errichteter Skelettbau aus Beton. Der Komplex wurde im Laufe der Jahrzehnte sukzessive erweitert, sodass heute auf vier Etagen eine Mischung aus Alt- und Neubauten als Produktions- und Lagerflächen dient.

Besonders anspruchsvoll ist bei der Klavierherstellung der Umgang mit dem Werkstoff Holz. Resonanzböden, Klangkörper und Flügelzargen bestehen aus sorgfältig ausgewählten Hölzern wie Buche oder Mahagoni. Während der Fertigung entstehen im Material gezielt Spannungen, die später maßgeblich den Klang, die Dynamik und die Stabilität der Instrumente beeinflussen. Diese Spannungen im Material dürfen während der Lager- und Reifephasen nicht gestört werden.

Um im Altbaukomplex in Seifhennersdorf mit geringen Vorlauftemperaturen auf eine neue Heizlösung umzustellen, suchte der Planer Alexander Wolf ein System, welches ohne starke Luftbewegung eine angenehme Wärme in den Werkshallen verteilt. „Wir suchten eine Lösung, die unsere große Fabrikhalle gleichmäßig beheizt“, erklärt Steffen Fiedler, Leiter Werkstechnik am Standort Seifhennersdorf. „Wichtig war uns vor allem, eine möglichst konstante Temperierung zu erreichen und die Luftfeuchtigkeit im gewünschten Bereich zu halten. Für das verwendete Baumaterial Holz und damit für die Klangqualität unserer Klaviere ist das extrem wichtig.“

Heizsysteme mit Konvektion waren keine Alternative

Heizsysteme mit starker Luftbewegung kamen für C. Bechstein nicht infrage. Typische Heizkörper mit Konvektion erzeugen Luftbewegungen, die das Holz austrocknen können. Auch eine Fußbodenheizung wurde für die Produktionsbereiche nicht weiterverfolgt. Bei der Planung lag der Fokus stattdessen auf einer Lösung mit möglichst geringer Luftbewegung und einer Montage ohne zusätzliche Flächen am Boden oder an den Wänden.

„Wir konnten auch keine Heizkörper an der Wand installieren, da der Platz aufgrund der Größe der Industriegeräte hierfür überhaupt nicht ausreichte. Bei unseren Instrumenten wollten wir eine Heizlösung einsetzen, die möglichst wenig Luftbewegung erzeugt. Deshalb haben wir eine Beheizung von der Decke aus gewählt.“, so Fiedler.

Großes Raumvolumen gezielt beheizen

Grundsätzlich ist es herausfordernd, große Produktionshallen gleichmäßig und bedarfsgerecht zu beheizen. Derzeit wird die weiträumige Fabrikhalle über eine Gasheizung beheizt, die durch eine Holzheizung unterstützt wird. In den Werkstätten von C. Bechstein erfordern die Fertigungsprozesse ein möglichst konstantes Raumklima. Problematisch wird es im Winter während der Heizperiode, wenn die Luftfeuchtigkeit in den Innenräumen gering ist. Denn auch die wertvollen Instrumente aus erlesenem hochwertigem Buchen- und Mahagoniholz, verlieren über kurz oder lang ihre Kernfeuchte.

Der Planer Wolf wollte zwei Anforderungen gleichzeitig erfüllen: Erstens benötigen die Mitarbeitenden Arbeitsbedingungen in einem angenehm warmen Umfeld, zweitens verlangen die sensiblen Klangkörper gleichmäßige Temperaturen. Schnelle Temperaturwechsel und lokale Temperaturunterschiede sollten deshalb möglichst vermieden werden.

Bei der Auswahl der Heizlösung stand daher nicht nur die thermische Behaglichkeit für die Mitarbeitenden im Vordergrund, sondern auch die Qualitätssicherung der Pianoproduktion. Denn die Eigenschaften des Holzes haben Einfluss auf die spätere Klangcharakteristik eines Flügels.

