17. Mai 2022

Gewinner*innen BDA Hamburg Studienpreis 2022

Studienpreisgewinner 2022 BDA Hamburg (c) Bina Engel

Hamburg (pm) – Dieses Jahr gewinnen gleich zwei Studierende mit zwei unterschiedlichen Lösungsvorschlägen den BDA Hamburg Studienpreis: Lina Wenzel von der hochschule 21 in Buxtehude und Nguyen Quy Phu von der aac Academy for Architectural Culture Hamburg & Frankfurt University of Applied Sciences. Die beiden Erstplatzierten erhalten einen Praktikumsplatz im renommierten deutsch-dänischen Architekturbüro Lorenzen Mayer Architekten und je einen Zuschuss von 2.500 €.

Zum 15. Mal hat der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA der Freien und Hansestadt Hamburg am 11. Mai 2022 seinen Studienpreis zusammen mit der BDA Stiftung Hamburg verliehen. Mit dem Preis werden herausragende Leistungen, die im Rahmen eines Architektur- bzw. Städtebaustudiums entstanden sind, ausgezeichnet.

In diesem Jahr widmete sich der BDA Hamburg Studienpreis dem viel diskutierten Thema Einfamilienhaus. Einfamilienhäuser sind die beliebteste Wohnform. Kann man es heute aber noch verantworten, Einfamilienhäuser zu bauen und in ihnen zu wohnen? Muss das Wohnen in Zeiten des Klimawandels und einer allgegenwärtigen Landverknappung nicht ganz anders organisiert werden? Im vergangenen Wintersemester haben Studierende von sieben Hochschulen deutschlandweit ihre ganz eigenen Antworten auf diese Fragen erarbeitet und sich damit für die Teilnahme am BDA Hamburg Studienpreis 2022 qualifiziert. Mit dabei war die aac Academy for Architectural Culture Hamburg, die HCU HafenCity Universität Hamburg, die hochschule 21 Buxtehude, die Hochschule Wismar, die HSB Hochschule Bremen, die Leibniz Universität Hannover und die Technische Hochschule Nürnberg. Dort wurde eine im Wintersemester 2021/22 im Fachbereich Architektur ausgegebene Aufgabe unter der Überschrift „Sehnsuchtsort Einfamilienhaus“ bearbeitet.

Der BDA Hamburg Studienpreis „…will Anregung, Übung und Vorbild sein für eine Gruppe junger Menschen, die einmal verantwortlich die Gestaltung der gebauten Umwelt wahrnehmen soll“, sagt Finn Warncke, 1. Vorsitzender des BDA Hamburg. Er bietet den Studierenden die Möglichkeit, ihre Arbeiten außerhalb ihrer Hochschule von einer aus der Architekturpraxis kommenden Jury unabhängig beurteilen zu lassen. „Dies trägt zur kritischen Auseinandersetzung zwischen Hochschule und Praxis bei und damit zur Qualitätsförderung“, kommentiert Prof. Bernhard Winking, Vorsitzender der BDA Stiftung Hamburg.

Aus 35 eingereichten Arbeiten kürte die Jury unter dem Vorsitz von Prof. Carsten Lorenzen Einzelarbeiten für den 3. Preis, den 2. Preis und zwei für den 1. Preis.

Einen 1. Preis erhält Nguyen Quy Phu (2. Semester Master), aac Academy for Architectural Culture Hamburg und Frankfurt University of Applied Sciences für seine Arbeit
„Creative House“.

