Prof. Dr.-Ing. Roland Koenigsdorff lehrt seit 1998 im Studiengang Energie-Ingenieurwesen an der Hochschule Biberach. Dabei verbindet er Thermodynamik und Simulationstechnik mit anwendungsnaher Energietechnik. Im Fokus steht die Geothermie für die Gebäudetechnik in Gebäuden und Quartieren. Das Spektrum reicht von Wärmepumpen über Wärme- und Kältetechnik bis zu ganzheitlichen Energiekonzepten. Ein Schwerpunkt liegt auf oberflächennaher Geothermie, mitteltiefen Thermalwässern in Oberschwaben und Fragen der tiefen Geothermie. Ziel ist es, die gewonnene Energie effizient in gebäudetechnische Systeme zu integrieren.
Vom Maschinenbau zur ganzheitlichen Energietechnik
Koenigsdorffs Weg führte vom Maschinenbau über Solarthermie und Bauwesen zur ganzheitlichen Energietechnik. Heute untersucht er, wie Gebäude, Bauteile und der Untergrund als Energiesystem zusammenwirken. Betondecken dienen als thermische Speicher. Erdreich und Gewässer liefern langfristig Wärme und Kälte.
So lassen sich Gebäude im Sommer über aktivierte Betondecken temperieren. Dafür nutzt das System 12 bis 13 Grad kühles Erdreich. Gleichzeitig regeneriert sich der Untergrund. Ein Beispiel ist die Gebhard-Müller-Schule in Biberach. Sie wurde wissenschaftlich begleitet und wird über eine geothermische Wärmepumpe mit Grundwasserbrunnen beheizt und gekühlt.
Forschung mit direktem Transfer in die Praxis
Seine Projekte erreichen in diesem Jahr ein Drittmittelvolumen von 383 000 Euro. Zum Forschungsteam am Institut für Gebäude- und Energiesysteme gehören fünf Wissenschaftler*innen. Zudem betreut Koenigsdorff Doktoranden an Universitäten und direkt an der HBC. Gemeinsam gewinnen sie Erkenntnisse, vermessen Anlagen und monitoren Systeme. Daraus entwickeln sie Modelle für optimiertes Planen und Betreiben.
Anschließend überführen sie ihr Knowhow in die Praxis. Das geschieht über Richtlinien, Standards, Schulungen und den Austausch mit Institutionen sowie der Industrie. „Unsere Forschung ist auf Transfer ausgelegt, Wissenschaft wirkt direkt auf die Praxis, wenn zum Beispiel VDI-Richtlinien, an denen wir mitgearbeitet haben, von Behörden übernommen werden“.
Geothermie für die Gebäudetechnik in Studium und Netzwerk
Zudem fließen die wissenschaftlichen Erkenntnisse direkt in die Lehre ein. Geothermie ist an der HBC vor allem im Bachelor Energie-Ingenieurwesen und im Master Energie- und Gebäudesysteme verankert. Studierende bearbeiten Projekt- und Abschlussarbeiten in diesem Bereich. Im Masterstudium können sie außerdem eine passende Vertiefung wählen. „Als forschendes Lernen bezeichnen wir dieses besondere didaktische Prinzip“, so Roland Koenigsdorff.
Auch setzt das IGE stark auf Vernetzung. Es arbeitet unter anderem mit dem Landesforschungszentrum Geothermie am Karlsruher Institut für Technologie zusammen. Außerdem kooperiert es mit der Technischen Universität München, der Universität Stuttgart, Hochschulen in Rottenburg und Kempten sowie kommunalen und industriellen Partnern. Neue interdisziplinäre Projekte verknüpfen Regenwassermanagement und Wärmepumpentechnik in Quartieren. Dadurch zeigt sich, wie sich Geothermie in zukunftsfähige Wärmenetze einbinden lässt.
Prof. Roland Koenigsdorff ist überzeugt: „Wärmepumpen und geothermische Systeme werden zur zentralen Gebäudetechnik der Zukunft“. Zwar seien die Investitionen hoch, doch langfristig lohne sich der Umstieg. „Wer heute in die Geothermie einsteigt, arbeitet an einer Technologie mit großem Entwicklungspotenzial, gesellschaftlicher Relevanz und enormer Nachhaltigkeit“.
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