26. Mai 2026

Diriyah: Wie ein saudischer Stadtentwickler Städte so konzipiert, dass der Mensch im Mittelpunkt steht

Gastbeitrag (pm) – Die Stadtentwicklung der Zukunft legt nicht mehr nur Wert auf Größe und Bevölkerungsdichte, sondern auch darauf, wie effektiv eine Stadt das menschliche Erlebnis in den Mittelpunkt stellt. Weltweit überdenken Städteplaner derzeit, wie Menschen leben, sich fortbewegen und begegnen. In Saudi-Arabien nimmt diese Debatte in Diriyah, am nordwestlichen Rand von Riad, Gestalt an. Diriyah ist der 300 Jahre alte Geburtsort des ersten saudischen Staates und des Königshauses Al Saud sowie Heimat des UNESCO-Weltkulturerbes At-Turaif. Heute ist es zudem Standort eines rund 54 Milliarden Euro schweren Bauprojekts, das sich über 14 Quadratkilometer erstreckt.

Das Giga-Projekt konzipiert Diriyah als integriertes städtisches Umfeld. Nach der Fertigstellung wird die Stadt Wohnraum für rund 100.000 Einwohner bieten. Dazu kommen Büros für Firmen aus den Bereichen Technologie, Medien und Kunst, eine Universität und 16 Schulen, neun Museen und ein Opernhaus, mehr als 566.000 m² an Einzelhandels- und Gastronomieangeboten sowie rund 40 renommierte Hotels.

Was Diriyah auszeichnet, ist nicht seine Fläche oder Größe, sondern die zugrunde liegende Methodik. Von den frühesten Planungsphasen an wurde die Entwicklung von einem „People-First“-Ansatz geleitet. Dabei liegt der Fokus darauf, wie Familien und Einzelpersonen sich im Alltag bewegen und diesen erleben. Dadurch stehen Begehbarkeit, Barrierefreiheit und langfristige Lebensqualität im Vordergrund, was sowohl die Architektur als auch die Infrastruktur der Stadt prägt.

Kern dieses Ansatzes ist die Schaffung einer fußgängerfreundlichen Stadt. Ein 5,7 km langes Tunnelnetz und umfangreiche Tiefgaragensysteme ermöglichen es, den Fahrzeugverkehr weitgehend vom Fußgängerleben über der Erde zu trennen. So entstehen zusammenhängende, fußläufig erschließbare Stadtviertel, die durch öffentliche Verkehrsmittel verbunden werden. Darunter vier Stationen mit direkter Anbindung an die Metro der saudischen Hauptstadt Riad.

Wichtige Stadtteile wie der Diriyah Square werden vollständig fußgängerfreundlich gestaltet und umfassen mehr als 400 Einzelhandelsgeschäfte und Gastronomiebetriebe. So wird nicht nur die Wirtschaft angetrieben, sondern es werden auch urbane Räume geschaffen, in denen Menschen zu Fuß zur Arbeit gehen, sich mit Familie und Freunden treffen und einen entschleunigten Alltag leben.

Dabei spielt die Landschafts- und Umweltgestaltung eine entscheidende Rolle. Diriyah, mitten in der saudischen Wüste, plant die Anpflanzung von mehr als 6,5 Millionen Bäumen, Pflanzen und Sträuchern, um die klimatischen Herausforderungen der Region abzumildern und die Stadt abzukühlen. Dies lädt die Bewohner und Touristen wiederum zu Bewegung in einem Netz aus neuen Wegen und öffentlichen Plätzen und einem 3 km langen Wanderweg entlang der Steilwand mit Blick auf das historische Wadi Hanifah ein. 

Die kulturelle Kontinuität in Diriyah ist als neu interpretiertes Gestaltungssystem verankert und nicht als nostalgische Geste. Ausgehend vom architektonischen Erbe der Najdi, das den Geburtsort des saudischen Staates und die historische Heimat der Familie Al Saud im Jahr 1727 prägte, entwickelt die Stadt das Erbe weiter und überträgt es so in einen modernen Kontext.

Das Ergebnis ist eine Stadt, die um den Alltag der Menschen herum gebaut ist: ein Ort, an dem öffentliches Leben, Bewegung und Begegnungen ein Gefühl von Verbundenheit und Möglichkeiten erzeugen. Als „Stadt der Erde“ konzipiert, entwickelt sich Diriyah zum weltweiten Vorbild dafür, das eigene kulturelle Erbe aufleben zu lassen und eine menschenorientierte Stadt im 21. Jahrhundert zu errichten.

Gastbeitrag von Nermeen Nosseir, Chief of Retail Leasing, Diriyah Company

Nermeen Nosseir © Diriyah Company