 

(c) Nguyen Quy Phu

 

Die Jury sagt dazu: „Die Jury würdigt, dass sich Nguyen Quy Phu mit seiner Antwort, wie in Zukunft Einfamilienhaus-Qualitäten realisiert werden können, aus den traditionellen Kontexten entfernt. Er platziert sein Familienhaus als Wohn-/Arbeitsscheibe in einen urbanen Zusammenhang und bringt so zum Ausdruck, dass Wohnen im Grünen nicht nur auf der grünen Wiese stattfinden kann. Das Grüne ist hier gleichsam in den Grundriss hineingezogen worden. Ob sein 6×18 m großes Projekt, das sich über drei Ebenen zuzüglich Galerien erstreckt, einen für das selbst gewählte Programm geeigneten Fußabdruck hinterlässt, könnte man auf den ersten Blick bezweifeln. Der Entwurf entkräftet solche Kritik: im Haus wird nicht nur gewohnt, sondern auch gearbeitet. Darüber hinaus ist eine Galerie untergebracht. Dahinter steckt der Gedanke, dass synergetische Nutzung Platzeinsparung bringt: tagsüber kann der Arbeitsplatz erweitert werden, wenn man den Wohnplatz mitnutzen kann – und abends umgekehrt. Die Arbeit überzeugt in seiner sehr gekonnten gestalterischen Umsetzung und graphischen Ausarbeitung. Auf die Frage, wie Qualitäten eines Einfamilienhauses in anderen Strukturen umgesetzt werden können, gibt es nicht eine, sondern viele Antworten. Eine sehr konsequente und schön dargestellte, wenn auch etwas elitäre, gibt dieser Wettbewerbsbeitrag. Die Jury hat sie überzeugt.“

Einen weiteren 1. Preis erhält Lina Wenzel (5. Semester Bachelor), hochschule 21 Buxtehude, für ihre Arbeit „Sehnsuchtsort Einfamilienhaus – Sunken gardens“.

 

(c) Lina Wenzel

 

Die Jury sagt dazu: „Die Sicherung von Einfamilienhaus-Qualitäten in Zeiten des Klimawandels und einer allgegenwärtigen Landverknappung als Verdichtungs- bzw. Nachverdichtungsaufgabe zu verstehen, liegt auf der Hand. Mehrere Wettbewerbsbeiträge haben das Thema auf diese Weise bearbeitet. Lina Wenzel, so die einhellige Überzeugung der Jury, ist das am besten gelungen. Sie platziert kubische Baukörper in eine heterogene Struktur aus 3-4-geschossigem Geschosswohnungsbau und Einzelhäusern. In Maßstäblichkeit und Körnung fügt sich ihr Entwurf ein, überzeugt aber vor allem in seiner architektonischen Gestalt und Prägnanz. Die Häuser sind unterschiedlich hoch und versetzt angeordnet. Das erzeugt gut proportionierte Zwischenräume, die eine hohe Individualität haben. Zum Teil sind die Zwischenräume abgesenkt (sunken gardens), was die Individualität noch verstärkt. Besonders angetan ist die Jury von der Einfachheit und Robustheit des Entwurfes. Die Struktur ist auch für andere Kontexte gut verwendbar und somit eine äußerst wertvolle Antwort auf die Frage, wie in Zukunft Einfamilienhaus-Qualitäten in verdichteter Bauweise umgesetzt werden können.“

Den 2. Preis erhält Tom Ehlers, aac Academy for Architectural Culture Hamburg und TU Braunschweig, für seine Masterarbeit „Unter einem Dach“.

 

(c) Tom Ehlers

 

