30. November 2022

Dritter Preis für den Wettbewerbsvorschlag von White Arkitekter für die Neue Medizinische Klinik in Tübingen

Kliniken Tübingen (c) HPP Architekten / White Arkitekter

Göteburg (pm) – Unser Vorschlag für die Neue Medizinische Klinik des Universitätsklinikums Tübingen wurde in einem internationalen Wettbewerb mit 17 Architekturbüros aus verschiedenen Ländern Europas mit dem dritten Preis ausgezeichnet.

In Zusammenarbeit mit HPP schlug White Arkitekter ein übergeordnetes Leitkonzept des Gebäudes vor, das auf einer horizontalen Zwei- bzw. Dreiteilung des Gebäudes basiert: auf dem 2- geschossigen Sockel befindet sich ein aufgelöstes Verbindungs- bzw. Hybridgeschoss und darauf aufgesetzte leichte Pflegebereiche in Holzbauweise.

„Der Preis ist ein weiterer Beweis dafür, wie sehr deutsche Bauherren am skandinavischen Architekturansatz interessiert sind und dass die enge Zusammenarbeit mit lokalen Partnern ein erfolgreiches Konzept ist. Unser Stuttgarter Büro wächst seit der Eröffnung im vergangenen Jahr rasant“, so Carl Bäckstrand, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von White Arkitekter.

„Wir sind sehr stolz auf unseren Wettbewerbsbeitrag und den ehrenhaften dritten Preis. Unser Vorschlag wurde von der Jury für seine architektonischen Gestaltungsqualitäten und für die besondere Beachtung der gesundheitsfördernden Aspekte von Architektur und Landschaft gewürdigt. Darüber hinaus wurde das in die architektonische Gestaltung integrierte Nachhaltigkeitskonzept als ganzheitlich und hervorragend gewürdigt. Wir möchten unseren Partnern HPP, unseren Tragwerksplanern knippershelbig und dem gesamten multidisziplinären Designteam unseren Dank aussprechen. Alle haben mit großem Enthusiasmus und Entschlossenheit zusammengearbeitet, um diesen ikonischen Vorschlag zu liefern und die Möglichkeit aufzuzeigen, ein klimaneutrales Krankenhausdesign zu liefern. Wir möchten auch die Gelegenheit nutzen, den Gewinnern Hascher Jehle Design zu ihrem qualitätvollen Vorschlag zu gratulieren“, so Cristiana Caira, leitende Architektin des Wettbewerbsentwurfs, White Arkitekter.

 

Kliniken Tübingen (c) HPP Architekten / White Arkitekter

 

Städtebauliches & architektonisches Konzept

Das übergeordnete Leitkonzept des Gebäudes basiert auf einer horizontalen Zwei- bzw. Dreiteilung des Gebäudes – Sockel, aufgelöstes Verbindungs- bzw. Hybridgeschoss (das dem Sockel zugeordnet werden kann) sowie aufgesetzten leichten Pflegebereichen in Holzbauweise. Der Sockel des Gebäudes folgt in seiner Ausgestaltung dem Verlauf des Hanges, er tritt gestalterisch in den Hintergrund und bettet sich in den natürlichen Topografieverlauf ein. Ebene 3 bildet eine transparente Fuge zwischen Sockel und den Flügeln der Pflegebereiche. Die Funktion als vermittelndes Geschoss kohäriert mit der Funktion als Haupterschließungsebene des Krankenhauses. Große, gut angebundene Bereiche sowie kurze Wege gewährleisten effiziente Abläufe und eine große Flexibilität, um auf zukünftige Entwicklungen reagieren zu können. Die Flügel der Pflegebereiche schweben über dem Sockel und kragen freitragend über diesen hinaus. Die Flügel sind so konzipiert, dass der Ausblick aus den Patientenzimmern in die Landschaft optimiert wird. Funktionale und effiziente Personalzonen und kurze Wege auf den Stationen gewährleisten optimale Betriebsabläufe. Die Form der Flügel sorgt für eine große Flexibilität zwischen den Stationen, da diese über unterschiedliche Größen und viele Patientenzimmer verfügen. Die Kreuzförmige Struktur der CRONA-Klinik wird aufgenommen, in den Neubau übergeleitet und adaptiert. Die Magistrale verbindet das NMK mit dem CRONA-Klinikum und dem Bettenhaus West und verbindet die Bauphase 1 mit der Bauphase 2 sowie mit der äußeren Magistrale des gesamten Campus. Gegenüber den öffentlichen Aufzügen liegt ein großzügiges Atrium mit einer Freitreppe die einladend und skulptural alle Ebenen fußläufig miteinander verbindet. Die Gestaltung regt dazu an, die Treppe zu nutzen und bildet zugleich einen wichtigen Orientierungspunkt für Patienten und Besucher. Am Knickpunkt der Magistrale auf der Haupterschließungsebene 3 mündet diese in einen großen offenen Wartebereich mit Café, Lounge und Spielzone für Kinder.

