5. Februar 2023

Freier Ausblick auf die Lahn – Interview mit Ernst Ulrich Tillmanns, Geschäftsführer von 4a Architekten

Bad Ems (pm) – In Nachbarschaft der Emser Therme haben 4a Architekten aus Stuttgart ein neues Thermenhotel gebaut. Im Interview erklärt Ernst Ulrich Tillmanns, Geschäftsführer und Gesellschafter des Architekturbüros, warum und wie genau das Gebäude, die öffentlichen Bereiche und die 84 Zimmer gestaltet wurden.

4a Architekten planen und realisieren Freizeit- und Thermalbäder, Sport- und Gesundheitsbauten, Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie Hotels unter dem Motto „Wir gestalten Atmosphäre, verleihen Identität und schaffen Aufenthaltsqualität“. Für die Kannewischer Collection hat das Büro bereits mit den Neubauten von Spreewald Therme und Hotel, der Emser Therme sowie dem Umbau von VitaSol in Bad Salzuflen gearbeitet. Sein aktuellster Auftrag war das Thermenhotel in Bad Ems, das im November 2021 eröffnet wurde und dieses Jahr seinen 1. Geburtstag feiert.

 

Ernst Ulrich Tillmanns (c) 4a Architekten

 

Sie haben 2012 schon das Thermenhotel neben der Spreewald Therme gebaut. Konnten Sie Erfahrungenvon dort auf das zweite Thermenhotel der Kannewischer Collection in Bad Ems übertragen?

Das Thermenhotel im Spreewald wurde speziell auf das Grundstück neben der Therme zugeschnitten und wird von den Gästen total gut angenommen. Aber man muss sich natürlich auf den jeweiligen Ort einlassen. Wegen des langen, schmalen Grundstücks war es in Bad Ems nicht möglich, die Zimmer wieder rechts und links von einem zentralen, freien Treppenhaus anzuordnen. Stattdessen orientieren sich alle 84 Doppelzimmer auf vier Etagen nach Süden. Um den Weg zu ihnen möglichst angenehm zu gestalten, haben wir sie auf der Nordseite durch Flure erschlossen, in denen großflächige Verglasung für viel Tageslicht sorgt. Ausgenommen sind zwei Bereiche, in denen wir dem Gebäude über alle Stockwerke eine Art Rucksack angehängt haben. In ihnen befinden sich alle Technik- und Nebenräume, weil wir wegen des schwierigen Baugrunds nicht in die Tiefe gehen konnten und auf ein Untergeschoss verzichten mussten.

 

Thermenhotel Bad Ems
(c) Kannewischer Collection

 

Wie haben Sie die Zimmer gestaltet?

Der freie Ausblick auf die Lahn stand für uns im Vordergrund bei der Gestaltung. Dafür haben wir die Fassade maximal verglast und mit Ganzglasschiebetüren und einer halbhohen Brüstung versehen. Das Doppelbett ist extra so ausgerichtet, dass man auf den Fluss und das Ufer gegenüber schauen kann. Diesen Blick hat man auch vom Bad aus, wenn man in ihm den Spiegel zur Seite bewegt. Insgesamt wurde es bewusst offen gehalten, um es noch größer wirken zu lassen. Im Vorraum zwischen Bad und Eingang können Gäste ihr Gepäck auf zwei Kofferablagen und in einem Schrank unterbringen.

Für wohlfühliges Ambiente sorgen Farben und hochwertigen Materialien: Teilweise wurde an den Wänden, die wie die Decke in einem Schlammton angestrichen sind, eine Tapete mit goldenem Muster angebracht, zum Bad hin sowie rechts und links vom Schrank Holzlamellen. Die Schranktür und das Kopfteil des Bettssind mit dunkelblauem Samt bezogen, den Knöpfe strukturieren. Den Boden bedeckt Teppichboden, um Trittgeräusche zu minimieren.

Auf welchem Weg gelangen Gäste vom Hotel in die Therme?

Die Verbindung ist wie im Spreewald ein Bademantelgang im ersten Stock. So gelangen die Badegäste vor Blicken von außen geschützt in die Therme und müssen keine öffentlichen Bereiche wie die Lobby durchqueren.

 

Thermenhotel Bad Ems
(c) Kannewischer Collection

 

Worauf haben Sie bei deren Planung Wert gelegt?