Die Jury sagt dazu: „Die Arbeit überzeugt vor allem durch den Ansatz, das gemeinschaftliche Wohnen als Alternative zum individuellen Wohnen im Einfamilienhaus herauszuarbeiten. Der Bezug zum Schwarzwaldhaus wirkt im Villengebiet an der Oker in Braunschweig zunächst etwas irritierend, erschließt sich dann aber vor allem inhaltlich und typologisch in Bezug auf die gemeinschaftliche Wohnform mit allen Funktionen unter einem Dach. Die klare Gliederung der Grundrisse mit einem Wechselspiel von Gemeinschaftsflächen und privaten Rückzugsräumen wird von der Jury sehr positiv beurteilt. Vor allem die großen und robusten Erdgeschossräume für gemeinschaftliches Lagern und Werkeln als Neuinterpretation der klassischen Garage bzw. Kellerwerkstatt, die einen wichtigen Aspekt des Einfamilienhauses aufgreifen, werden besonders gewürdigt. Gleiches gilt für die zweigeschossigen Gemeinschafträume in den Obergeschossen, die eine großzügige Weite ausstrahlen und durchaus die Qualitäten eines Einfamilienhauses in ein Mehrparteienhaus überführen können. Leichte Schwächen auf hohem Niveau sieht die Jury im Maßstab der städtebaulichen Setzung im kleinkörnigen Villengebiet am Gaußberg und in der vergleichsweise geringen Behandlung des Garten- und Freiraumthemas bei der Transformation der Qualitäten eines Einfamilienhauses in ein gemeinschaftliches Wohnen. Stärken hat die Arbeit auch im artifiziellen architektonischen Ausdruck, der feingliedrigen Fassadengestaltung und auch besonders in der Plandarstellung und in der Qualität der perspektivischen Darstellungen, die für eine Studienarbeit überdurchschnittlich herausstechen. Insgesamt stellt die Arbeit aus Sicht der Jury inhaltlich und architektonisch eine überzeugende Auseinandersetzung mit der Aufgabenstellung dar.“

Den 3. Preis erhält Daniel Afriyie Owusu (5. Semster Bachelor), hochschule 21 in Buxtehude für seine Arbeit „Sehnsuchtsort Einfamilienhaus“.

 

(c) Daniel Afriyie Owusu

 

Die Jury sagt dazu: „Die schematische Entwicklung der Siedlung auf dem Grundraster von 5×5 Metern und die tetrisartige Entwicklung in der Vertikalen führt zu einer guten Verdichtung einerseits und einer abwechslungsreichen Architekturlandschaft mit differenzierten Außenräumen andererseits. Die Gebäudecluster sind zeilenartig auf dem Grundstück addiert, die Struktur wird durch einen Marktplatz mit angrenzenden öffentlichen Nutzungen aufgewertet. Die Gliederung der öffentlichen Erschließungsfläche durch die Vor- und Rücksprünge lässt eine differenzierte Gestaltung erwarten. Konterkariert wird diese Idee leider durch die individuellen Stellplätze der PKWs am Haus. Hier hätte die Jury ein innovativeres Konzept zur Mobilität erwartet. Die Grundrisse der bis zu dreigeschossigen Baukörper sind schlüssig organisiert, wobei das dritte Geschoss über eine separate Treppe erschlossen ist, was zusätzlichen Flächenverbrauch verursacht und unwirtschaftlich erscheint. Nicht vollends überzeugen können die Innenhöfe, die teilweise von zweigeschossigen Gebäuden verschattet und nur durch Hecken getrennt von mehreren Parteien genutzt werden. Die Gebäude sind in Ziegelmauerwerk verblendet, was insgesamt zu einem angenehm homogenen Erscheinungsbild führt. Die Arbeit ist ein wertvoller Beitrag zum Sehnsuchtsort Einfamilienhaus.”

Die Jurymitglieder 2022 waren:

• Laura Jahnke, Architektin BDA, Hamburg
• Saida Kiyamova, Gewinnerin BDA Studienpreis 2019
• Christian Schmieder, Architekt BDA, Kiel
• Claus Sesselmann, Architekt BDA, Rostock
• Finn Warncke, Architekt BDA, Hamburg
• Prof. Bernhard Winking, Architekt BDA, Hamburg
• Ulrich Zeiger, Architekt BDA, Hamburg

Die Gewinnerprojekte sowie alle eingereichten Arbeiten sind bis zum 18. Mai 2022 öffentlich zugänglich ausgestellt im PROBERAUM Oberhafenquartier Stockmeyerstraße 41, 20457 Hamburg-HafenCity
28. April bis 18. Mai 2022
Öffnungszeiten: Mo – Fr, 10 – 16 Uhr

Pressemitteilung: BDA Hamburg