26. Oktober 2021

Ein integratives Konzept für mehr Gemeinschaft

Modellhaftes Bauen in Deutschland: die von a+r Architekten entworfene Passerelle in Tübingen bietet Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte ein Zuhause

Das neue Gebäude des stadtteilbezogenen Wohn-, Aktions- und Gesundheitsprojektes für geflüchtete und nicht geflüchtete Menschen wurde von a+r Architekten entworfen. Foto: Marcus Ebener

Stuttgart (pm) – Bereits im Jahr 2019 hat die Passerelle, ein Sozialprojekt für geflüchtete und nicht geflüchtete Menschen, den Tübinger Integrationspreis erhalten. Und nun wurde deren neues Gebäude zum wiederholten Mal gewürdigt: als eines der 37 ausgewählten Projekte für Modellhaftes Bauen in Deutschland im Rahmen der „Neue Leipzig-Charta“, die sich für eine gemeinwohlorientierte, integrierte und nachhaltige Stadtentwicklung einsetzt. Die in Stuttgart und Tübingen ansässigen a+r Architekten haben das Haus für die Passerelle in der Tübinger Südstadt entworfen und ein schlüssiges Konzept für das gemeinschaftliche Wohnen entwickelt.

Als eines von 37 Projekten, die für modellhaftes Bauen in Deutschland stehen und die innovativen Ansätze der „Neue Leipzig-Charta“ (NLC) verwirklichen, wurde kürzlich die Passerelle in Tübingen ausgewählt – das neue Gebäude des stadtteilbezogenen Wohn-, Aktions- und Gesundheitsprojektes für geflüchtete und nicht geflüchtete Menschen in der Tübinger Südstadt. Getragen wird das Projekt vom Institut für Gesundheitsförderung und Sozialforschung x-igs e.V. sowie von Freiwilligen, Interessierten und von Mitgliedern einer privaten Baugemeinschaft.

„Passerelle“ bedeutet „Übergang“ und beschreibt den Leitgedanken der Initiative: Im Rahmen gemeinsamer Aktivitäten – dem Schreinern, Töpfern, Gärtnern und vielen anderen Tätigkeiten – sollen nach den Vorstellungen der Projektverantwortlichen, „vielfältige Übergänge ermöglicht werden“. Bildungsangebote, Gesundheitsförderung, gemeinsames Feiern und kreative Workshops, all das findet in den Gruppenräumen der Tübinger Initiative statt und unterstützt dabei, in der Gesellschaft Fuß zu fassen.

Das von a+r Architekten entworfene Gebäude in der Hechinger Straße befindet sich direkt am Quartiersplatz und wurde im Herbst 2019 bezogen. Es bietet 13 Wohnungen mit verschiedenen Grundrissen sowie gemeinschaftlich nutzbare Projekt- und Werkstatträume. Ebenfalls im Jahr 2019 erhielt das Projekt Passerelle den Tübinger Integrationspreis, den die Stadt Tübingen für Projekte zur Integration und Chancengleichheit von Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte vergibt. Dies hat die Bauherrenschaft besonders gefreut, die sich bezahlbare Wohnungen für geflüchtete und nicht geflüchtete Menschen wünschte. Der Anteil an Geflüchteten sollte bei etwa 80 Prozent liegen und das Gebäude den Integrationsprozess und das Miteinander unterstützen.

Wertig und robust
„In diesem Zusammenhang ist es uns wichtig hervorzuheben, dass wir mit einfachen und kostengünstigen Materialien bauen und gleichzeitig ein wertiges und robustes Gebäude verwirklichen wollten“, so die Aussage des Geschäftsführers und Projektleiters Walter Fritz. Zudem wurde auf ausreichenden Schallschutz geachtet, denn das Gebäude liegt an einer vielbefahrenen Bundesstraße.

a+r Architekten entschieden sich für eine klare Gebäudestruktur in Stahlbetonskelettbauweise und Ausfachungen mit Holzrahmenbauelementen. „Die Fassade zeigt ein gehobenes Erscheinungsbild“, kommentiert Walter Fritz.

Ein verbindendes Element bildet der Innenhof, den die Bewohner der Passerelle mit zwei weiteren Wohnprojekten gemeinschaftlich nutzen und gestalten – ein Garten ist in Planung. „Alle Projektbeteiligten hatten den Wunsch, dass sich an diesem Ort urbanes Leben entfalten soll“, so der Architekt.

Bauen im Dialog
Nach Aussage von Walter Fritz hat sich der Verein auch bei der Konzeption der Gemeinschaftsräume intensiv eingebracht. Diese Grundidee vom „Bauen im Dialog“ ist ein essentieller Planungsansatz von a+r Architekten. Darin treffen sie sich mit den Kernaussagen der neuen Leipzig-Charta, welche unter anderem festhält, dass die Stadtentwicklung zu einer Sache aller gemacht werden solle: „Projekte und Programme sollen gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern entwickelt werden. Dies drückt sich in der konsequenten Ausrichtung auf das Gemeinwohl sowie die Verantwortung von Städten im Bereich des Klimaschutzes und der Umweltgerechtigkeit aus.“ *

Pressemitteilung: a+r Architekten