13. Juli 2024

Ein Parkhaus als Brücke in die Zukunft

Holzparkhaus Schwanenweg, Wendlingen (c) moka-studio 2021

Stuttgart (pm) – Am Wendlinger Bahnhof entsteht ein Parkhaus aus Holz, das in einer Ära mit weniger Autos etappenweise umgenutzt werden kann. Mit diesem zukunftsfähigen Ansatz ist es nun zum IBA’27-Projekt ernannt worden.

Direkt am Bahnhof und in Nachbarschaft zum künftigen Otto-Quartier errichtet die Stadt Wendlingen am Neckar zusammen mit dem Stuttgarter Architekturbüro Herrmann + Bosch derzeit ein neues Parkhaus. Mit einer Höhe von rund 18 Metern bietet es auf fünf Ebenen Platz für zunächst knapp 350 Autos und 150 Fahrräder. Für Elektroautos gibt es 20 und für E-Bikes zehn Ladestationen. Im Herbst 2023 wurde Richtfest gefeiert, 2024 soll das Parkhaus eröffnet werden. Auf Empfehlung des international besetzten Kuratoriums hat der Aufsichtsrat der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart GmbH (IBA’27) jetzt beschlossen, das Parkhaus als offizielles IBA’27-Projekt aufzunehmen. Denn das Gebäude setzt gleich in mehrfacher Hinsicht neue Maßstäbe im zukunftsfähigen Bauen.

Bis auf einen Betonkern für Rampen und Treppenhäuser wird das Parkhaus ganz aus Holz gebaut, was nicht nur CO2 einspart, sondern dieses auch langfristig bindet. Verschraubte Verbindungen und der Verzicht auf Verbundmaterialien ermöglichen nach einer möglichst langen Nutzung des Gebäudes einen einfachen Abbau und die Wiederverwendung der Materialien. Solarzellen auf dem Dach erzeugen Strom und die Südfassade wird begrünt. Außerdem kann das Holzparkhaus in einer Zukunft mit weniger Autos etappenweise umgebaut werden. So sind die großzügigen Parkgeschosse bereits jetzt für einen Umbau zu Wohn- und Arbeitsräumen ausgelegt. Der Betonkern kann von oben geschossweise ausgebaut und durch einen lichtspendenden Innenhof ersetzt werden.

»Das Holzparkhaus ist ein Innovationsprojekt, das kreislauffähige Materialien und einfache Konstruktionen in den Mittelpunkt stellt. Schon jetzt erfährt es europaweit Aufmerksamkeit und kann einen wegweisenden Beitrag zur IBA leisten«, so Karin Lang, Kaufmännische Geschäftsführerin der IBA’27. IBA’27-Intendant Andreas Hofer: »Im Gegensatz zu teuren Tiefgaragen kann ein solches Parkhaus leicht anders genutzt oder wieder abgebaut werden. Damit ist es eine Brücke in eine Zeit, in der sich die Städte mehr und mehr von der Last des Autos befreien. Es ist ein leuchtendes Vorbild, wie wir mit einfachen Mitteln auf Unsicherheiten der Zukunft reagieren können – und damit auch beispielhaft für die Fragen der Mobilität in unseren vielen Quartiersprojekten.«

Mit dem Wendlinger Holzparkhaus zählt die Bauausstellung nun 24 IBA’27-Projekte und mehr als 100 Vorhaben im IBA’27-Netz. Das Ausstellungsprogramm wird kurz vor dem Präsentationsjahr 2027 aus dem gesamten Portfolio kuratiert. Trotz der aktuellen Baukrise sehen die IBA-Verantwortlichen bei derzeit rund 45 Projekten und Vorhaben ein gutes Potenzial, Teil der Ausstellung zu werden, viele davon große und komplexe Quartiersentwicklungen. Etwa 20 werden nach aktuellem Stand in wesentlichen Teilen fertiggestellt sein.

Hintergrund

Genau 100 Jahre nach dem Aufbruch der Architekturmoderne am Stuttgarter Weissenhof sucht die Internationale Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart (IBA’27) nach der Zukunft des Bauens und Zusammenlebens in einem der wirtschaftlich stärksten Zentren Europas. Die Ausstellungsorte im Jahr 2027 sind Bauten und Infrastrukturen, die den Aufbruch in eine nachhaltige Zukunft sicht- und greifbar machen: Häuser und Quartiere, die Funktionen und Lebensbereiche mischen und so Nähe zwischen Menschen in einer produktiven Stadtregion schaffen, kleine und große Stadtbausteine, die urbane Dichte herstellen und das öffentliche Leben feiern. Den Vorhaben und Projekten der IBA’27 gemeinsam ist der Wille zu einem nachhaltig wertschätzenden Umgang mit Materialien, Räumen und sozialen Beziehungen.

Gesteuert wird die Bauausstellung von der IBA’27 StadtRegion Stuttgart GmbH. Gesellschafterinnen sind die Landeshauptstadt Stuttgart, der Verband Region Stuttgart und die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH, die Architektenkammer Baden-Württemberg sowie die Universität Stuttgart. Die Gesellschafterinnen übernehmen anteilig die laufende Finanzierung der GmbH. Zusätzliche Unterstützung erhält die IBA’27 vom Land Baden-Württemberg und aus der Wirtschaft. Der Verein IBA’27 Friends e.V. fördert und initiiert Veranstaltungen und Projekte, die die IBA begleiten.

Quelle: Internationale Bauausstellung 2027 / StadtRegion Stuttgart GmbH