Das gesamte Gebäudekonzept basiert grundlegend auf einer ressourcenschonenden und CO2 reduzierten Bauweise. Die Sockelgeschosse sind zu großen Teilen eingegraben bzw. erdberührt und werden in Stahlbetonbauweise ausgeführt. In diesem Bereich werden alle Funktionen mit erhöhten Anforderungen an Stützenfreiheit, Flexibilität, Erschütterungen, etc. untergebracht. Die drei oberen Geschosse, in denen vorwiegend die einzelnen Pflegebereiche untergebracht sind, werden vollständig in Holzbauweise realisiert. Die volumetrische Ausformulierung der Pflegebereiche garantiert allen Patienten einen hohen Tageslichteintrag sowie einen großartigen Ausblick über Tübingen und die schwäbische Alb.

 

Kliniken Tübingen (c) HPP Architekten / White Arkitekter

 

Tragwerkskonzept

Das Sockelgebäude ist in konventioneller Skelettbauweise aus Stahlbeton vorgesehen. Die Gründung erfolgt über ein hybrides System aus Platten und Streifenfundamenten. Die auskragenden Flügel in den Obergeschoßen werden vollständig in einer tragenden Holzkonstruktion ausgeführt. Die vorgefertigten Deckenelemente aus dünnen Brettsperrholzplatten mit regelmäßigen schlanken Brettschichtholzrippen spannen quer und liegen auf längstragenden Unterzügen auf. Im Fassadenbereich ermöglichen die über drei Geschosse verlaufenden Holzfachwerkträger die Auskragung der Gebäudeflügel zu überwinden. Die Fachwerkkonstruktion wird neben Holzunterzügen mit einem zweiten Fassadenrandträger gefasst. Dieses hybride Konzept ermöglicht redundantes Abtragen von Horizontalkräften aus Wind und im Erdbebenfall. Die für das Bauwerk vorgesehene Bauweise ermöglicht einen sehr nachhaltigen Umgang mit den eingesetzten Materialien. Die reduzierte Eigenlasten im Vergleich zum Massivbau wirkt sich positiv auf die Bauteildimensionen der stützenden Bauteile und der Gründung aus. Die Planung wird als Gebäudeklasse 5 eingestuft, aufgrund der Höhenlage aber nicht als Hochhaus.

Nachhaltigkeit

Für die Gebäudehülle ist die thermische Qualität der KfW-Effizienzgebäude 40 mit einer deutlichen Unterschreitung der gesetzlichen Vorgaben maßgeblich. Zur Reduktion der eingesetzten Massen und damit verbundenen CO2-Emissionen wird ein mehrlagiger Aufbau unter Einsatz ideal für die jeweiligen Schichten geeigneter Materialien gewählt.

Durch die Nutzung von Holz als wesentliches Tragwerksmaterial in den oberen Geschossen, sowie durch den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen im Ausbau und der Fassade, können Treibhausgasemissionen effektiv eingespart werden und der gespeicherte Kohlenstoff bleibt langfristig in den Bauteilen gebunden. Dieser Entwurf sieht vor, dass sämtliche Bauteile entweder als ganzes Element wiederverwendet werden können oder durch eine sortenreine Trennung dank lösbarer Verbindungen in einzelnen Schichten in ihren jeweiligen Wiederverwertungsprozess rückgeführt werden können. Das technische Konzept orientiert sich an den Grundsätzen hoher Effizienz, die konsequente Nutzung aller Abwärmepotentiale mithilfe von reversiblen Wärmepumpen und die Nutzung regenerativer Energiequellen wie Abwärme und Photovoltaik.

Freiraumkonzept

Die Terrassen und die öffentliche Ebene 3 ermöglichen einen gut lesbaren Weg durch das Gebäude, der an den geplanten linearen Park des Campus anschließt und ermöglicht direkte Verbindungen zum Hang mit Blick auf die Stadt. Die Haupterschließung des Gebäudes wird durch eine Reihe nach Süden ausgerichteter Höfe und Gärten begleitet. Diese üppigen, grünen Gärten werden von Mitarbeitern, Patienten, Besuchern und der Campusgemeinschaft gleichermaßen genutzt. Aktive Bewegung wird gefördert, Fahrradparkplätze werden verteilt um das Gebäude herum angeboten.

 

Kliniken Tübingen (c) HPP Architekten / White Arkitekter

 

Auszug aus dem Protokoll der Jury:

„Insgesamt zeigt der Wettbewerbsbeitrag eine sehr eigenständige und ausdrucksstarke Entwurfsidee, die sich besonders in der Gestaltung der Patientenbereiche fortsetzt. Das umfassende Konzept zur Nachhaltigkeit unterstreicht die hohe Qualität des Konzepts.“

„Bei der konstruktiven Ausbildung der Obergeschosse wurde das Potential des Holzbaus vollumfänglich genutzt. Die weitauskragenden Obergeschosse beeindrucken. Für die Tragstruktur wird hier als prägendes Element, ein Holzfachwerk über 3 Geschosse gewählt.“

„Auch in den Innenräumen wird durch den Einsatz von Holz eine angenehme Raumatmosphäre geschaffen. Der Einsatz ressourcenschonender Baukonstruktionen und trennbarer Bauteile wird detailliert nachgewiesen und sehr positiv bewertet.“

„Das Energie- und Technikkonzept ist ganzheitlich und vorbildhaft bearbeitet. Die Nachhaltigkeit im Bau und Betrieb des Gebäudes sowie im Kontext der Menschen im Krankenhaus („Salutogenese“) wird besondere Beachtung geschenkt.“

 

Pressemitteilung: White Arkitekter