17. Oktober 2026

Digitale Stadtentwicklung voranbringen – Jahrestagung des DV in Berlin

Berlin (pm) – Gute Lösungen in die Breite bringen, alle relevanten Akteure an einen Tisch holen, verbindliche Standards setzen, mit dem anfangen, was nutzt und generell das Potenzial der Digitalisierung als Chance begreifen – diese Empfehlungen für die Digitalisierung von Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen kristallisierten sich bei der Jahrestagung des Deutschen Verbandes für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung am 14. Oktober 2026 in Berlin unter dem Motto „Smart Planning for Smart Living“ heraus. Deutlich wurde zudem: die Digitalisierung im Bereich Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Wohnen ist heute nicht mehr nur Thema einzelner Modellprojekte, sondern zum Gegenstand konkreter Politik- und Verwaltungsmodernisierung geworden: So arbeiten sowohl das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen als auch Landesministerien wie das Thüringer Ministerium für Digitales und Infrastruktur, bereits aktiv an den Voraussetzungen für digitale Planungs-, Genehmigungs- und Bauprozesse.

Digitalisierung in der Verwaltung verankern

Der Präsident des DV, Guido Beermann, sagte bei der Einführung: „Bei der Digitalisierung geht es heute weniger darum, was technisch möglich ist, sondern vielmehr darum, wie wir es schaffen, vorhandene digitale Möglichkeiten in Planung und Verwaltung zu verankern.“Deutschland hat in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte erzielt. Gleichzeitig verläuft die Digitalisierung von Kommunen, Planungsprozessen und Wohnungswirtschaft weiterhin sehr unterschiedlich. Während Vorreiterkommunen und innovative Unternehmen bereits Erfolge vorweisen können, bestehen vielerorts noch Defizite bei Standards, Datenqualität, Schnittstellen, Personalressourcen und organisatorischen Strukturen. Auch Fragen von Datenschutz, Datensicherheit und Datensouveränität bleiben zentrale Herausforderungen.

Wissenstransfer und Datenhoheit

Wie also kann die Digitalisierung für Stadtentwicklung und Wohnen strategisch weiterentwickelt und eingesetzt werden? Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, Sabine Poschmann, nannte die Digitalisierung eine „enorme Chance“ für Stadtentwicklung und Wohnen. Sie betonte, dass der Wissenstransfer zwischen den Städten, wie ihn der Bund mit den Modellprojekten Smart Cities unterstützt, entscheidend sei und man bei Digitalisierung und Datenhoheit selbstbestimmt bleiben müsse. Ein Upgrade des Baugesetzbuches, mit dem die standardisierte, digitale Planung (X-Planung) verbindlich werden soll, sei auf der Zielgeraden. Dies ist auch aus Sicht von Kommunen und Wohnungswirtschaft eine sehr wichtige Basis. Tim Brauckmüller, Geschäftsführer der aconium GmbH, erläuterte anhand verschiedener Beispiele, dass erfolgreiche Kommunen und Regionen eines gemeinsam hätten: Sie bringen alle Akteure, also Wohnungswirtschaft, Netzversorger, Mobilitätsanbieter und Anwohner dazu, zusammenzuarbeiten.

