23. September 2026

Flaggschiff des staatlichen Hochbaus: das neue Strafjustizzentrum in München

Strafjustizzentrum München: Flaggschiff des Hochbaus
© Bernd Jaufmann

München/Weismain (pm) – Ein Spaziergang rund um den Gebäudekomplex am Münchner Leonrodplatz ist gut einen halben Kilometer lang. Das neue Strafjustizzentrum in der Landeshauptstadt ist ein Megabauwerk – oder, wie der Hausherr und Präsident des Oberlandesgerichts, Hans-Joachim Heßler, bei der Einweihung betonte: „ein Schmuckstück von Justizgebäude“. Auf einer Nutzfläche, die mit 39.000 Quadratmetern fast achtmal so groß ist wie der Münchner Marienplatz, vereint es sieben Justizbehörden und bietet gut 1.300 Mitarbeitern Platz. Untergebracht sind hier das Amtsgericht, die Strafkammern der Landgerichte München I und II, die Staatsanwaltschaften München I und II, die Strafsenate des Oberlandesgerichts sowie die Generalstaatsanwaltschaft.

Insgesamt zehn Jahre Bauzeit – vom ersten Spatenstich bis zur feierlichen Übergabe – hat der Bau des komplex angelegten Gebäudes gedauert. Für eine solide Basis hatte der Freistaat als Bauherr bzw. das Staatliche Bauamt München 1 als Auftraggeber einen ausgewiesenen Spezialisten für Großbauprojekte und hochwertigen Sichtbeton ins Boot geholt: die dechant hoch- und ingenieurbau gmbh aus dem oberfränkischen Weismain. Das Bauunternehmen steht für die Realisierung namhafter Großprojekte wie den Terminal 3 am Frankfurter Flughafen. Dazu kommen Renommierprojekte im Bereich Sichtbeton wie die Oscar-Niemeyer-Sphäre in Leipzig oder die komplexen Sanierungsarbeiten an der von Architektenlegende Mies van der Rohe entworfenen Neuen Nationalgalerie in Berlin. Beim Bau des neuen Strafjustizzentrums erhielt das Unternehmen den Auftrag für den erweiterten Rohbau.

„Für diese Arbeiten wurden rund vier Jahre Bauzeit veranschlagt – und pünktlich eingehalten“, freut sich Philipp Vazquez, Leitung Unternehmensentwicklung und Stabsstellen bei dechant, der das Projekt an verantwortlicher Stelle durchgesteuert hat. Ein Team von 20 Bauleitern und Polieren sowie bis zu 180 weiteren Arbeitskräften war vor Ort für dechant tätig. „Und das Projekt bot – wie nahezu alle Großbauprojekte – einige spannende Herausforderungen.“

Die beiden Untergeschosse wurden aufgrund der vorherrschenden Bodensituation wasserundurchlässig mit einem zusätzlichen Frischbeton-Verbundsystem und einer bis zu 2,02 Meter starken Bodenplatte ausgeführt. Darauf wurden bis zu sieben Obergeschosse einschließlich hoher Räume mit Geschosshöhen von bis zu 13 Metern erstellt. Unter anderem wurden hier rund 160.000 Meter Elektroleerrohre verlegt.

Das neue Strafjustizzentrum ist ein Flaggschiff im Bereich des staatlichen Hochbaus und setzt neue Maßstäbe. Der Komplex ist in öffentliche und nichtöffentliche Bereiche unterteilt: So finden sich in den Untergeschossen u. a. Tiefgarage, Asservatenkammer, Haustechnik und Haftzellen. Die oberen Geschosse bieten Platz für 54 unterschiedlich große Gerichtssäle – darunter einer der größten in Deutschland mit gut 300 Quadratmetern Fläche. Er ist teilbar und hat deshalb mit „Illertissen“ und „Neu-Ulm“ gleich zwei Namen. Darüber hinaus sind in dem Bau Cafeteria und Kantine, 850 Büros und drei Innenhöfe untergebracht. Daraus ergibt sich eine architektonische Besonderheit: Der offene Bauwerksentwurf sieht unterschiedlich große Räume für verschiedenste Funktionen vor. „Dies machte bei der baulichen Umsetzung den Einsatz von zusätzlichem Traggerüstmaterial erforderlich“, unterstreicht Philipp Vazquez. Insgesamt wurden beim Bau rund 72.000 Stahlrohrstützen und 3.200 Schwerlaststützen benötigt.

Eine der größten Herausforderungen stellte die besondere Anfahrtssituation im Zentrum der Bayernmetropole für die Baulogistik dar. Doch auch hier fanden die Experten von dechant eine praktikable Lösung: Da die Baustelle nur von einer Seite aus bedient werden konnte, transportierte dechant sämtliche Materialien – darunter 11.269 Tonnen Betonstahl und Unmengen an Schalungs- und Rüstmaterial – mithilfe von sechs Hochbaukränen quer über die Baustelle. Bei Großbetonagen waren regelmäßig mehr als 100 Betonmischfahrzeuge im Einsatz. Gut 64.000 Kubikmeter Beton wurden mithilfe einer Pumpe über bis zu 200 Meter lange Rohrleitungssysteme sowie hydraulische Drehverteiler verbaut.

„Ein Betonbau dieser Dimension und Arbeiten bei sämtlichen Witterungsverhältnissen und zu allen Jahreszeiten stellen zudem besondere Herausforderungen an Organisation und Bautechnik vor Ort“, so Bauingenieur Vazquez. „Dazu gehören Einhausungen, Dämmungen und beheizte Schalungen im Winter sowie der Einsatz von Berieselungsanlagen im Sommer.“

Das neue Strafjustizzentrum besticht gestalterisch durch die Balance aus lichtdurchfluteter Transparenz und steinerner Architektur. Dazu trägt eine Spezialität der dechant hoch- und ingenieurbau gmbh bei: der elegante Sichtbeton. Für die Vorfertigung von Schalungsmaterial, zur Beschleunigung der Schalungsarbeiten und zur Gewährleistung höchster Qualität beim Sichtbeton hatte dechant auf der Baustelle eine eigene Schreinerei installiert. Rund 6.000 Quadratmeter Schalungsfläche in der höchsten Sichtbetonklasse SB4 hat das Unternehmen mit hohem baufachlichen Know-how in ästhetischer Vollendung verbaut – sichtbar an Wänden, Unterzügen und acht Meter hohen Säulen, die dem Gebäude einen modernen und hochwertigen Charakter verleihen und gleichzeitig eine besondere architektonische Verbindung zu den sonst vorherrschenden Materialien Glas, Stein und Holz eingehen.

Quelle: dechant hoch- und ingenieurbau gmbh