Wir wollten eine offene und einladende Atmosphäre schaffen, die eine gute Orientierung ermöglicht. Hinter der Rezeption im Erdgeschoss führt eine Treppe, die lediglich durch eine Glaswand vom Foyer getrennt ist, nach oben. Es gibt einen Shop und eine Bar mit offenem Kamin und Lesebereich, sodass bereits im Eingangsbereich ein stimmungsvolles Ambiente entsteht. Das langgestreckte Restaurant ist zur Lahn hin verglast und hat ein vorgelagerte, schmale Außenterrasse unter dem um 1,50 Meter auskragenden Dach. Parallel zum Restaurant liegt auf der Nordseite die Küche. Im separaten „Esszimmer“ können kleinere Gruppen unter sich sein. Glaswände und Holzlamellen definieren hier den Raum. Für mehr Privatheit lässt sich das Zimmer zudem mit einem Vorhang abtrennen. Auf der anderen Seite des Gebäudes gibt es einen Konferenzbereich, der über Eingangshalle zugänglich ist.

Wie haben Sie diesen konzipiert?

Der Konferenzbereich sollte möglichst flexibel sein. Er besteht aus einem Foyer und drei Räumen, die dank Schiebewänden in einen verwandeln werden können. Werden diese nicht benötigt, verschwinden sie elegant in Wandschränken. Auch die Möblierung ist variabel. Schöne Konferenztische und Stühle können in verschiedensten Konstellationen platziert und durch Loungemöbel ergänzt werden. Die technische Ausstattung ist mit Beamern in der Decke, Leinwänden zum Herunterlassen, Sound-System und WLAN auf dem neuesten Stand. Details sorgen für eine wohnliche Atmosphäre, wie großformatige Fotos auf den Schiebewänden. Oder die mit blauem Samt bespannten Schränke und die schwarze Decke mit goldenen, beleuchteten Aussparungen, die auch andernorts in der Inneneinrichtung vorkommen und sie wie ein roter Faden durch sie ziehen. Eher eigenständig ist die SkyLounge im fünften Stock.

Was ist deren Besonderheit?

Sie ist komplett verglast und hat ein Design im Hippie-Stil der 1960er Jahre mit niedrigen Lümmel-Sofas, Teppichen und bunten Schnüren, die kreuz und quer unter der Decke verspannt sind und sich auf der großen Außenterrasse mit Sitzsäcken und Lounge-Möbeln fortsetzen. Von ihr hat man einen wunderbarenBlick auf die Lahn. Der Rest des Flachdachs ist begrünt bzw. in Richtung Emser Therme mit Photovoltaik belegt, die zur nachhaltigen Haustechnik des Thermenhotels beiträgt.

Thermenhotel Bad Ems
(c) Kannewischer Collection

Zählt sonst noch etwas dazu?

Unter anderem die Wanddämmung und Wärmerückgewinnung, die beide einen hohen Standard haben. Oder die Dreifachverglasung der Fenster.

Auf welche Weise haben Sie die Außenfassade des Hotels strukturiert?

Insgesamt prägen sie große Glasflächen und horizontal verlaufende, weiße Bänder zwischen den Geschossen. Auf der Nordseite wurden die „Rucksäcke“ mit goldenem Trapezblechen verkleidet, die dem Gebäude auch eine vertikale Struktur geben.

Abgerundete Ecken und leichte Vorsprünge lösen die Strenge des langgestreckten Baukörpers auf. Eine Parallele zur Therme ist die Form abgerundeter Flusskiesel als Gestaltungselement. Sie findet sich u.a. im Querschnitt der „Rucksäcke“, des „Esszimmers“ oder der SkyLounge wieder.

Welches Echo gibt es auf das große, moderne Gebäude an der eher kleinteilig und historisch bebauten Viktoriaallee?

Bislang viel Positives. Die Gestaltung des Thermenhotels bildet zwar einen Kontrapunkt zu dem geschichtsträchtigen Komplex aus Kursaalgebäude, Brunnenhalle und Barockem Badeschloss. Dennoch fügt sich der neue Baukörper behutsam in den historischen Kontext ein.

 

Thermenhotel Bad Ems
(c) Kannewischer Collection

 

Weitere Informationen unter: www.kannewischer-collection.com

Pressemitteilung: Kannewischer Collection