Kommunale Beispiele und Empfehlungen für Städte

Den Blick auf die kommunale Praxis eröffneten unter anderem Doreen Mohaupt, Bürgermeisterin der Stadt Cottbus/Chóśebuz, und Thomas Eichhorn, Geschäftsführer des Landesbetriebs Geoinformation und Vermessung Hamburg. Hamburg etwa hat 20 digitale Zwillinge aufgebaut. Legt man die Fachzwillinge „Gebaute Stadt“ und „Geplante Stadt“ übereinander, sieht man auf einen Blick, wo es nicht ausgeschöpfte Potenziale von bestehendem Baurecht gibt. Zudem hat die Hansestadt eine eigene Urban-Data-Plattform mit validierten städtischen Daten aufgebaut – Daten aus dem Internet kommen hier nicht zum Einsatz. Derzeit arbeitet Hamburg an einer eigenen KI-Anwendung für diese Plattform – so sollen künftig Fragen zu Planungs- und sonstigen Belangen schnell beantwortet werden, auch Karten kann die KI produzieren. Ihre Beiträge zeigten die unterschiedlichen Voraussetzungen und Herausforderungen von Kommunen bei der Umsetzung digitaler Planungs- und Verwaltungsprozesse. Für eine konkrete Verbesserung der Lage wünschte Mohaupt sich einen Leitfaden für Standards, an dem sich gerade kleinere Kommunen orientieren könnten. Eichhorn warb bei der Politik dafür, gute bestehende Standards verbindlich zu machen – dies sei etwa für den digitalen Bauantrag unabdingbar. Nina Müller, Smart City Engineer beim Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) hob zudem hervor, dass es wichtig ist, bei der Digitalisierung mit dem zu beginnen, was in der Kommune vorhanden ist, was gebraucht wird und was Wirkung erzielt. Max Rudolph, CEO von Buildplace plädierte dafür, gute Lösungen noch stärker in die Breite zu bringen, damit andere Kommunen von ihnen profitieren können.

Aktivitäten auf Landesebene: Beispiel Thüringen

Am Nachmittag richtete sich der Fokus auf die Digitalisierung von Planen, Bauen und Wohnen. Dr. Tobias Knoblich, Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Digitales und Infrastruktur, erläuterte die Aktivitäten des Freistaats zur Digitalisierung von Verwaltungs-, Planungs- und Bauprozessen. Thüringen verfolgt dabei einen integrierten Ansatz, der Digitalisierung, Infrastruktur, Geoinformation, Planen und Bauen miteinander verbindet. So hat Thüringen u.a. etwa die digitale Bauaufsicht eingeführt und die Bearbeitung digital umgestellt. Die Verwaltung wird dadurch einfacher, schneller und berechenbarer. Bis Ende 2027 sollen 30 weitere Verfahren folgen. Wie auch Thomas Eichhorn hob Knoblich die Bedeutung von hochwertigen und frei verfügbaren Daten (etwa Geodaten) hervor.

Digitalisierung und KI in der Wohnungswirtschaft

In der anschließenden Diskussion machten Monika Fontaine-Kretschmer, Vizepräsidentin des Deutschen Verbandes und Geschäftsführerin der Nassauischen Heimstätte, sowie Alexander Heinzmann, Geschäftsführer von BPD Immobilienentwicklung, deutlich, dass digitale Lösungen entlang des gesamten Lebenszyklus von Gebäuden zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die größte Herausforderung liege jedoch häufig nicht mehr in der Verfügbarkeit technischer Lösungen, sondern in der Integration von Daten, Prozessen und Verantwortlichkeiten über Organisationsgrenzen hinweg. Wie man mit einem „KI-Sprint“ herausarbeiten kann, welche Potenziale KI für die Wohnungswirtschaft bietet, aber auch welche Voraussetzungen für eine sinnvolle Nutzung von KI geschaffen werden müssen, erklärten Volker Schweizer vom Fraunhofer Institut für Raum und Bau (IRB) und der Geschäftsführer der Potsdamer Wohnungsbaugesellschaft Pro Potsdam, Jörn-Michael Westphal. Herausfordernd bleibt dabei ein integriertes Datenmanagement. Genauso wichtig ist es aber, den Mitarbeitenden den Mehrwert von KI-Anwendungen für die eigene Arbeit zu vermitteln und Ängste zu nehmen. Auch hier gilt: mit einfachen und leicht umsetzbaren kleinen Schritten starten, die sofort Wirkung zeigen, und nicht gleich die große Lösung für alles zu erwarten.

Die Veranstaltung fand im Jahr des 80-jährigen Bestehens des Deutschen Verbandes für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V. statt. Sie zeigte, dass wir heute die Chancen der Digitalisierung nutzen müssen. Gleichzeitig sind langfristige Anstrengungen, gemeinsame Standards und eine enge Zusammenarbeit von Politik, Kommunen, Wissenschaft, Wohnungs- und Immobilienwirtschaft sowie Digitalunternehmen erforderlich.

Quelle: Deutscher Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V.