Braunschweig (pm) – Zwischen Digitalisierung, sozialer Ungleichheit und neuen Lernformen wächst weltweit der Bedarf an Räumen, die ganzheitliche Bildung ermöglichen. Doch wie müssen Bildungsorte aussehen, damit Lernen heute wirklich gelingt? Mit dieser Frage beschäftigten sich Architekturstudierende der Technischen Universität Braunschweig in Kooperation mit dem Verein „BE YOUR OWN HERO“. Für den geplanten Bau eines Bildungs- und Innovationszentrums in Südafrika entwickelten sie architektonische Visionen.
Die Entwürfe der 22 Masterstudierenden der TU Braunschweig bleiben nicht theoretisch: Sie sind für einen realen Ort in Südafrika gedacht, an dem der Bildungsraum künftig entstehen soll. Underberg, am Fuß der Drakensberge nahe der Grenze zu Lesotho, ist eine ländliche Region auf 1.520 Metern Höhe. Die Region ist geprägt von schwacher Infrastruktur und hoher Arbeitslosigkeit. Viele Jugendliche haben kaum Aussicht auf eine feste Anstellung.
Hier setzt der BE YOUR OWN HERO e.V. (BYOH) an. Der Verein begleitet Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg ins Erwachsenwerden – ganz im Sinne seines Leitgedankens: „Wir schenken einer Region die Zukunft ihrer Kinder.“
Die Aufgabenstellung für die Masterarbeiten unter dem Titel „Expanding Learning Spaces“ entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Verein. Im kontinuierlichen Austausch entwickelten die Studierenden ihre Entwürfe auf Basis konkreter Bedürfnisse vor Ort. Damit schufen sie die Grundlage für einen ganz besonderen Bildungsbaustein: die Entstehung eines ökologisch verantwortungsvollen und zukunftsweisenden Gebäudes, das Bildung außerhalb klassischer Schulstrukturen ermöglicht. Das Imbizo Rise Center wird nun in das Ökosystem des BYOH integriert.
Von lokalen Traditionen zu neuen Berufswegen
Unter der Leitung von Professorin Almut Grüntuch-Ernst, Institut für Entwerfen und Gebäudelehre der TU Braunschweig, und der Projektleiterin Nicole Froberg, Architekturbeauftragte des BYOH, setzten sich die Studierenden vier Monate lang mit dem Ort sowie allen Gegebenheiten auseinander. Neben den Themen lokales Klima und dessen Auswirkungen auf Architektur, lokale Baustoffe und Infrastrukturen erforschten sie auch die Architekturtraditionen und die Kulturgeschichte. Das Imbizo Rise Center will die Potenziale der Jugendlichen aus Südafrika fördern und sie auf dem Weg in die Arbeitswelt begleiten. Konkrete Vorstellungen zum Raumprogramm gab es bereits: Es soll ein Makerspace, ein Digital- und ein Kreativlabor sowie eine Werkstatt entstehen. Ziel ist es, die Jugendlichen beim Entdecken ihrer Talente und Leidenschaften zu unterstützen.
Premiere für die Abschlussarbeiten im Haus der Stiftungen
Am 4. März 2026 wurden die Abschlussarbeiten im Haus der Stiftungen in Braunschweig präsentiert. Nach der Begrüßung durch die Gastgeberin Maria-Rosa Berghahn, Direktorin der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, stellte Joachim Franz, Vorsitzender des BYOH e. V., die Hintergründe und Ziele des gemeinsamen Projekts Imbizo Rise Center vor. Er beschrieb dessen besondere Bedeutung – sowohl für den Verein als auch insbesondere für die Jugendlichen in Underberg, Südafrika.
„Für uns ist entscheidend, dass eine Architektur entsteht, die junge Menschen anzieht, zum Bleiben motiviert und ihnen echte Zukunftschancen eröffnet. Die Studierenden haben sehr genau hingehört – auf die Bedürfnisse der Jugendlichen, auf die Bedingungen vor Ort und auf unsere Erfahrungen in Underberg. So sind Entwürfe entstanden, die uns im direkten Vergleich sehr gut zeigen, welche unterschiedlichen Ansätze denkbar sind”, so Nicole Froberg, Projektleiterin und Architekturbeauftragte des BYOH.
Drei Teams ausgezeichnet
Bevor die Studierenden ihre Arbeiten vorstellten, erläuterte Professorin Almut Grüntuch-Ernst die vorausgegangene Analyse des Ortes sowie die daraus entwickelten Ziele und Schwerpunkte der Entwürfe. „Schulen sind weit mehr als Orte der Wissensvermittlung. Sie sind soziale Räume – Orte, an denen Gemeinschaft entsteht. Orte, an denen junge Menschen lernen, Verantwortung zu übernehmen und Zukunft zu gestalten. Verantwortung auch für das Zusammenleben über die Generationen und Grenzen hinaus“, so Professorin Grüntuch-Ernst.
In einer abschließenden Bewertungsrunde konnten die Anwesenden ihre Favoriten markieren. Drei Teams überzeugten mit ihren Entwürfen und wurden dafür ausgezeichnet.
Die Gewinner Theo Meerjanssen und David Bömelburg zeigten sich beeindruckt von der Zusammenarbeit und der Relevanz des Projekts. Theo Meerjanssen sagt: „Uns war es sehr wichtig, die lokale Kultur bei dem Entwurf zu berücksichtigen. Dadurch wollen wir erreichen, dass die Menschen sich mit dem Imbizo Rise Center identifizieren“.
Teamkollege David Bömelburg betont: „Wir haben die in der Region traditionelle Lehmbauweise in den Entwurf einfließen lassen. Auch das wird zur Akzeptanz des Bildungscenters beitragen“.
BE YOUR OWN HERO e. V.
Der BE YOUR OWN HERO e. V. unterstützt Kinder und Jugendliche in Underberg Südafrika. Eine ländliche Gegend auf 1.520 Höhenmetern, die mit mangelhafter Infrastruktur und einer extremen Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat. Jeder zweite Jugendliche hat keine Chance auf einen festen Arbeitsplatz. Der Verein arbeitet seit 20 Jahren für einen sicheren Lebensort und schafft jungen Menschen Perspektiven für eine selbstbestimmte Zukunft. Der Leitsatz des Vereins: Wir schenken einer Region die Zukunft ihrer Kinder.
Quelle: Technische Universität Braunschweig