2. November 2026

Historische Klinker, moderne Architektur: Eine Scheune neu interpretiert

Westergellersen (pm) – Mitten im historischen Dorfkern von Westergellersen entstand ein Wohnhaus, das bewusst den Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart sucht. Die Dorfscheune interpretiert die Formensprache traditioneller landwirtschaftlicher Gebäude neu und verbindet historische Materialien mit moderner Architektur.

Das Projekt wurde als Bauherrenentwurf entwickelt. Haus und Garten entstanden aus den Ideen und Entwürfen der Bauherrin Melanie von der Pütten zusammen mit Carsten Wolf, mit dem Ziel, ein Gebäude zu schaffen, das sich selbstverständlich in die gewachsene Dorfstruktur einfügt und gleichzeitig zeitgemäße Wohnqualität bietet.

Die Architektur orientiert sich an klassischen Scheunenformen der Region. Der klare Baukörper, die ruhige Fassadengliederung und die reduzierte Materialpalette greifen typische Elemente historischer Dorfarchitektur auf und übersetzen sie in eine zeitgenössische Gestaltung.

Proportion und Baukörper

Bei der Entwicklung des Baukörpers spielte die Proportion eine zentrale Rolle. Die Fassadengliederung folgt bewusst dem Goldenen Schnitt, einer klassischen Gestaltungsregel der Architektur, die seit Jahrhunderten für harmonische Bauproportionen verwendet wird.

Diese Proportionsordnung sorgt dafür, dass das Gebäude trotz seiner modernen Bauweise eine ruhige und ausgewogene Wirkung entfaltet. Gleichzeitig orientieren sich Volumen und Dachform an traditionellen Scheunenstrukturen des Dorfes.

Dadurch entsteht ein Baukörper, der sich selbstverständlich in das historische Umfeld integriert und gleichzeitig eine eigene architektonische Identität entwickelt.

Historische Materialien

Ein prägendes Element der Dorfscheune ist die Fassade aus rund 300 Jahre alten historischen Klinkersteinen, die ursprünglich aus Gebäuden im Raum Warschau stammen.

Die Ziegel wurden sorgfältig geborgen, gereinigt und anschließend für den Neubau wiederverwendet. Ihre individuelle Struktur, Farbigkeit und Patina verleihen der Fassade eine besondere Tiefe und Authentizität.

Durch die Wiederverwendung der historischen Materialien entsteht eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die dem Gebäude eine eigene Geschichte verleiht.

Fassadengestaltung

Die Fassaden der Dorfscheune sind geprägt von einer klaren, ruhigen Gliederung. Rundbogenfenster, handwerkliche Details und Kupferarbeiten setzen gezielte Akzente.

Besondere Aufmerksamkeit galt den Proportionen der Fensteröffnungen. Während der Bauphase wurde das Erdgeschoss sogar um zwei Steinreihen erhöht, um die Wirkung der Rundbogenfenster zu optimieren.

Diese Entscheidung verdeutlicht den hohen gestalterischen Anspruch des Projekts, bei dem selbst kleine Veränderungen eine große Wirkung auf die Gesamtarchitektur haben können.

Kupferdetails an Dach und Fassade ergänzen die Materialität des Hauses und entwickeln im Laufe der Zeit eine natürliche Patina.

Innenarchitektur

Auch im Inneren verbindet die Dorfscheune traditionelle Elemente mit moderner Architektur.

Sichtbare Betonelement bildet einen bewussten Kontrast zur historischen Fassade und verleiht den Innenräumen eine klare, zeitgenössische Struktur.

Über dem Wohnbereich öffnet sich eine Galerie mit Bad en suite, die den Raum über zwei Ebenen verbindet und eine besondere räumliche Großzügigkeit entstehen lässt.

Ein weiteres prägendes Element ist ein historischer Kachelofen, der als zentrales Element des Wohnbereichs nicht nur Wärme spendet, sondern auch ein Stück Baugeschichte in das Gebäude integriert.

Nachhaltigkeit

Die Dorfscheune wurde als A+ Energiehaus realisiert und verbindet traditionelle Bauformen mit moderner Gebäudetechnik.

Die Kombination aus langlebigen Materialien, energieeffizienter Bauweise und nachhaltiger Planung unterstreicht den Anspruch, Architektur zu schaffen, die sowohl gestalterisch als auch ökologisch langfristig Bestand hat.

Architektur als persönliche Geschichte

Besonders bemerkenswert an diesem Projekt ist, dass es vollständig von den Bauherren selbst entwickelt wurde. Der Entwurf entstand nicht aus einem klassischen Architekturbüro, sondern aus der persönlichen Vision der Bauherren.

Viele Entscheidungen während des Bauprozesses wurden direkt auf der Baustelle getroffen – oft aus dem Zusammenspiel von gestalterischer Intuition, handwerklicher Umsetzung und dem Wunsch, ein außergewöhnliches Zuhause zu schaffen.

Die bauliche Umsetzung des Projekts erfolgte durch das Bauunternehmen OPITZ mit Sitz in Wietzendorf.

Heute steht die Dorfscheune als ein Gebäude, das historische Materialien, traditionelle Bauformen und moderne Architektur miteinander verbindet.

Ein Haus, das Geschichte weiterträgt – und gleichzeitig Raum für neue Geschichten schafft.

Quelle: Melanie von der Pütten, Carsten Wolf