Anzeige – Bewehrungseisen gehören zur Baustelle wie Beton und Schalung. Gleichzeitig sind sie Gefahrenquellen: Stolpern, Stürze oder Durchstiche sind Unfälle, die häufig auf freiliegende, ungeschützte Bewehrungsenden zurückgehen. Sie haben nicht selten schwere, teils tödliche Verletzungen zur Folge. Dabei lassen sich schon mit einfachen technischen und in der Praxis bewährten Mitteln die Unfallrisiken deutlich reduzieren.
Viele Lösungen, die das Verletzungsrisiko beim Umgang mit Bewehrungseisen minimieren, können auf Baustellen ohne großen Aufwand umgesetzt werden. Wenn beispielweise die Bewehrung bügelförmig ausgebildet ist, zeigen keine freien Stabenden nach oben, was Durchstichunfälle verhindern kann. Eine weitere einfach umzusetzende Maßnahme ist die Abdeckung von Bewehrungsenden mit Schutzkappen oder Schutzprofilen.

Schutzkappen und Schutzprofile
Schlag- und witterungsbeständige Kunststoffschutzkappen für freiliegende Bewehrungsenden schützen Beschäftigte bei einem Unfall, denn sie vergrößern die Aufprallfläche und mindern die Stichgefahr. Sie können schnell aufgesteckt werden und sind aufgrund ihrer Farbgebung in gelb, orange oder rot deutlich sichtbar. So bieten sie eine zusätzliche Signalwirkung. Längere Schutzprofile mit oder ohne Stahleinlage können über ganze Reihen einer Anschlussbewehrung geschoben werden. Sie sind besonders für Bewehrungen an Schalungsrändern, Deckenöffnungen und entlang von Laufwegen geeignet. Viele Schutzkappen und Schutzprofile sind sogar wiederverwendbar.
Provisorische Lösungen
Auch provisorische Lösungen können Unfälle vermeiden helfen. So schaffen Holzbohlen oder Bretter, die quer über Bewehrungsfelder verlegt werden, sichere Arbeitsplätze und Verkehrswege. Werden diese entsprechend groß dimensioniert und gegen Verrutschen gesichert, wird eine erhöhte Sicherheit geschaffen. Ergänzend können temporäre Abdeckungen oder Matten aus Gummi weitere unnötige Gefährdungen eliminieren.


Sichtmarkierung und farbliche Kennzeichnung
Eine wesentliche Rolle bei der Vermeidung von Risikosituationen spielt die Sichtbarkeit. So können Markierungen durch Leuchtbänder um freiliegende Bewehrungseisen und Signalbänder an Gefahrenbereichen mit farblichen Abweichungen bei unterschiedlichen Höhen die nötige Aufmerksamkeit schaffen und die Erkennbarkeit besonders bei schlechten Lichtverhältnissen erhöhen.
Organisation und persönliches Verhalten
Neben technischen Hilfsmitteln braucht es eine klare Organisation. So muss entsprechend der Gefährdungsbeurteilung festgelegt werden, welche konkrete Schutzmaßnahmen umzusetzen sind. Wichtig ist beispielsweise, dass die auf der Baustelle verbauten Schutzkappen und -profile regelmäßig kontrolliert werden. Nicht zuletzt hilft auch Ordnung und Sauberkeit auf der Baustelle. Um Beschäftigte für sicheres Arbeiten zu sensibilisieren, sind kurze, arbeitsplatzbezogene Unterweisungen zu Unfallbeispielen mit Bewehrungseisen, Gefährdungen bei Sturz sowie Schutzmitteln und Verantwortlichkeiten besonders wirksam. Denn letztlich kommt es auch auf das sichere Verhalten an, um Unfälle zu vermeiden.
Peter Murnauer, Referat Hochbau, Hauptabteilung Prävention der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU)