26. Mai 2022

Ein (Universitäts-) Gebäude der Zukunft in der HafenCity Hamburg

©PATRIZIA/C.F.Møller

Hamburg (ab) – „Wir haben uns die letzten Jahre viel Gedanken darüber gemacht, was eine nachhaltige und eine gut entwickelte Stadtstruktur darstellt. Das Thema einer sozialen Infrastruktur ist ein zentraler Bestandteil unserer Gesellschaft. Deswegen freue ich mich umso mehr, dass wir heute ein architektonisches Wettbewerbsergebnis vorstellen dürfen, das im Wesentlichen um die Fragen rankt, wie sollen wir in Zukunft Menschen ausbilden und Informationen vermitteln“, eröffnet Dr. Andreas Kleinau, Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH, die Vorstellung des Wettgewerbsergebnisses des hochkarätigen und internationalen Realisierungswettbewerbs für eine Hochschule in der HafenCity. Sieger ist das dänische Architekturbüro C.F. Møller Architects mit seinem innovativen, nachhaltigen und zukunftsfähigen Gebäude und städtebaulichen Konzept. An exponierter Lage direkt an der Wasserkante der Elbe im Quartier Strandkai entsteht ein Universitäts- und Bürogebäude, in dem die MSH Medical School Hamburg University of Applied Sciences and Medical University ihren Platz finden wird.

“Architektur für Forschung und Lernen ist ein Thema, mit dem wir uns schon sehr lange beschäftigen“, so Julian Weyer, Architekt und Partner von C.F. Møller Architekten. Die Architektur fügt sich in den Stadtteil ein und verbindet den Außenraum mit dem Inneren. Auf allen Seiten des Gebäudes gibt es unterschiedliche Öffnungen und Grünräume als städtebauliche Geste. „Es ist ein Bau, der zu allen Seiten mit der Stadt kommuniziert.“ Der Entwurf des Universitäts- und Bürogebäudes verbindet den Außenraum mit dem Innenraum durch eine offene Planung insbesondere des Untergeschosses, in der durch ein gastronomisches Angebot die Öffentlichkeit einbezogen wird.

„Dieses Leben zwischen den Gebäuden und zwischen den Räumen ist etwas, was uns ganz stark interessiert“, erklärt Julian Weyer die Denkweise des Architekturbüros. Neben dem Zusammenspiel von Innen und Außen regt das Raumkonzept zum Lernen, Forschen und Verweilen ein. Neben den modern ausgestatteten Unterrichtsräumen und Hörsälen gibt es abwechslungsreiche Zwischenräume, einladende Nischen und Ecken, wo das Lernen und das Forschen auch stattfinden kann. Dieses Raumkonzept erweckt das Gebäude zum Leben. „Hier entsteht Innovation, weil sich die Leute treffen, die gar nicht wussten, dass sie miteinander sprechen sollten“, freut sich der Architekt.

 

©PATRIZIA/C.F.Møller

 

Das Außergewöhnliche an dem Gebäude ist, dass es in seinen Nutzungsmöglichkeiten völlig offen ist. Die in den oberen Etagen angelegten Büroflächen sollen völlig flexibel nutzbar sein. Die Nutzung durch die Hochschule wird zeitlich begrenzt angelegt. Das Entwurfskonzept berücksichtigt eine spätere Rückbaubarkeit und Umwidmung spezifischer räumlicher Anforderungen. Es gibt eine tragende, permanente Grundstruktur aus ressourcenschonendem Gradientenbeton, die für viele Zwecke genutzt werden kann. Eingefügt in dieses Betonskelett wird eine raumbildende Struktur aus Holz. „Diese steht selbstständig in dem Gebäude und kann deshalb auch selbstständig wieder rausgelöst werden“, erzählt Julian Weyer. Das Architekturbüro hat in seiner Planung die unterschiedlichen Lebensdauern der Baumaterialien und verändernde Nutzungsmöglichkeiten einbezogen. Die Gebäudestruktur ist so konzipiert, dass sie nicht miteinander verbunden ist. Die eingebaute Holzkonstruktion für die MSH ist nach dem Cradle to Cradle Prinzip wieder verwendbar. „Dies ist ein wesentlicher Teil, wie wir Architektur nachhaltig machen“, so Julian Weyer.

„Die Konstruktion soll die Wiederverwendung des Gebäudes nach 50 Jahren sowie eine gesamte Lebensdauer von weit über 100 Jahren ermöglichen.“, so Harald Wüst, Head of Real Estate Development, Patrizia AG. „Als Bauherr stehen wir auch in diesem Projekt für Innovation und Nachhaltigkeit, um zukünftigen Generationen den Weg in eine grünere Zukunft zu ermöglichen und unseren Beitrag hier zu leisten.“

 

©PATRIZIA/C.F.Møller

 

Der Entwurf spiegelt den Nachhaltigkeitsgedanken nicht nur in der architektonischen Gestaltung wieder, sondern auch im Inneren aus der technischen Perspektive. Es wird das vom Büro Werner Sobeck und der Universität Stuttgart entwickelte Geschossdeckensystem aus Gradientenbeton eingesetzt. „Der Gradientenbeton verfolgt den Ansatz, durch gezielt platzierte Hohlräume das eingesetzte Gewicht in auf Biegung beanspruchten Bauteilen drastisch zu reduzieren und das bei gleichbleibender Belastbarkeit und geometrischer Form. Durch die Reduzierung der Masse einzelner Bauteile wird im Nutzungszyklus relevant CO2 eingespart. Die Grundidee des Gradientenbetons basiert auf der Knochenstruktur des menschlichen Körpers und wurde im Zuge weiterführender Entwicklungen so übernommen. Der heute verwendete Kubus, der in den Decken zu Ausführung kommen soll, ist ein Hohlkörper, der in die Decken eingebracht wird. In den immer enger werdenden gesetzlichen Vorgaben zur Reduktion der Emissionen aus dem Gebäudebetrieb wird im Rahmen dieses Projektes der zentrale Fokus auf die CO2 Emissionen der Errichtungsphase gelegt. Die Schichtung und differenzierte Alterung von Bauteilen ist die Grundlage des nachhaltigen Architekturkonzeptes“, so Harald Wüst. „Für uns als Projektentwickler ist es wichtig, die Ideen des Wettbewerbs mit unseren Partnern auch in die Tat umzusetzen und ein in allen Belangen nachhaltiges Gebäude zu errichten und somit den Weg für eine bessere Zukunft für kommende Generationen zu schaffen.“