Bei C. Bechstein gilt die Reife des Holzes als wichtiger Faktor für die gewünschte Tonqualität. Um den einzigartigen Klang der Spitzeninstrumente zu erreichen, werden bei C. Bechstein alle Materialien im Reiferaum gelagert. Die beim Leimen und Pressen entstandenen Spannungen werden hier gleichmäßig eingelagert. Sorgfältige Fertigungsprozesse unter geeigneten klimatischen Bedingungen sorgen für die charakteristisch hohe Stabilität und Spannkraft der C. Bechstein-Flügel. Eine Lagerung in Räumen mit ungeeigneter Heizlösung würde während der Ruhephase die aufwendig eingearbeiteten Spannungen im Holz verschieben und sich letztlich auf die Klangentfaltung auswirken.

Deckenstrahlplatten liefern gleichmäßige Strahlungswärme von oben

Für die Beheizung der Produktionsbereiche fiel die Wahl schließlich auf die Deckenstrahlplatten des Raumklimaspezialisten Zehnder aus Lahr. Im Werk sorgen heute die Modelle Zehnder ZFP auf einer Fläche von insgesamt 1.366 m² für eine Beheizung der Hallen.

Die Deckenstrahlplatten Zehnder ZFP sind neben den Produktionslinien für die Klangkörper auch an den Bearbeitungs- und Umleimarbeitsplätzen installiert. So entsteht für die Mitarbeitenden ein angenehmes Raumklima, ohne Zugluft und ohne Staubaufwirbelungen

Wärmeübertragung durch Strahlung

Deckenstrahlplatten übertragen einen wesentlichen Teil der Wärme über Strahlung. Diese Strahlung trifft auf die Resonanzkörper der Pianos und die Mitarbeitenden im Raum und erwärmt diese. Anschließend strahlt sie wieder in den Raum zurück, was mit mehreren Vorteilen verbunden ist:

  • Geringe Luftbewegung: Da kaum Konvektion entsteht, wird die Raumluft weniger bewegt.
  • großflächige Wärmeverteilung: Die Strahlungswärme erreicht alle Bereiche der Halle gleichmäßig.

Beheizung und Beleuchtung aus einer Hand

Die Deckenstrahlplatten Zehnder ZFP sind in den Produktionshallen von C. Bechstein in Seifhennersdorf in vier Metern Deckenhöhe montiert worden und heizen mit einer Vorlauftemperatur von rund 50 °C. Für die Beleuchtung der Produktionsbereiche wurden zudem spezielle Beleuchtungselemente in die Deckenstrahlplatte Zehnder ZFP integriert.

Die Montage der LED-Komponenten wurde schnell und einfach direkt auf der Baustelle umgesetzt. Die Beleuchtungselemente Zehnder LED 2.0 sind in verschiedenen Lichtleistungen und Ausstrahlungswinkeln verfügbar und lassen sich an unterschiedliche Anforderungen an die Raumausleuchtung anpassen. Das ermöglicht flexible und individuelle Kombinationen je nach gewünschter Raumausleuchtung.

Die Deckenstrahlplatten und Beleuchtungselemente übertragen Energie in Form von Strahlung. Weshalb für beide die gleiche Position an der Decke geeignet ist. In Kombination mit der DALI-Dimmfunktion (= Digital Addressable Lighting Interface) ist die Lichtintensität je nach Tageszeit, Nutzung oder Veranstaltung stufenlos regulierbar.

„Wir schätzen auch die Möglichkeit, die Temperatur im Nachtbetrieb abzusenken.“, freut sich Fiedler über das angenehme Raumklima in der Werkshalle.

Langfristig plant C. Bechstein, die Regelung der Anlagen in eine intelligente Gebäudeautomation einzubinden. Schon heute zeigt sich jedoch: Ein auf die Anforderungen des Produktionsprozesses abgestimmtes Heizsystem kann dazu beitragen, konstante klimatische Bedingungen zu schaffen.

„Nach der Nutzung der Deckenstrahlplatten im letzten Winter können wir tatsächlich nur positive Resonanzen über „die Heizung an der Decke“ aussprechen. Die Räume waren gut beheizt und unsere Mitarbeitenden waren von der Wärmestrahlung positiv überrascht.“, lobt Fiedler.

Quelle: Zehnder Group Deutschland GmbH